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Missbrauch: Stiefvater muss ins Gefängnis

Ein 50-jähriger Dresdner hat sich an einem zwölf Jahre alten Kind vergangen und dabei auch noch gefilmt.

Von Alexander Schneider
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Das Landgericht Dresden hat nun einen 50-Jährigen verurteilt, der die Tochter seiner langjährigen Lebensgefährtin missbraucht hatte.
Das Landgericht Dresden hat nun einen 50-Jährigen verurteilt, der die Tochter seiner langjährigen Lebensgefährtin missbraucht hatte. © Robert Michael

Die Polizisten wissen noch gut, wie es war, als sie zu einem Einsatz zu einer Freitaler Familie alarmiert worden waren. Die Mutter eines damals zwölf Jahre alten Mädchens hatte ihren Lebensgefährten im Schlafzimmer mit ihrer Tochter erwischt. Das war im August 2018. Nun stand der 50-Jährige vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Dresden – unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen sowie wegen Herstellung und Besitz von Kinderpornografie.

So soll der Angeklagte, ein kaufmännischer Angestellter aus Dresden, sich zweimal an seiner Stieftochter vergangen haben. Er habe das Kind im Schlafzimmer unter Einsatz seines ganzen Körpers auf dem Bett fixiert, ihm die Hose ausgezogen und am Geschlechtsteil angefasst. Beim ersten Mal habe er sich auch dabei gefilmt. Diese Aufnahmen und weitere kinderpornografische Fotos und Filme, die sich der Deutsche aus dem Internet heruntergeladen hatte, wurden später auf Datenträgern sichergestellt.

Die Freitaler Polizeibeamten berichteten als Zeugen, dass sie schon von der aufgeregten in der Haustür erwartet worden seien und der Angeklagte ihnen entgegenkam. „Er hatte schon seinen Personalausweis in der Hand und sagte, er sei derjenige, um den es hier ginge. Er habe Mist gemacht“, sagte einer der Polizisten. Das Mädchen dagegen war weniger gesprächig. Die Zwölfjährige habe geweint und sich Vorwürfe gemacht. Sie wolle die Familie nicht zerstören.

Frühes Geständnis

 Daher berichtete das Kind zunächst, es habe sich auf dem Heimweg von der Schule in einem Bus verletzt. Sie habe sich in einen Dorn gesetzt und geblutet, soll das Mädchen erzählt haben. Unterdessen, so berichteten es die Polizisten, habe jedoch der Angeklagte noch vor dem Wohnhaus eingeräumt, dass er „gefummelt“ habe. Das Mädchen selbst hatte erst in weiteren Vernehmungen bei der Polizei berichtet, was in dem elterlichen Schlafzimmer tatsächlich passiert sei. Nicht die Kinder zerstören die Familien, es sind die Täter, die das Vertrauen missbrauchen. 

Mit seiner frühen Aussage gegenüber den Polizisten habe sein Mandant schnell die Verantwortung für seine Tat übernommen, sagte sein Verteidiger Ulf Israel. Zum Prozessauftakt hatte der 50-Jährige alle Vorwürfe eingeräumt und seiner Stieftochter eine Vernehmung im Gerichtssaal erspart. Auch die Mutter des Mädchens musste nicht mehr von der Kammer vernommen werden. In früheren Vernehmungen hatte sie ausgesagt, dass der Angeklagte eine große Unterstützung war und er viel mit den Kindern unternommen habe. Ihre Tochter sowie der gemeinsame Sohn liebten ihn über alles. Doch das ist seit der Tat Vergangenheit. Der Angeklagte ist nun der Ex-Partner, selbst seinen Sohn kann er seit dem nur noch unter Aufsicht treffen.

Staatsanwältin betont Erniedrigung

Die Staatsanwältin plädierte auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten und betonte, der Angeklagte habe das Mädchen besonders erniedrigt. Demgegenüber forderte Verteidiger Israel für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren auf Bewährung. Die Taten seien nicht so schwer gewesen, um ihn einzusperren – und der 50-Jährige habe sehr früh die Vorwürfe gestanden.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der nach seiner Festnahme drei Wochen in Untersuchungshaft saß, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Der 50-Jährige habe zwar die Vorwürfe gestanden, begründete der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel die Entscheidung, letzten Endes habe er jedoch nur zugegeben, was ohnehin schon bekannt war. Zu anderen Fragen habe er geschwiegen. So hatte die Mutter bei der Polizei ausgesagt, dass sie ihren Partner schon ein Jahr zuvor mit ihrer Tochter in einer zweideutigen Situation im Kinderzimmer erwischt hatte, was sie sehr irritiert habe. Der Angeklagte habe auch den Code eines Datencontainers für sich behalten, auf dem sich möglicherweise weitere Kinderpornografie befindet. Von einem umfassenden Geständnis könne man daher nicht reden.

Allerdings, das sprach für den Mann, habe er seiner Stieftochter und seiner Ex-Partnerin weitere Vernehmungen erspart. Eine besonders demütige Behandlung des Mädchens, wie es die Staatsanwältin betont hatte, habe das Gericht auch nicht festzustellen vermocht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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