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Landgericht bestätigt Haft für Todesfahrer

Trotz Reue bekam ein Mann aus Hohnstein eine harte Strafe für eine Trunkenheitsfahrt mit tödlichem Ende. Warum er dennoch weiter hofft.

Der Angeklagte Nico P. hat Schuld am Tod einer jungen Frau.
Der Angeklagte Nico P. hat Schuld am Tod einer jungen Frau. © Yvonne Popp

„Alkohol ist dein Sanitäter in der Not.“ So heißt es im legendären Grönemeyer-Song. Für die Begründung seines Urteils gegen Nico P. zog Richter Jürgen Scheuring genau diesen am Donnerstag am Landgericht in Dresden heran. Mit Alkohol, so führte der Vorsitzende der Berufungskammer aus, habe der Angeklagte versucht, seine berufliche Überlastung und so manchen Frust über private Lebensumstände zu kompensieren und somit einen gefährlichen Weg eingeschlagen. „Alkohol ist das Drahtseil auf dem du stehst“, lautet eine weitere Textzeile bei Grönemeyer. Und von diesem war Nico P. schließlich am 26. Oktober 2018 gestürzt, als er sich betrunken hinter das Steuer seines Renault gesetzt hatte. Im Restaurant seiner Eltern, wo der 44-Jährige als Koch arbeitet, hatte er damals seit dem frühen Nachmittag Alkohol getrunken, eigenen Angaben zufolge vier bis fünf Flaschen Bier.

Auf dem Weg nach Hause hatte er es später am Abend offenbar sehr eilig. Bereits in Lohmen soll Nico P. an einer unübersichtlichen Stelle in Höhe der Bushaltestelle Mitte gleich zwei Autos in einem Zug überholt haben. „So eine aggressive Fahrweise habe ich noch nie erlebt“, sagte eine Zeugin. Auch der Mann, der in seinem VW unmittelbar hinter der jungen Frau gefahren war, zeigte sich vor Gericht noch immer geschockt über das Manöver. Denn er war es auch, dem sich nur wenig später auf der bewaldeten Strecke zwischen Lohmen und Rathewalde ein Horrorszenario eröffnete. „Nachdem ich die kleine Senke passiert hatte, sah ich vor mir schon orange Lichter und Dunst über der Straße“, schilderte der Mann. Am Unfallort angekommen fand er im Straßengraben einen völlig zerstörten Kleinwagen vor. „Am Steuer saß eine leblose junge Frau“, berichtete er weiter. Er habe noch versucht, zu ihr zu gelangen, doch die Tür ihres Wagens hatte sich nicht mehr öffnen lassen.

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Etwas weiter vorn stand das Fahrzeug des Angeklagten quer auf der Fahrbahn. Der Zeuge erkannte es als das, was ihn kurz zuvor in Lohmen überholt hatte. Dass noch ein BMW in den Unfall verwickelt war, hatte er erst später bemerkt.

Junge Frau war sofort tot

Den anschließenden Ermittlungen zufolge war Nico P. mit 108 km/h unterwegs, als er trotz durchgezogener Mittellinie an einer unübersichtlichen Stelle einen BMW überholte und frontal in den Gegenverkehr krachte. Die junge Frau am Steuer des Kleinwagens, einem Mazda, war sofort tot. Durch den heftigen Aufprall war zudem das Heck des Renault des Angeklagten gegen den BMW geschleudert und hatte diesen auf der Fahrerseite schwer beschädigt.

Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs war Nico P. vergangenes Jahr, am 31. Juli, vom Amtsgericht in Pirna zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte der Deutsche Berufung eingelegt. Unter anderem deshalb, weil seine Familie auf seine Mitarbeit im familieneigenen Restaurant angewiesen ist und den Betrieb schließen müsste, wenn P. in Haft ginge. Vom Landgericht wurde die Haftstrafe aber bestätigt. Allerdings hatte die Berufungskammer ihr Urteil falsch begründet, sodass im Revisionsverfahren vom Oberlandesgericht entschieden wurde, dass noch einmal verhandelt werden muss.

Wie schon in den Verhandlungen zuvor zeigte der Angeklagte auch am Donnerstag aufrichtige Reue. „Ich weiß, dass ich unermessliches Leid über die Familie des Opfers gebracht habe“, sagte er. Seit dem Unfall, bei dem bei ihm ein Blutalkoholwert von 1,21 Promille festgestellt worden war, lebt der Vater eines Sohnes abstinent. Auch psychologisch hat er sich behandeln lassen.

Keine Chance auf Bewährung

Doch am Ende war der Alkohol für ihn kein Fallschirm und auch kein Rettungsboot. Im Gegenteil. Die Berufungskammer unter Richter Jürgen Scheuring sah keine Chance auf Bewährung. „Sie haben gleich zwei Todsünden des Straßenverkehrs begangen. Sie sind unter Alkohol gefahren und haben falsch überholt“, fand der Richter klare Worte. Dabei sei am Ende ein Mensch gestorben. Auch den BWM-Fahrer, so ergänzte Scheuring, habe P. einer erheblichen Gefahr ausgesetzt. Die zwei Jahre und drei Monate Haft bleiben bestehen. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht.Die Möglichkeit, erneut in Revision zu gehen, gibt es auch jetzt. „Wir werden die Urteilsbegründung mit großem Interesse lesen und dann entscheiden. Man kann ein Urteil immer überprüfen lassen“, sagte Verteidiger Michael Stephan nach der Verhandlung.

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