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Landkreis schrumpft nicht mehr

Die Dresdner Randregion wächst durch Zuzüge stärker, als in Prognosen vorhergesagt. Den ländlichen Gebieten kommt jedoch die Jugend abhanden.

Der Markt der wachsenden Stadt Wilsdruff. Im Hintergrund ist das Gewerbegebiet zu sehen, das für viele neue Arbeitsplätze gesorgt hat.
Der Markt der wachsenden Stadt Wilsdruff. Im Hintergrund ist das Gewerbegebiet zu sehen, das für viele neue Arbeitsplätze gesorgt hat. © Egbert Kamprath

Seit 1990 hat der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge rund 29.000 Einwohnerinnen und Einwohner verloren. Doch der Prozess des Schrumpfens konnte aufgehalten werden - entgegen den Prognosen der Statistiker. Die sehen für die Zeit bis 2035 aber wieder einen Abwärtstrend.

Mit Stand vom 31. Dezember 2019 lebten im Landkreis 245.596 Menschen. Das sind fast zwölf Prozent weniger als 1990. Das Statistische Landesamt hat jetzt eine neue Bevölkerungsvorausberechnung für Sachsen und alle Kommunen veröffentlicht. Selbst bei der optimistischen der beiden Varianten, schrumpft der Landkreis.

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Die Vorausberechnung stützt sich weitgehend auf die Analyse der Bevölkerungsentwicklung der Jahre 2014 bis 2018 und folgt den langjährigen Entwicklungsmustern der Vergangenheit. Dass diese aber nicht linear verlaufen und es teilweise erhebliche Abweichungen gibt, zeigen die aktuellen Zahlen.

Im Jahr 2017 war der vorläufige Tiefpunkt mit 245.418 Einwohnern im Landkreis erreicht. Seitdem stagniert oder steigt die Zahl sogar wieder leicht. Das haben die Statistiker nicht kommen sehen.

Mehr Zuzüge als erwartet

Selbst in der optimistischen Prognose von 2011 wurde lediglich für Wilsdruff und Dohna ein Bevölkerungswachstum bis 2020 prognostiziert. Es kam bekanntlich anders. Freital und Pirna haben nicht wie vorausgesagt verloren, sondern sind stattdessen gewachsen. In Freital leben jetzt etwa 1.300 Menschen mehr als 2011, in Pirna sind es etwa 1.000. 

Dass die eher ländlich geprägte Gemeinde Bannewitz ebenso Hunderte Einwohner hinzugewinnt, hatte die Vorausberechnung von 2011 auch nicht erwartet. Für diese Gemeinde und für Freital wurden sogar leichte Verluste angekündigt. Für Tharandt ein Schwund von fünf bis zehn Prozent und für Pirna und Heidenau sogar ein Verlust von mehr als zehn Prozent bis 2025. 

Bis dahin vergehen zwar noch ein paar Jahre, aber es ist nicht mehr davon auszugehen, dass sich der Trend entscheidend ändert. Für das Wachstum in den Randgebieten von Dresden sind insbesondere die hohe Zahl an Zuzügen verantwortlich. In den Städten und Gemeinde, die an die Landeshauptstadt grenzen (zuzüglich Pirna und Tharandt), leben inzwischen mehr als die Hälfte der Landkreis-Bewohner. Das kann an der rasanten Entwicklung der Miet- und Immobilienpreise in Dresden liegen. Die Geburtenzahlen im Landkreis spiegeln dagegen nicht diesen großen Zuwachs wider.

Aderlass in ländlichen Gebieten

Allerdings verzeichnet der Landkreis zwei gegensätzliche Entwicklungen. Die von Dresden weiter entfernten Kommunen müssen einen enormen Aderlass verkraften. In der Prognose von 2011 wurden beispielsweise Bad Gottleuba-Berggießhübel bereits mehr als 15 Prozent Verlust an Einwohnern bis 2025 vorausgesagt, Altenberg 10 bis 15 Prozent. 

Bisher hat Bad Gottleuba-Berggießhübel aber gut dagegen steuern können. Im Vergleich zu 2011 ist der Rückgang der Einwohnerzahl mit rund zwei Prozent eher moderat. Bei Altenberg ist es ähnlich. Hier könnte die Autobahn A17 eine Rolle spielen, in deren Einzugsgebiet beide Kommunen liegen. Der Wert der schnellen Verbindung nach Dresden könnte von den Statistikern unterschätzt worden sein.

Die aktuelle Prognose bis 2035 sieht auch entsprechend anders aus. Was auffällt ist jedoch, dass gerade die ländlichen Regionen mit einem großen Verlust an Einwohnern rechnen müssen, die eine schwach entwickelte Verkehrsanbindung haben, wie Hermsdorf/Erz. (-22,4 %), Hartmannsdorf-Reichenau (-21,8 %) oder Gohrisch (-19,5 %). Dabei wird noch die optimistische Variante betrachtet.

Mehr Alte - weniger Junge

Doch nicht nur die absolute Zahl der Einwohner hat sich vielerorts verändert, sondern auch der Anteil in den jeweiligen Generationen.

Besonders extrem ist der Schwund bei den 20- bis 30-Jährigen. 1990 lebten im Landkreis noch 37.593 Personen dieser Altersgruppe. Jetzt sind es mit 15.549 nicht mal mehr die Hälfte. Das ist aber genau die Generation, die eine Region demnächst in allen Bereichen voranbringen muss. Sie müssten es auch sein, die neue Familien gründen. Das als Wende-Knick bekannte Minus in der Bevölkerungsentwicklung ist für den hiesigen Landkreis klar ausgeprägt und hemmt die weitere Entwicklung. Das kann nur mit Zuzügen ausgeglichen werden.

Ganz anders stellt es sich dagegen bei den Jahrgängen der Menschen von 55 Jahren und älter dar. Die sind heute allesamt wesentlich stärker als 1990. Das ist das positive Zeichen, dass wir ein verbessertes Gesundheitssystem und eine höhere Lebenserwartung haben. Dazu trägt auch die lange Friedensperiode bei. Weil sich junge Menschen offenbar immer schneller für einen Umzug in die größeren Städte entscheiden, ist das Durchschnittsalter in den Dörfern besonders hoch.

Die anfangs genannten Beispiele zeigen, dass politische Entscheidungen durchaus die Bevölkerungsentwicklung beeinflussen, ob es die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die günstige Verkehrsanbindung sind.

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