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Landesbühnen-Legende Eddie Gampe wird 80

Sein Name ist eng mit der Geschichte der Landesbühnen verbunden. 1959 stand der Tänzer dort erstmals auf der Bühne.

Von Karin Domann

Dass das Tanzen einmal die Leidenschaft seines Lebens sein würde, war nicht abzusehen, als der kleine Eddie als Ehrenfried Gampe am 18. April 1934 in dem Örtchen Schönelinde im damaligen Sudetenland geboren wurde. Heute heißt der Ort Krásná Lipa und liegt in der Tschechei.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Familie vertrieben und landet im Jahr 1946 in Radebeul.

Der junge Eddie wird erst einmal Bäcker, ein solider Beruf in den mageren Jahren nach dem Weltkrieg. 1950 sucht die Tanzgruppe der Radebeuler Schuhfabrik Nachwuchs. Eddie geht mehr zum Spaß mit seiner Zwillingsschwester Edeltraut dorthin und fängt Feuer: „Ich und alle anderen merkten, dass mir die Tanzerei im Blut liegt“, erklärt der Jubilar, dem man sein hohes Alter nicht ansieht.

Während er erzählt, klingt seine Stimme immer noch sehr jugendlich und frisch. Schnell wird man in der damaligen Tanz- und Ballettszene der DDR auf den talentierten jungen Tänzer aufmerksam. „Ehe ich mich versah, stand ich schon auf den Bühnenbrettern des Kulturpalastes in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, als Mitglied des Volkskunst-Ensembles der damaligen IG Wismut.“

Eine Freundin überredet ihn, 1955 an einem Vortanzen im Berliner Friedrichstadt-Palast teilzunehmen. „Ich konnte es kaum fassen“, meint Eddie Gampe nach fast sechzig Jahren immer noch mit Verblüffung in der Stimme. „Die haben mich tatsächlich genommen, obwohl ich da noch kein professionell ausgebildeter Tänzer war.“

Deshalb bekommt er auch nur 80 Prozent der Gage seiner Kollegen. „Das war für mich aber immer noch sehr viel Geld.“

1959 kommt Eddie Gampe nach Radebeul zurück und wird in den gerade erst eröffneten Landesbühnen Sachsen Tänzer der ersten Stunde. Das Theater an der Meißner Straße ist seitdem seine künstlerische Heimat.

Besonders gerne denkt er an seine Rollen als Graf Paris in dem Ballett „Romeo und Julia“ und als Minister in „Turandot“ zurück. „Ich war ja nicht so sehr der zarte Prinz, sondern tanzte eher die kantigen Charakterrollen“, erinnert sich der Achtzigjährige.

1989 ist dann offiziell Schluss mit der Karriere als Tänzer der Landesbühnen. Doch als Leiter mehrerer Tanzgruppen im Dresdner Raum bleibt Eddie Gampe seinem Metier treu verbunden.

Doch auch etwas anderes treibt ihn seit Längerem um: Seine eigene Vergangenheit und die Geschichte der Vertriebenen, über die viele Jahre offiziell nicht gesprochen wurde. In verschiedenen Seminaren stellt er sich als Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges zur Verfügung und berichtet jungen Menschen von seinem Leben als Kind im damaligen Sudetenland und von den Gefühlen und Gedanken seiner Familie nach der gewaltsamen Vertreibung aus der Heimat.

Setzt sich für Verständnis ein

Für Eddie Gampe ist das eine beglückende Tätigkeit, trägt sie doch dazu bei, ein Stück Geschichte lebendig zu halten und das gegenseitige Verständnis auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen Grenze zu befördern.

Richtig gefeiert wird der Geburtstag des Radebeulers erst nach Ostern. Im Dresdener Steigenberger Hotel, im engsten Familienkreis. Da kommen noch an die 30 bis 40 Leute zusammen, freut sich Eddie Gampe. Und er sieht dabei überhaupt noch nicht aus wie 80.