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Lampionumzug als Odyssee

Laura strahlt über das ganze Gesicht. Sie trägt ihren dicken Mond stolz vor sich her. In seinem Innern flackert eine Kerze, er leuchtet rund und schön durch Langebrück. Laura hat sich schon die ganze Zeit auf dieses Fest gefreut.

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Von Iris Schmidt

Laura strahlt über das ganze Gesicht. Sie trägt ihren dicken Mond stolz vor sich her. In seinem Innern flackert eine Kerze, er leuchtet rund und schön durch Langebrück. Laura hat sich schon die ganze Zeit auf dieses Fest gefreut. Auch Luca und Dominique sind beim Lampionumzug dabei. Neben ihnen geht der Chef der Awo im Rödertal, Joachim Kotte. Er beobachtet die Kinder. „Ja, ein solcher Umzug ist immer etwas Besonderes, erinnert an die eigene Kindheit“, sagt er. „Und hinterher am Lagerfeuer haben auch die Eltern noch ihren Spaß“, sagt Kotte.

Der sonst so besonnene Mann wird unruhig. Ihm brennt ein Problem auf den Nägeln. „Tja, hier in Dresden scheint das alles kein Problem zu sein, im Landkreis Kamenz ticken die Uhren anders“. Er schildert die Bemühungen „seines Kindergartens“ in der Radeberger Waldstraße, um einen Lampionumzug am 7. November, zum Martinsfest, durchführen zu können. Eine wahre Odyssee nennt er die. Die Chefin des Hauses Ulrike Curian ist nicht weniger entsetzt und macht ihrem Ärger Luft. Sie sollte, nachdem sie von der Stadt Radeberg an das Landratsamt verwiesen wurde, für die Genehmigung eine Bearbeitungsgebühr von 25,50 Euro bezahlen.

Traditionell gehen die Kinder mit ihren Laternen von der Waldstraße einmal durch das Wohngebiet, also die Radeberger Forststraße entlang, dann durch die Heidestraße und wieder zur Waldstraße zurück. Deshalb hat Frau Curian auch das Polizeirevier mit im Boot. Dieter Arnold, amtierender Chef, wollte Straßen für eine kurze Zeit sperren und den Zug begleiten. An alles war gedacht. Als jedoch eine Rechnung aus dem Landratsamt kam, da musste Ulrike Curian tüchtig schlucken. „Zumal Kitas in Trägerschaft von Kommunen nicht zahlen müssen. Das ist doch ungerecht“, findet sie. Nachdem sie ihren Unmut auch in der Behörde geäußert hat, wurde ihr nun ein „Angebot zur Güte“ gemacht. Sie sollte nur noch zehn Euro bezahlen. „Selbst die werde ich durch Spenden der Eltern finanzieren“, sagt Frau Curian. Sie verfügt nicht über finanzielle Mittel oder ein Kostenstellen, eine solche „Vergnügungssteuer“ abzurechnen.

Lampionumzug

bald passé?

„Das wäre eine fatale und ganz falsche Entwicklung“, sagt Ulrike Curian. Im Landratsamt bestätigt die amtierende Pressesprecherin den Vorgang. „Es geht um die Genehmigungspflicht laut StVO, weil Straßen bei dem Umzug benutzt werden“, so die Auskunft von Marion Günther. Jochen Kotte gibt zu bedenken: „Wir sind selbst von der Rundfunk- und Fernsehgebühr befreit, damit freie Träger, meist eingetragene Vereine, nicht noch mehr mit den Kosten zu kämpfen haben, und trotzdem mal ein Kinderhörspiel anschalten können“. Deshalb ärgert ihn die Sache mit der Gebühr für diesen Lampionumzug besonders. „Das nehme ich nicht hin“, schimpft er.

Die Langebrückerin Christa Büttner, die das Awo Kinderzentrum in der Ortschaft leitet, kennt solche Schwierigkeiten und ein solches „Gewürge“ nicht. „Ein Gang zur Ortsverwaltung hier, und wir konnten feiern und mit den Lampions durch den Ort gehen“. Eine Gebühr, nein, die sei hier in Dresden nicht erhoben worden. Deshalb klingt es stimmungsvoll durch die dunklen Langebrücker Straßen: „Ich geh mit meiner Laterne ....“