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Landkreis liegt bei den Löhnen hinten

Experten des Bonner Bundesinstituts für Stadtforschung haben Städte und Landkreise in ganz Deutschland unter die Lupe genommen. Die SZ stellt Ergebnisse der Untersuchung vor. In Sachsens Zentren wird...

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Von Heiko Engel

Experten des Bonner Bundesinstituts für Stadtforschung haben Städte und Landkreise in ganz Deutschland unter die Lupe genommen. Die SZ stellt Ergebnisse der Untersuchung vor.

In Sachsens Zentren

wird am Besten Verdient

In Dresdener Industriefirmen wird mit einem durchschnittlichen Bruttomonatsgehalt von 3100 Euro am besten verdient, es folgen Leipzig, Chemnitz und Zwickau. Im Landkreis Bautzen verdienen Industriebeschäftigte im Durchschnitt 2009Euro im Monat. Das ist zwar immer noch wesentlich mehr als im Erzgebirgskreis. Dort erhalten Arbeitnehmer durchschnittlich 1767 Euro. Aber in Görlitz verdienen Beschäftigte 48 Euro mehr als in Bautzen. Ähnlich ist die Situation im produzieren Gewerbe – hier werden Firmen mit weniger als 20Mitarbeitern erfasst. Insgesamt ist das Lohnniveau dort zwar geringer als in der Industrie. Aber auch hier zeigt sich: Wer in einer der Großstädte wohnt, steht beim Verdienst an der Spitze. Bautzen liegt mit durchschnittlichen Monatslöhnen von 1864Euro brutto hinten, Schlusslicht ist auch hier wieder der Erzgebirgskreis. Beschäftigte erhalten im Schnitt 200 Euro weniger als im Kreis Bautzen.

Wer mehr verdient, kann

aber nicht mehr Konsumieren

Mehr Geld auf dem Gehaltskonto bedeutet aber nicht automatisch mehr Spielraum für Einkäufe oder die Bildung von Ersparnissen. Das so genannte verfügbare Haushaltseinkommen unterscheidet sich sachsenweit nur gering. Mit diesem Begriff bezeichnen die Forscher den Betrag, der in Familien für Konsumzwecke und finanzielle Rücklagen nach Abzug von Steuern übrig bleibt. Hinzugerechnet werden hier außerdem Einnahmen aus Sozialleistungen wie beispielsweise das Kindergeld.

Bautzener und Leipziger Mit

ähnlich viel Geld zum Leben

In Bautzen beträgt das verfügbare Haushaltseinkommen monatlich 1234Euro. Das sind 20Euro mehr als Dresden, ein Euro mehr als im Erzgebirgskreis, 45 Euro und 26Euro weniger als in Leipzig. Besonders krass ist der Unterschied zwischen Bruttolöhnen und dem verfügbaren Einkommen beispielsweise in Berlin. Die monatlichen Bruttolöhne in Industriebetrieben belaufen sich im Schnitt auf 3563Euro – als verfügbares Haushaltseinkommen bleiben Familien trotzdem gerade einmal 1258 Euro im Monat. Oder München: Hier bezahlen Firmen zwar 5551 Euro brutto, doch Familien müssen nach allen Abzügen mit 1881Euro monatlich auskommen.

Schere Zwischen Ost und

West beim Einkommen

Auch nach fast 20 Jahre nach der Wende gibt es beim Einkommen in vielen Branchen noch große Unterschiede zwischen Ost und West, so Rupert Kawka vom Bundesinstitut für Raumforschung. Die Löhne im Westdeutschland liegen im Schnitt um 21 Prozent über denen im Osten. Die Preise sind allerdings nur knapp sechs Prozent niedriger. Eine Angleichung sei in den vergangenen Jahren nur sehr langsam erfolgt. Die Untersuchung verdeutliche, dass die Lebenshaltungskosten in Ostdeutschland nicht so viel niedriger sind, als dass sie die geringeren Löhne ausgleichen könnten, sagte Kawka.