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Lama-Küsse am Bärwalder See

Zu den privaten Investoren im Rahmen des Tourismuskonzeptes für den zukünftigen Bärwalder See gehört auch die Forstwirtschaftlerin Dr. Dietgart Eichhorst (45) aus dem Rothenburger Ortsteil Dunkelhäuser.

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Von Jost Schmidtchen

Zu den privaten Investoren im Rahmen des Tourismuskonzeptes für den zukünftigen Bärwalder See gehört auch die Forstwirtschaftlerin Dr. Dietgart Eichhorst (45) aus dem Rothenburger Ortsteil Dunkelhäuser.

Dort betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Marlies Wehnert (47), einer Forstökonomin, einen eigenen Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit einer Forstbaumschule. Bereits 1996 pachteten beide Frauen zwischen Uhyst und dem entstehenden See eine Fläche von 130 Hektar, die sie 1999 von der LMBV käuflich erwarben.

Auf dieser Fläche entstand zunächst eine Wildrosenplantage für die Hagebuttenproduktion. Abnehmer der Hagebutten ist die pharmazeutische Industrie. Inzwischen spielen die Wildrosen und Hagebutten allerdings nur noch die „zweite Geige“. Als nämlich die Tourismuskonzepte für den Bärwalder See erarbeitet wurden, zog man Frau Eichhorst hinzu, da ihre Fläche an den See angrenzt.

Die Rothenburgerin zeigte sich sofort aufgeschlossen und nahm das Angebot zur Mitarbeit an. „Schließlich“, so sagte sie der SZ, „geht es mir darum, in der heutigen technisierten Zeit bei den Besuchern auch wieder zunehmend das Interesse für die Natur zu wecken“.

Wildgehege mit

kanadischen Gästen

Das ist der Forstfachfrau mit ihrer Kollegin bislang sehr gut gelungen. Auf dem Areal entstand inzwischen ein 60 Hektar großes, eingezäuntes Wildgehege. Darin leben friedlich miteinander Dam-, Rot- und Rehwild sowie Wapitis, das ist eine kanadische Rotwildart. Hinzu kommen alle Niederwildarten: Rebhühner, Fasane und Hasen. Sogar Wildkaninchen haben sich wieder angesiedelt, und es gibt auch einen Fuchsbau mit Nachwuchs.

Die Tiere leben auf der großen Fläche wie in der Freiheit, behalten damit ihren natürlichen Lebensrhythmus bei, finden genügend Nahrung und sind ungestört. Soweit sie nicht schon da waren, wurden sie zielgerichtet dazugekauft. Da am Zaun des Wildgeheges der Radwanderweg vorbei führt, halten die Radwanderer nicht nur an, sondern können seit etwa vier Wochen auch an einer Safari teilnehmen. Das Angebot wurde sofort sehr gut angenommen. Dafür steht ein offener Landrover-Jeep bereit, der acht Personen Platz bietet und von Frau Dr. Eichhorst persönlich gelenkt wird. Die Tiere, die ihre Scheu bereits teilweise abgelegt haben, können fotografiert, gestreichelt und gefüttert werden. Allerdings nur mit dem Futter, das im Jeep in einem Eimer bereit steht.

Für die SZ gab es eine „Sonderfahrt“. An dem windigen Tag hielten sich die meisten Tiere im dichten Unterwuchs versteckt. Doch dann plötzlich, hinter einer Kurve, standen etwa 50 Rehe auf dem Weg, alle bis zu zwei Jahre alt. An Weglaufen dachte keines der Tiere. Vielmehr wissen sie: Wenn der Landrover angefahren kommt, gibt es auch eine leckere Sonderration Futter. Für den SZ-Fotografen war es natürlich ungewohnt, plötzlich inmitten so einer Schar von Rehen zu stehen. Bei aller liebevollen Schubserei gelangen trotzdem ein paar Aufnahmen. Entsprechend des Lebensrhythmus’ der Tiere finden die Safaris auch in den Abendstunden statt, wenn beispielsweise das Rotwild heraustritt.

Attraktiv ist die Tour durch das Wildgehege zu allen Jahreszeiten. Je nach Setzzeit gibt es auch immer irgendwelche Jungtiere. Zur Freude besonders der Kinder sind auch zwei kleine, sechs Monate alte Kängurus da. Die sausen noch nicht durch die Gegend, sondern werden in einem Extragehege mit der Milchflasche aufgepäppelt, weil die Elterntiere nicht durchkamen.

Zur Besonderheit im Wildgehege gehören acht Lamas, alles Hengste. Sie stammen von einem Züchter aus Bayern und die Lama-Eltern aus Chile. Mit den Lamas wird es im Herbst und Winter Wanderungen um den Bärwalder See geben, das sogenannte „Lama-Trecking“.

Zu den Besuchern gehören neben Radwanderern auch Familien aus der ganzen Lausitz, Rentner bei Bus-Ausflügen sowie Schulklassen am Wandertag. Ständige Gäste bei den Lamas sind Gruppen der Behindertenwerkstatt Hoyerswerda und der Suchtberatungen. Lamas sind erfolgreiche therapeutische Begleiter von Menschen mit autistischen, psychosomatischen und psychiatrischen Symptomen bzw. geistiger Behinderung.

Frage der Fragen:

„Kann ich den riechen?“

Das feinfühlige Wesen der Lamas unterstützt die heilsame Begegnung zwischen Mensch und Tier. Besucher brauchen, wenn sie das Lama-Gehege am Bärwalder See betreten, keine Angst vor den heranlaufenden Tieren zu haben. Neugierig, wie Lamas sind, kommen sie von selbst auf den Menschen zu. Ganz behutsam nimmt das Lama mit ihm Kontakt auf, indem es von hinten sehr nah heran tritt und ihm in den Nacken bläst. Mit dem feinen Geruchssinn kann das Tier so entscheiden: Mag ich diesen Menschen riechen?

Nach der ersten Kontaktaufnahme geht das Lama in der Regel erst einmal wieder auf Distanz. Aber es dauert nicht lange und es kommt zurück. Die Tiere sind sehr verschmust und genießen es, wenn der Mensch sie am Hals krault, sie streichelt und den direkten Blickkontakt mit ihnen sucht. Als Zeichen seiner Zuneigung drückt das Lama seinem Gegenüber dann gern einmal seine Nase auf die Wange. Das ist der sogenannte Lama-Kuss. Wer Interesse an einer Safari hat und an Lama-Küssen, sollte das Wildgehege am Bärwalder See nicht versäumen.