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Lamm an der Leine ruft Polizei auf den Plan

Friedrich Boltz aus Jänkendorf war in Görlitz unterwegs, mit Kindern, Schaf und Helm. Das irritierte offensichtlich manchen Passanten.

Friedrich Boltz aus Jänkendorf hatte Ärger mit der Polizei in Görlitz.
Friedrich Boltz aus Jänkendorf hatte Ärger mit der Polizei in Görlitz. © André Schulze

Ein Mann mit einem bunten Schweißerhelm auf dem Kopf, ein kleines Schäfchen an der Leine, außerdem Kinder, allesamt unterwegs auf der Berliner Straße in Görlitz - sicherlich, ein bizarrer Anblick. Und ein Ausflug, der mit einem Polizeieinsatz endete. Friedrich Boltz steht im Zentrum der Geschichte, die am 7. Mai passierte. Im Moment sitzt er allerdings auf einer Bank auf seinem Hof in Jänkendorf und gibt einem Lamm die Flasche. "Nein", sagt Friedrich Boltz, "das ist nicht das Schaf, das damals in Görlitz dabei war." Aber so in dieser Größe, in dem Alter sei es schon gewesen. Es gehörte zu seiner Herde.

Lamm mit der Flasche aufgezogen

Friedrich Boltz ist 67 Jahre alt, insulinpflichtiger Diabetiker, leidet unter Bluthochdruck und Asthma.  "Ich zähle damit zur Corona-Hochrisikogruppe", sagt er. Weil die Regierung keine Schutzmittel wie Masken und Ähnliches für Betroffene wie ihn bereitstelle, trage er eben den Schweißerhelm, wenn er in der Öffentlichkeit unterwegs ist. Den Helm zieren bunte Aufkleber und die Aufschrift "Corona-Schutz". Friedrich Boltz macht einen ruhigen, besonnenen Eindruck. Er engagiert sich im Verein Holderbusch.  Auf seinem Hof seien einige "Corona-Stadtflüchtlinge", so nennt er sie, untergekommen.  Als die Beschränkungen gelockert wurden, wollten die Kinder einen Ausflug nach Görlitz machen. Mit Lamm und in Begleitung einer Erwachsenen und Friedrich Boltz.

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"Ja, das Lamm..." Friedrich Boltz lächelt. Wenn ein Mutterschaf stirbt oder den Nachwuchs nicht annimmt, werden bei ihm auf dem Hof die Lämmer mit der Flasche aufgezogen. Sie folgen dann den "Eltern" auf Schritt und Tritt und jammern laut, wenn sie mal nicht erreichbar seien, schildert er. So ein Lamm war in Görlitz mit.

Unerwartete Ansprache an der Ampel Bahnhofstraße

Um einer Unterzuckerung vorzubeugen, kaufte sich  Friedrich Boltz im Bioladen im Bahnhof eine Packung Reiswaffeln. An der Ampel zur Berliner Straße nahm dann das Malheur seinen Lauf. Eine Frau sei auf die Kinder zugekommen, habe sich beschwert, dass sie gegen  den Tierschutz verstoßen, wenn ein Lamm in der Stadt herumgeführt werde. "Als sie aggressiver und lauter wurde, habe ich sie gebeten, Abstand zu halten", erzählt Friedrich Boltz.

Die Frau habe nicht reagiert. "Ich ging dann mit vorgestreckten Armen und aufgestellten Handflächen auf sie zu", so Friedrich Boltz.  Die Frau sei erst zurückgewichen, als er sie fast erreicht hatte. Im Weggehen habe sie dann angekündigt, die Polizei zu rufen. "Ich rief zurück, dass ich das gut finde und winkte ihr freundlich zu", sagt Friedrich Boltz. Dann setzte die Truppe ihren Ausflug fort. Bis die Polizei kam.

Diesen Helm trug Friedrich Boltz während seines Ausfluges nach Görlitz - als Corona-Schutz.
Diesen Helm trug Friedrich Boltz während seines Ausfluges nach Görlitz - als Corona-Schutz. © André Schulze

Dabei hätten viele Passanten durchaus positiv auf die Ausflügler reagiert. "Manche streichelten das Lamm. Ein Imbissinhaber brachte Gurkenscheiben als Leckerli", sagt Friedrich Boltz. Das Lamm habe allerdings abgelehnt.  Etwa in der Mitte der Berliner Straße  sei ein Polizeibeamter auf ihn zugekommen und habe den Personalausweis gefordert. 

Vier Beamte warfen 67-Jährigen zu Boden

Weil er ihm sehr nahe gekommen sei, habe er gebeten, Abstand zu halten und sich auszuweisen, sagt Friedrich Boltz. Der Beamte habe daraufhin wieder den Ausweis gefordert, Friedrich Boltz wurde offenbar lauter. "Ich habe dann gesagt, wenn er sich nicht ausweist, gehe ich einfach weiter", erzählt er. Und tat es dann. Vier Beamte hätten ihn daraufhin zu Boden geworfen, wollten ihm die Arme auf den Rücken drehen und Handschellen anlegen. Allerdings ist Friedrich Boltz an der Schulter verletzt und habe darauf lautstark aufmerksam gemacht. Daraufhin kamen die Handschellen vor den Körper, und er kam in Polizeigewahrsam. 

Dienstaufsichtsbeschwerde gestellt

Das Schaf kam währenddessen bei einem Bekannten unter, die Kinder weinten. Friedrich Boltz wurde belehrt, hat eine Anzeige wegen Bedrohung - der Frau - und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte kassiert. Er habe unter anderem den Arm eines Beamten zur Seite geschlagen, heißt es in einem Schreiben der Polizei an ihn. Zudem wird ihm darin "aggressives Verhalten" bescheinigt,  daher die Handschellen.

Friedrich Boltz wiederum hat die Frau verklagt, wegen Bedrohung und Falschaussage.  Zudem legte er Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die "beteiligten uniformierten Personen" des Einsatzes ein. "Woher weiß ich denn genau, dass es Polizisten waren? Sie haben sich ja nicht ausgewiesen", sagt er. Wie die Geschichte ausgeht, ist vorerst offen. "Ich habe jetzt erst einmal die Mitteilung bekommen, dass die Bearbeitung eine Weile dauern kann", sagt Friedrich Boltz. Auf eine SZ-Anfrage gab es am Montag von der Polizeidirektion Görlitz keine Antwort.

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