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Stepptanz auf dem Campingplatz

Laila Salome Fischer ist die Cinderella und der Toilettenmann der Dresdner Staatsoperette. Selbst im Urlaub lernt die Sängerin für Rollen.

Von wegen Träumerin! Das kann Laila Salome Fischer auch – träumt dann aber eher davon, neue Rollen, Sprachen, Instrumente und mehr zu erlernen: „Die Vielseitigkeit, die gerade an Dresdens Staatsoperette gefordert wird, gefällt mir und treibt mich a
Von wegen Träumerin! Das kann Laila Salome Fischer auch – träumt dann aber eher davon, neue Rollen, Sprachen, Instrumente und mehr zu erlernen: „Die Vielseitigkeit, die gerade an Dresdens Staatsoperette gefordert wird, gefällt mir und treibt mich a © privat

Das Foto der sanft blickenden, schönen Frau sollte nicht täuschen. Sie kann ganz anders. Die Mezzosopranistin der Staatsoperette Laila Salome Fischer kann eine ordentlich schimpfende „Königin der Nacht“ sein, denn nichts anderes ist deren Hit „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“. 

Sie kann aber ebenso mit französischen Chansons flirrende Atmosphäre heraufbeschwören, als Bruder in „Hänsel und Gretel“ etwas verträumt-doof der Hexe auf den Leim gehen, einen philosophierenden Toilettenmann revue-gut gestalten und als Gangsterbraut in den „Banditen“ rappen wie ein Macho. Und wenn man dann weiß, dass die 32-Jährige dabei ist, eine rasante Karriere als Barocksängerin zu starten – dann täuscht man sich immer noch. Denn Laila Salome Fischer kann noch viel, viel mehr. Sie spielt zudem Ukulele, Klavier, Gitarre, Flöte, Akkordeon und „das tollste, weil so vielseitige Instrument, die Gambe“.

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Als Kind schon auf der Bühne

Seit einer Spielzeit ist das Multitalent aus Berlin Mitglied des Ensembles der Staatsoperette Dresden. Und obwohl sie von Spezialisten der Alten Musik für Projekte gern und viel engagiert wird, erhielt sie den Zuschlag in Dresden. Eine gute Entscheidung, denn Fischer dürfte sich alsbald zur unentbehrlichen Solistin entwickelt haben. Allein in der bevorstehenden Spielzeit hat sie so maßgebliche oder Hauptrollen wie den „Hänsel“, die Cinderella im gleichnamigen Musical und die „super emanzipierte Marylou“ in der Lustspiel-Operette „Märchen im Grand-Hotel“.

„Ich liebe den Hänsel, freue mich aber besonders aufs Musical“, sagt sie: „Da muss ich die Stimme ganz anders führen als in unseren anderen Genres, gleichzeitig eine andere Körperhaltung einnehmen. Singen, tanzen, spielen, das ganze Spektrum – herrlich. Ich bin wahnsinnig neugierig und habe schon lange im Vorfeld erfahrene Kollegen genervt, wie man das Spezifische im Musical am besten umsetzen kann.“ Wohl habe sie viel davon auch im Studium gehabt, aber: „Das richtige Spielen lernt man doch erst am Theater – und ich lerne bis heute.“ Sie belässt es nicht beim perfekten Gesang und Tanz. Auch kleinste Bewegungen müssten stimmen. „Ich erforsche selbst das Augenrollen, damit eine Figur wirklich authentisch rüberkommt“.

Seit zweieinhalb Jahrzehnten ist Laila Salome Fischer auf der Bühne. Mit acht Jahren gehörte sie zum Kinderstudio der Komischen Oper Berlin. „Die Bühne war mein Spielplatz.“ Mit elf Jahren wurde sie Jungstudentin am Nachwuchs-Institut der Universität der Künste Berlin. Bereits während des Studiums debütierte sie unter anderem an der Deutschen Oper Berlin und bei den Musikfestspielen Potsdam, es folgten Engagements bei den Bregenzer Festspielen, am Staatstheater Cottbus und in Tel Aviv.

Begeistert im neuen Ensemble

Mit besonderem Interesse widmet sie sich von Anfang an der historischen Aufführungspraxis und wurde in der Kategorie „Alte Musik“ Stipendiatin des Deutschen Musikwettbewerbs. „Es ist eine virtuose Musik mit sehr hohen Tönen und einer suggestiven Tiefe, bei der es extrem auf den Text ankommt.“ 

Speziell den Frühbarock mit seiner Nähe zur Spieloper liebt sie. Große Tourneen mit dem Top-Mann Jordi Savall waren dieses Frühjahr geplant, ihr Debüt bei den Händel-Festspielen – alles wegen Corona abgesagt oder verschoben. Ebenso die Veröffentlichung einer ersten CD. „Dann passiert eben alles im nächsten Jahr oder später.“

„Nichts übereilen, nichts erzwingen“ ist ein Lebensmotto der jungen Frau, die von sich sagt: „Ich bin immer aktiv, muss immer was zu tun haben und habe immer mehrere Vorhaben gleichzeitig.“ Gerade lernt sie, Spinett zu spielen und Italienisch via Fernstudium in Florenz.

Bei diesem Wunschpensum nach immer mehr wundert es nicht, dass die Sängerin sich „an der Staatsoperette vom ersten Tag an wohlfühlt“. Das liege zum einen am breiten, auch herausfordernden Repertoire. Wo kann man sonst Oper, Spieloper, Operette, Revue und Musical singen? „Ich mag diese Abwechslung. Das holt mich auf so vielen, schönen Ebenen ab.“

Mindestens genauso wichtig fürs Wohlfühlen in Dresden sei das Ensemble. Neuengagierte schwärmen fast immer recht allgemein von ihren neuen „Familien“. Laila Salome Fischer aber spricht konkret „vom extrem respektvollen Umgang miteinander“. Neulinge würden nicht lange beäugt, sondern sofort integriert. „Und dieses friedliche, schöne Miteinander ist die ganze Spielzeit geblieben.“

Auch mit den Füßen Musik machen

Für vorerst zwei Jahre ist Fischer an der Staatsoperette engagiert. Danach würden eventuell jährliche Vertragsverlängerungen anstehen. Was sie sich wünscht? „Immer wieder Neues und irgendwann mal eine Carmen.“

Neues kriegt sie stetig. Eine bislang nicht beherrschte Facette versucht sie sich gerade draufzuschaufeln. Sie lernt Stepptanz. Denn als Marylou in der ersten Saison-Premiere „Märchen im Grand-Hotel“ im September hat sie nicht nur die Fäden der Geschichte eines lustvollen Verwirrspiels à la Hollywood in der Hand. Die vielseitige Musik von Paul Abraham von Walzer bis Foxtrott, von Tango bis Jazz erfordert von ihr unter anderem diese wirkungsvollen Tanzeinlagen. 

Noch in der alten Spielzeit hatte sie angefangen, die rhythmisch markanten Schritte zu üben. Doch bis zur Tänzerin, die mit beeindruckenden Balls, Taps oder Touchs zur lässigen Perkussions-Musikerin wird, fehlt noch die Routine. „Ganz klar, wenn ich diesen Sommer als Wanderkind mit dem Autozelt in der Südtoscana unterwegs bin, habe ich das Steppbrett dabei.“

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