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Landkreis bleibt auf Abrisskosten sitzen

Mancher Hausbesitzer kümmert sich nicht um sein Eigentum. Bei sechs Gebäuden muss 2020 die Bauaufsicht eingreifen.

Das Gebäude an der Bahnhofstraße 25 in Waldheim wurde im Auftrag des Landratsamtes abgerissen.
Das Gebäude an der Bahnhofstraße 25 in Waldheim wurde im Auftrag des Landratsamtes abgerissen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Ruinen sind in vielen Orten ein Ärgernis. Sie bieten nicht nur einen schlechten Anblick. Viele sind so marode, dass sie durch herabfallende Teile zur Gefahr werden. Kümmert sich der Eigentümer über einen längeren Zeitraum nicht um das Gebäude, ruft das die Bauaufsicht des Landratsamtes Mittelsachsen auf den Plan.

Marode Häuser haben die Bauaufsicht in diesem Jahr schon in sechs Fällen beschäftigt, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. Ersatzvornahme lautet der Begriff, wenn der Landkreis aus Sicherheitsgründen einschreiten muss. Das mildeste Mittel ist dabei die Absperrung, die härteste Maßnahme der Abriss.

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Bahnhofstraße 25 in Waldheim ist herrenlos

Gleich zwei sogenannte Rückbauten sind in Waldheim erfolgt. Das Haus Bahnhofstraße 25, in dem sich früher eine Fleischerei befand, stand lange leer. Eine Zeit lang gab es Hoffnung für den Erhalt und die Sanierung des Gebäudes. Das hatte ein Ungar gekauft. Doch der verlor schnell wieder das Interesse an der Immobilie, die daraufhin verfiel.

Mitte 2018 übernahm die Stadt Waldheim die Notsicherung des Gebäudes, von dem immer wieder Teile auf den Fußweg fielen. Mehrfach hat es in dem Gebäude gebrannt. Stürme hatten das Dach beschädigt. Innen waren alle Decken eingebrochen.

Ende 2019 wurden das Gebäude komplett abgerissen und die Giebel der Nachbarhäuser gesichert. Rund 90.000 Euro hat das gekostet. „Weil das Grundstück herrenlos ist, konnten die Kosten keinem Eigentümer in Rechnung gestellt werden“, so die Pressestelle.

Breitscheidstraße 11 war nicht zu retten

Auch an der Breitscheidstraße 11 rückte der Abrissbagger an. Um den ehemaligen Waldheimer Vereinshof kümmerte sich die Bauaufsicht bereits seit 2016. Im Jahr 1898 erbaut, diente er früher wandernden Handwerksgesellen als Unterkunft, später wurde er Hotel und anschließend vom VEB Sitzmöbelwerke genutzt.

Vom Vereinshof an der  Breitscheidstraße 11 in Waldheim ist nichts mehr übrig.
Vom Vereinshof an der  Breitscheidstraße 11 in Waldheim ist nichts mehr übrig. © Lutz Weidler
Das Haus an der Bahnhofstraße 2 in  Roßwein wird entkernt.
Das Haus an der Bahnhofstraße 2 in  Roßwein wird entkernt. © Erik-Holm Langhof
Das marode Gebäude Am Baderberg 33 in Zschaitz soll abgerissen werden.
Das marode Gebäude Am Baderberg 33 in Zschaitz soll abgerissen werden. © Lutz Weidler

Seit der Wende gehörte das imposante Gebäude einem privaten Besitzer, der sich aber nicht darum gekümmert hat. Viele Jahre war es weiträumig mit einem Bauzaun abgesperrt gewesen. Der Abriss begann im Mai und wird etwa 150.000 Euro kosten. „Endgültig abgerechnet wurde noch nicht“, heißt es aus der Pressestelle.

Baugutachter muss in Roßwein ran

In Roßwein musste die Denkmalschutzbehörde eingreifen. An der Bahnhofstraße 2 wurde mit den angekündigten Sicherungsmaßnahmen begonnen. Dabei wird zunächst das Gebäude beräumt und teilweise entkernt, um durch einen Baugutachter feststellen zu lassen, welche Maßnahmen für die Notsicherung notwendig werden.

Derzeit gibt es keinen Besitzer. Im Grundbuch ist zwar eine Gesellschaft als Eigentümer eingetragen, aber die ist von Amts wegen wieder gelöscht. Trotz des schlechten Zustandes des Gründerzeitgebäudes hofft die Kommune noch immer, einen Interessenten dafür zu finden.

In Zschaitz kommt im August der Abrissbagger

Ab Ende August ist der Abriss des Hauses Am Burgberg 33 in Zschaitz geplant. Das alte Einfamilienhaus steht seit mindestens zwölf Jahren leer und ist inzwischen zum Schandfleck geworden. Direkt neben der Kreisstraße gelegen, bildet es auch eine Gefahrenquelle. Die Gemeinde habe schon öfter auf dem Grundstück eingreifen müssen, erklärt Bürgermeister Immo Barkawitz (parteilos).

230 baufällige Anlagen unter Beobachtung

Für 12.600 Euro ist bereits die ehemalige Geflügelhaltungsanlage in Lunzenau beseitigt worden. In Mutzscheroda wurde im Mai der marode Gebäudekomplex „Grüne Tanne“ abgerissen, weil er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellte. Die Kosten von 125.000 Euro werden vom Landratsamt auf die Eigentümerin umgelegt.

Insgesamt wurden durch die Bauaufsicht bisher 222.000 Euro angeordnet und für weitere 141.000 Euro Aufträge vergeben. Aktuell befinden sich 230 baufällige Anlagen im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Mittelsachsen als untere Bauaufsichtsbehörde in Überwachung.

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