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Landesgartenschau in Moritzburg?

SPD-Gemeinderat Martin Dulig schlägt ein neues Konzept vor. Er will Ortsteile verbinden und Lärmschutz schaffen.

Von Sven Görner

Hässliche Industriebrachen gibt es in der Großgemeinde Moritzburg nicht. Und an Grün herrscht kein Mangel. Auch in dem an die Landeshauptstadt Dresden angrenzendem Ortsteil Boxdorf nicht. Mit der Neugestaltung der Schlossallee wurde vor ein paar Jahren zudem ein städtebauliches Schmuckstück geschaffen. Das besticht nicht nur durch die prächtig gewachsenen Linden, sondern auch durch die vom Frühjahr bis zum Herbst grünenden und blühenden Rabatten. Braucht solch ein Ort eine Landesgartenschau?

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Blühende Schlossallee: Was viele Besucher erfreut, ärgert manchen Gemeinderat. Denn die Pflege der Bäume und Beete kostet jährlich rund 35000 Euro. Mit der Ausrichtung einer Landesgartenschau könnten weitere Folgekosten auf die Gemeinde zukommen. Dennoch
Blühende Schlossallee: Was viele Besucher erfreut, ärgert manchen Gemeinderat. Denn die Pflege der Bäume und Beete kostet jährlich rund 35000 Euro. Mit der Ausrichtung einer Landesgartenschau könnten weitere Folgekosten auf die Gemeinde zukommen. Dennoch © Anne Hübschmann

SPD-Mann Martin Dulig kann sich das durchaus vorstellen. Der Moritzburger ist nicht nur Vorsitzender seiner Partei in Sachsen und der Landtagsfraktion, sondern auch Gemeinderat. Er kennt die Diskussionen, die es immer mal wieder zur Entwicklung der Ortsteile gibt. Und auch die Vorwürfe, dass dabei der Fokus zu sehr auf den namensgebenden Ortsteil Moritzburg gerichtet sei. „Der Schwerpunkt einer Bewerbung für die Landesgartenschau sollte daher auf den anderen Ortsteilen und nicht auf Moritzburg liegen“, sagte Martin Dulig im Gespräch mit der SZ. „Der Schlosspark muss mit einer solchen Großveranstaltung nicht schöner gemacht werden. Und es geht auch nicht darum, mehr Touristen in den Ort zu holen“, sagt der Gemeinderat.

„Meine Idee ist, für die Moritzburger Bewerbung ein innovatives Konzept zu erarbeiten. Dessen Inhalt soll nicht sein, ein großes Gelände zu gestalten, sondern mehrere kleinere Projekte zu entwickeln. Diese könnten die Ortsteile dann wie ein blühendes Band verbinden“, erklärt der Moritzburger. Doch Martin Dulig denkt bei der Ausrichtung einer Landesgartenschau in Moritzburg nicht nur an blühenden Landschaften. „Ich stelle mit vor, dass auch andere Themen mit aufgegriffen werden und dabei Neues ausprobiert und Lösungen aufgezeigt werden.“ Ein Stichwort ist für ihn Lärm. „Es gibt keine Region, in der dieses Thema in Zukunft nicht noch eine größere Rolle spielt.“ Als Teil einer Landesgartenschau könnten daher auch Möglichkeiten für einen natürlichen Lärmschutz ausprobiert werden“, sagt der Gemeinderat.

Der SPD-Mann weiß, dass sich ein solches Konzept nicht von heute auf morgen entwickeln lässt. Dennoch hält er eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2022 für realistisch. „Ich möchte mit dieser Idee zur Diskussion anregen.“ Aus Duligs Sicht wäre eine solche Bewerbung eine gute Möglichkeit für die Ortsteile, gemeinsam etwas zu machen. „Das funktioniert allerdings nur, wenn sie auch von den Ortsteilen getragen wird.“ Ob diese dazu bereit sind, bleibt abzuwarten.

Doch das ist längst nicht die einzige Unwägbarkeit. So müssten die Gartenschaupläne mit den zahlreichen Naturschutzgebieten und der Kulturlandschaft in Einklang gebracht werden. Auch ein schlüssiges Finanzierungskonzept ist nötig. Das lässt sich auf einer einzigen großen Fläche sicher leichter darstellen als bei mehreren verstreuten kleinen Arealen. Und dann geht es bei solch einem Projekt, das vom Land finanziell unterstützt wird, nicht zuletzt um Nachhaltigkeit. Fast immer ist diese aber mit Folgekosten verbunden.

Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) sagt zu Duligs Plan: „Sich Neuem zu stellen, ist nicht verkehrt. Für eine Bewerbung brauchen wir aber ein schlüssiges Konzept. Auch für die Finanzierung. Darum sollten wir jetzt Ideen zusammentragen.“