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Döbeln

Mit 82 noch in der Sprechstunde

Der älteste praktizierende Hausarzt Döbelns hält nichts von der Landarztquote – aber von anderen Lösungen.

Die personifizierte Lösung gegen den Ärztemangel: Auch mit 82 Jahren denkt der Döbelner Allgemeinmediziner Dr. Hartwig Bach noch nicht wirklich ans Aufhören.
Die personifizierte Lösung gegen den Ärztemangel: Auch mit 82 Jahren denkt der Döbelner Allgemeinmediziner Dr. Hartwig Bach noch nicht wirklich ans Aufhören. © Archiv: Dietmar Thomas

Döbeln. Die Landarztquote kommt. Das verspricht die sächsische CDU und die sächsische Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU). „Ob das die richtige Lösung ist, wage ich zu bezweifeln“, sagt dazu der Döbelner Allgemeinmediziner Dr. Hartwig Bach. „Ärzte sind Freiberufler, denen eine Quote aufzudrücken, halte ich für schwierig“, ergänzt er. Die Kommunen sollten lieber selbst die Möglichkeit bekommen, um Ärzte in ihren Orten zu werben, findet er. Die Leute vor Ort wüssten selbst am besten Bescheid darüber, welche Bedingungen für junge Ärzte nötig sind, um sie für eine Praxis auf dem Land zu begeistern.

Mit stolzen 82 Jahren ist Bach der älteste praktizierende Mediziner in der Region und quasi ein Gegenbeispiel dafür, wie der drohende Ärztemangel auch aufgehalten werden kann. Vor elf Jahren hatte der Arzt, der eigentlich in Eisenhüttenstadt lebt, seine Praxis an der Döbelner Ritterstraße aufgemacht, weil er im Land Brandenburg nach den damals geltenden Regelungen mit 68 Jahren aufhören musste. Damals war er nach Sachsen gekommen, wo nicht nur Ärztemangel herrschte, sondern auch andere Regeln.

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Insgesamt werden im gesamten Landkreis Mittelsachsen bis zum Jahr 2021 sechs Hausärzte und zwei Fachärzte gesucht, die bereits bestehende Praxen übernehmen könnten. Eine Unterversorgung gibt es im Raum Döbeln allerdings nicht. 30 zugelassene Hausärzte praktizieren in der Region, sie sind für rund 63 600 Einwohner zuständig. Allein im Stadtgebiet Döbeln gibt es 16 Allgemeinarztpraxen. Zum Jahresbeginn 2020 wird jedoch für eine dieser Hausarztpraxis ein Nachfolger gesucht. „Ich würde mir das auch überlegen, wenn ich denn einen Nachfolger hätte“, sagt Hartwig Bach. Doch solange das nicht der Fall sei, halte er an seinem Fünf-Jahres-Plan fest, lacht Doktor Bach.

Eine Unterversorgung an Hausärzten droht zumindest für die Region Döbeln aktuell nicht. Laut den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung ist Versorgung im Laufe eines Jahres von 2017 zu 2018 sogar besser geworden. Lag der Grad der Versorgung vor zwei Jahren noch bei 94,7 Prozent, ist er im vergangenen Jahr auf dann 96,9 Prozent gestiegen. Im Raum Freiberg sieht es vergleichsweise wesentlich schlechter aus. Dort praktizieren insgesamt 72 Hausärzte, der Versorgungsgrad liegt bei 92,5 Prozent (2017: 93,2 Prozent). 

Zwar liege dort aktuell noch keine Unterversorgung vor, allerdings droht diese. Noch deutlicher sind die Zahlen im Raum Mittweida. Auch in dieser Region könnte es künftig zu wenige Hausärzte geben. Aktuell kümmern sich 45 Ärzte um 86 149 Patienten. Damit liegt der Versorgungsgrad bei 91 Prozent (2017: 89,1 Prozent). Den derzeit schlechtesten Versorgungsgrad innerhalb der Chemnitzer Bezirksgeschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) weist die Region Stollberg mit 76,3 Prozent auf. Mit 104,1 Prozent liegt dagegen die Region Limbach-Oberfrohna deutlich an der Spitze.

„Grundsätzlich begrüßen wir jede Aktivität, die dabei hilft, die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen zu verbessern“, sagt Katharina Bachmann-Bux, Pressesprecherin der KVS. Ob und wie die Landarztquote tatsächlich umgesetzt werden kann, sei aber noch nicht klar. „Es handelt sich um ein Zukunftsprojekt, das auf die Vorschläge von 2012 aufbaut“, sagt dazu der Döbelner CDU-Landtagskandidat Dr. Rudolf Lehle. Das 30 Millionen-Euro-Paket stehe unter Finanzierungsvorbehalt, sei aber bereits im Doppelhaushalt 2019/2020 verankert. „Erst die kommende Staatsregierung wird dieses Projekt umsetzen können. Das langfristige Projekt ist bis 2035 angelegt“, erklärt er weiter.

Die KVS hat bereits im Jahr 2013 ein eigenes Modellprojekt aus der Taufe gehoben, dass nun erste Früchte trägt und auch der Region Döbeln zugutekommt. Im Programm „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ werden 20 Studenten pro Jahrgang gefördert, die Medizin an der ungarischen Universität Pécs studieren. Im Gegenzug verpflichten sie sich, im Anschluss an ihr Studium die Weiterbildung zum Facharzt in Sachsen zu absolvieren und für mindestens fünf Jahre als Hausarzt im Freistaat tätig zu sein. 

Zwei angehende Mediziner aus Geringswalde gehören zu dem ersten Jahrgang dieser jungen Ärzte, die nun ihre Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in sächsischen Praxen beginnen. Auch in Döbeln wird einer der Stipendiaten seine Praxisausbildung absolvieren.