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Brutaler Überfall auf eine Frau in Görlitz

Die Verhandlung gegen drei Polen hat trotz Corona begonnen. Das Opfer hatte einen Schädelbruch erlitten. Und das ist bei Weitem nicht das Einzige.

© dpa

Es war gar nicht so leicht, im Schwurgerichtssaal 216 des Görlitzer Landgerichts die mindestens anderthalb Meter Abstand zwischen zwei Personen einzuhalten. Am ersten Prozesstag gegen drei Polen waren immerhin 14 unmittelbar am Prozess Beteiligte unterzubringen: zwei Richter, zwei Geschworene, die Gerichtsschreiberin, Staatsanwältin und Nebenkläger-Vertreter, die drei Angeklagten und ihre drei Verteidiger sowie die Dolmetscherin.

Dazu kamen,  neben zwei Prozessbeobachtern,  noch sechs Justizbeamte, die die seit fast einem halben Jahr in Untersuchungshaft einsitzenden Angeklagten bewachten. Alles wurde ein wenig weiter auseinandergezogen, aber das war auch die einzige Stelle, an der ein Unterschied zu Verhandlungen zu normalen Zeiten sichtbar war.

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Verhandlungsbeginn war alternativlos

Dass diese Gerichtsverhandlung jetzt beginnen  musste, war alternativlos. Das halbe Jahr seit der Festnahme der Drei am 17. Oktober 2019 war fast um. Eine Verzögerung hätte bedeutet, dass die Angeklagten womöglich aus der Untersuchungshaft hätten entlassen werden müssen. Das wollte angesichts der Schwere der Vorwürfe niemand. 

Laut Anklage haben die Drei am Abend des 17. Oktober, gegen 21.50 Uhr, in Görlitz eine 53-jährige Frau überfallen, auf der Christoph Lüders Straße, in unmittelbarer Nähe der Polizeidirektion. Es soll eine Aufgabenteilung gegeben haben: Die Angeklagte, eine  inzwischen 36-jährige polnische Sekretärin, wartete im Fluchtfahrzeug, einem Ford Ka, während sich die 24 und 25 Jahre alten polnischen Männer hinter einem parkenden Auto versteckten.

Pfefferspray mitten ins Gesicht

Während der jüngere Angeklagte laut Anklage nur absicherte, schlug der andere auf die völlig überraschte Frau mit einem Gegenstand auf den Kopf ein, sprühte ihr Pfefferspray ins Gesicht und entriss ihr die Handtasche mit solcher Gewalt, dass ein Henkel abriss. Daraufhin flüchteten die beiden laut Anklage zum Fluchtauto, dass dann mit ihnen schnell wendete und Richtung Zeppelinstraße davonfuhr.

Die Frau erlitt eine Schädelfraktur und weitere erhebliche Verletzungen, trug darüber hinaus auch eine posttraumatische Belastungsstörung davon. In der Handtasche befanden sich Mobiltelefon, eine Geldbörse mit 50 Euro Bargeld und mehrere Ausweise, unter anderem ihr Polizeidienstausweis. 

Zeuge rief sofort die Polizei

Die drei Angeklagten kamen allerdings nicht weit. Ein Zeuge hat das Geschehen beobachtet und sofort die Polizei gerufen. Dank seiner guten Beschreibung stellte eine Görlitzer Streife wenige Minuten später das Trio am Kreisverkehr zur Autobahn auf der B 6. Die Polizisten nahmen die Tatverdächtigen vorläufig fest. Alle drei standen offenbar unter dem Einfluss von Amphetaminen.

Kriminaltechniker behandelten die Tatverdächtigen erkennungsdienstlich. Dazu fertigten sie Fotos und nahmen Fingerabdrücke. Außerdem sicherten die Ermittler eine DNA-Probe. Gemeinsam mit dem deutsch-polnischen Zentrum für Polizei- und Zollzusammenarbeit in Swiecko identifizierte die Polizei die Täter. Die Zweifel daran, dass die drei Angeklagten die Frau tatsächlich brutal überfallen haben, dürften sich damit in Grenzen halten.

Allen Angeklagten droht Gefängnis

Am ersten Verhandlungstag sagten sie zu den Vorwürfen nichts. Allerdings auch auf Anraten des Vorsitzenden Richters Theo Dahm, der darauf verwies, dass der psychiatrische Sachverständige am ersten Verhandlungstag fehlte und es deshalb vielleicht besser sei, wenn die Angeklagten zu Beginn des zweiten Verhandlungstages am 20. April aussagen - so sie es wollen.

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Bei einer Verurteilung wegen eines gemeinsam begangenen schweren Raubes, der mit einer Waffe begangenen wurde und bei dem das Opfer körperlich schwer misshandelt wurde, droht allen drei Angeklagten eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren. Sie könnte geringer ausfallen,  wenn das Gericht mithilfe des psychiatrischen Sachverständigen eine verminderte Schuldfähigkeit wegen der Drogen erkennt.

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