merken
PLUS

Weißwasser

Lampendoktorin gibt alten Schätzen neuen Glanz

Bis Sonnabend betreibt Marion Wagner-Dee ihre Werkstatt in Weißwasser. Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal.

Marion Wagner-Dee weiß für (fast) jedes Lampenproblem eine Lösung. Erst recht, wenn es sich um ein altes Schätzchen handelt.
Marion Wagner-Dee weiß für (fast) jedes Lampenproblem eine Lösung. Erst recht, wenn es sich um ein altes Schätzchen handelt. © Joachim Rehle

Es ist schon eine Friemelei. Vor Marion Wagner-Dee liegen das Gestell eines Lampenschirms und die Einzelteile der Bespannung. Eine supertolle Lampe hatte sich eine Kundin im Überschwang der Gefühle gekauft und dann zu Hause gemerkt, dass diese nur wenig Licht gibt. Kein Wunder, wie sich herausstellte, ist der Schirm mit Tapete bespannt. Als Kerzenersatz für Dekorationslicht prima, zum Lesen aber leider nicht geeignet. Die Lampendoktorin findet eine Lösung. Seit Montag voriger Woche betreibt Marion Wagner-Dee ihre Werkstatt in der Straße der Glasmacher 18 in Weißwasser. Und sie hat gut zu tun.

Lampenbauerin hat sie gelernt und damit einen Beruf, den es heute gar nicht mehr gibt. Über die Jahre spezialisierte sie sich auf die Reparatur liebgewordener Stücke. Sie reinigt Lampenschirme und klebt Borten an. Kunden kommen zu ihr, wenn eine Naht am Schirm genäht werden muss, Ringe am Gestell rausgefallen sind oder ein neuer Schirm angefertigt werden soll, weil der alte Glasschirm kaputt ist. Mitunter kommt es auch vor, dass jemand von einer der Musterlampen derart begeistert ist, dass er sie gleich mitnehmen will. Als anerkannte freischaffende Künstlerin bemalt Marion Wagner-Dee auch Lampenschirme, zum Beispiel mit jagdlichen Tiermotiven oder wie gewünscht mit Pferd oder Dackel.

Anzeige
Rückkauf-Garantie für Autokäufer

Die Arndt Automobile GmbH in Niesky bietet jetzt eine besondere Sicherheit: Neben günstigen Preisen wird beim Kauf eine Rückkauf-Garantie geboten.

Seit anderthalb Wochen hat die Niedersächsin ihre Zelte in Weißwasser aufgeschlagen. Und das nicht zum ersten Mal. Anfang der Neunziger Jahre war sie einige Male auf der Ostermesse in Dresden. Als dort die Preise anzogen, machte ihr die Cottbuser Messeleitung eine ihrer Veranstaltungen schmackhaft. Von da aus wurde sie für eine Schauwerkstatt in Forst angeheuert. Dort hat sie dann jemand aus der Stadtverwaltung Weißwasser entdeckt. Der Kontakt war geknüpft – und ist bis heute nicht abgerissen. Ihre Dienstleistung bereichert das innerstädtische Angebot.

Marion Wagner-Dee lobt Wirtschaftsförderer Thorsten Rennhak, der sich vorab jeweils um ein Geschäft kümmere. Seit 31 Jahren ist sie als fahrende Kunsthandwerkerin unterwegs. Mitunter würden ihr Läden angeboten, wo es sich kaum arbeiten lässt. Ganz anders in Weißwasser. „Da stimmen die Bedingungen“, findet sie. Nicht nur deshalb kommt sie gern her. 2020 zum 14. Mal. Die Miete zahle sie natürlich selbst.

Ein Laden für Kunsthandwerker

Sie ist dankbar, dass es in Weißwasser so reibungslos geht. Aus 450 Kilometer Entfernung sei es ziemlich schwer, mal eben so für zwei Wochen einen Laden zu mieten. Mit ihrer Lampenwerkstatt kam sie schon in verschiedenen Objekten in der Stadt unter, jetzt in der Straße der Glasmacher 18.

Marion Wagner-Dee verweist auf ein Modell in manch anderen Orten. Dort habe jeweils die Stadt einen kleinen Laden gemietet, den sie für begrenzte Zeit an die Lampendoktorin, einen Teddydoktor, Puppendoktorin, Glasmaler, Porzellandoktor und wen auch immer untervermietet. Alles Kunsthandwerker, für deren Dienstleistungen es einen Bedarf gibt – nur eben nicht auf Dauer immer am gleichen Ort. So etwas könne sie sich auch gut und gerne in Weißwasser vorstellen, sagt sie.

Selber einen festen Standort zu eröffnen, mache wenig Sinn. Wer einmal bei ihr war, hat sein Lieblingsstück auf lange Sicht repariert und kommt so schnell nicht wieder. Marion Wagner-Dee betreibt eine Hauptwerkstatt in Lauenförde. Von Oktober bis Dezember ist sie in den alten Bundesländern unterwegs, von Januar bis März in den neuen. An sechs Stationen in elf Wochen. Bis Mai arbeitet sie dann zu Hause alle Restaufträge ab. Im Sommer gebe es weniger zu tun. „Da braucht keiner Lampen und Licht“, weiß sie aus Erfahrung. Der große Run beginne wieder ab September.

Aber selbst wenn im Geschäft nicht so viel zu tun ist, kann sie ihre Finger nicht still halten. Sie malt, vor allem das Weserbergland. Sie kocht Marmelade aus dem Obst im eigenen Garten. Zusammen mit ihrem Mann Heiko reist sie auch gerne, am liebsten an die Nordsee: „zum Lunge-Lüften“. Dann hat sie immer den Skizzenblock dabei. Sie und ihr Mann mögen alte Gemäuer, wandeln auf den Spuren der alten Römer und kommen an keiner Kirche vorbei. Selbstverständlich waren sie auch im Glasmuseum. „Hier in Weißwasser haben wir schon viel Schönes gesehen“, sagt sie. Aber nicht nur, wie sie findet. Sie verweist auf den Turm am Schweren Berg. „Was dahinter kommt, mag wirtschaftlich Sinn machen, ich brauche das nicht“, fügt sie an. Und, dass sie und ihr Mann „vernunftbedingt umweltbewusster leben“. Sie sind mit dem Wohnmobil unterwegs, fahren oft mit den E-Bikes. „Es ist auch Umweltschutz, wenn die Leute ihre alten Lampen nicht alle wegschmeißen. Wir haben Nachhaltigkeit schon praktiziert, bevor es ein Modewort wurde“, erklärt Marion Wagner-Dee. Dann erzählt sie noch, dass ihr Kunden getrocknete Gräser aus dem Garten brachten, der dem Tagebau weichen sollte. Sie gestaltete damit einen Lampenschirm.

Bis Sonnabendmittag könne sie noch kleine Aufträge hier in Weißwasser abarbeiten. Größere Sachen würden mit auf die Reise gehen und dann per Post verschickt. Ab Montag ist sie in Vetschau zugange, danach in Kamenz. „Aber 2021 bin ich wieder hier in Weißwasser“, verspricht sie.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.