merken
PLUS

Landbäckerei will umziehen

Das Traditionsunternehmen Schmidt aus Cunnersdorf bei baut in Leupoldishain neu. Das sichert 180 Jobs.

Von Ines Mallek-Klein

Die Edelstahlschornsteine blitzen in der Sonne, es duftet herrlich nach warmen Kuchen. Zwei Lkws warten an der Rampe darauf, beladen zu werden. Es gibt viel auszufahren. 26 Filialen betreibt die Landbäckerei Schmidt. In wenigen Tagen wird in Pirna eine weitere dazukommen. Da gilt es, Produktionsabläufe zu optimieren und Lagerflächen für die Rohstoffe anzupassen. Viermal hat die Landbäckerei Schmidt an ihrem jetzigen Sitz in Cunnersdorf schon um- und angebaut. Doch jetzt wird es endgültig zu eng und man investiert neu.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Die Bagger rollen bereits. Im Gewerbegebiet Leupoldishain wird gerade die Sohle ausgebildet, dann folgen die Fundamente. Wird der Winter nicht allzu streng, muss auf der Baustelle durchgearbeitet werden, sagt Firmenchef John Arko. Der Zeitplan ist straff. Bereits im September 2014 soll die Produktion am neuen Standort anlaufen. Wenig später will die Landbäckerei auch ihr neues Café mit großzügigem Innen- und Außenbereich eröffnen. Zur Investitionssumme schweigt John Arko. Er verrät aber, dass man nach den neuesten energetischen Standards bauen wird.

Eine Bäckerei braucht beides. Hitze in den Öfen und Kälte in den Kühlzellen. Das will sich die Firma Schmidt bei ihrem Neubau zunutze machen und setzt auf Wärmerückgewinnung. „Wir haben trotzdem noch so viel Energie übrig, dass wir ein ganzes Schwimmbad beheizen könnten“, sagt Heike Arko. Das gibt es im Gewerbegebiet von Leupoldishain allerdings nicht, nur einen kleinen Löschteich. Das Areal ist dennoch perfekt, auch wegen der deutlich besseren Verkehrsanbindung über die B 172, sagt John Arko.

Immerhin 250 verschiedene Produkte werden bei der Landbäckerei frisch hergestellt. Tag für Tag, sieben Tage in der Woche, mit Ausnahme einiger weniger Feiertage. „Eine Vielfalt, die industrielle Bäcker nie liefern könnten“, sagt John Arko. Aber zählt seine Bäckerei mit 26 Filialen und 180 Mitarbeitern nicht auch in diese Kategorie? Nein, sagt der Chef, der auf eines viel Wert legt: Handarbeit. „Wir sind und wir bleiben ein Handwerksbetrieb.“

Gerade deshalb sei es wichtig, in die Zukunft zu investieren. Denn bundesweit geben viele Bäcker auf. „Jeden Tag schließen ein bis drei Berufskollegen die Tür zu, und zwar für immer“, sagt John Arko. 1993, als er aus Nordrhein-Westfalen nach Sachsen kam und die Bäckerei von den Eltern seiner Frau übernahm, gab es bei den Handwerkskammern deutschlandweit 25 000 eingetragene Betriebe. Heute sind es nur noch 13 000. Die Landbäckerei Schmidt macht weiter, auch weil die Firmennachfolge geklärt ist. John Arko zeigt die Baupläne. Sie lassen Spielraum für Künftiges.

Vor über einhundert Jahren hat alles als brotbackende Mühle angefangen. Von den 180 Mitarbeitern, die der Cunnersdorfer Landbäcker heute hat, sind allein 70 in der Produktion beschäftigt. Dabei soll es nicht bleiben. Die Landbäckerei will weiter wachsen und sucht ständig nach guten Bäckermeistern und Konditoren.

Es sei nicht leicht, sie zu finden, sagt John Arko. Der Beruf des Bäckers gilt nicht zuletzt wegen der vermeintlichen Nachtarbeit als unattraktiv. „Bei uns werden aber heute schon 55 Prozent der Arbeiten tagsüber erledigt“, erklärt er und hofft, dass mit dem hochmodernen Produktionsstandort in Leupoldishain die Attraktivität seines Unternehmens für potenzielle Mitarbeiter steigt.

Die Cunnersdorfer Einwohner brauchen sich übrigens nicht zu sorgen. Ihr Bäckerladen, in dem sie auch Butter, Milch und Marmelade kaufen können, soll erhalten bleiben.

Die Edelstahlessen werden gelegentlich auch noch rauchen. „Wir wollen die Räume hier weiter nutzen, wie genau, ist noch nicht entschieden“, sagt John Arko. Fast sicher ist, dass das Stollenlager der Landbäckerei in Cunnersdorf bleibt.