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Landrat: Die totale Überwachung wäre ein Fehler

Sicherheit. Der Terror in London hat sogarAuswirkungen auf den Landkreis Meißen.

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Von Jürgen Müller und Lars Müller

Erst vor wenigen Tagen standen sie an den Plätzen, an denen am Donnerstag Bomben explodierten und Menschen töteten: Schüler des Englisch-Leistungskurses der Klasse 11 im Gymnasium Coswig. Entsprechend geschockt haben die Coswiger Schüler und Lehrer bei den Fernsehbildern reagiert. „Es wäre falsch, die Kontakte nicht weiter zu pflegen – im Gegenteil: Man kann seine Position zu diesen menschenverachtenden Aktionen am besten zeigen, wenn man die Londoner und ihre Gäste mit weiteren Besuchen unterstützt“, sagt die Lehrerin Natascha Richter. Das Gymnasium unterhält enge Kontakte zu britischen Schulen. Regelmäßiger Austausch gehört zum Unterrichtsalltag.

Polizei erhöht Präsenz

Die Terroranschläge in der britischen Hauptstadt haben auch Auswirkungen auf den Landkreis. „Wir haben die Präsenz auf Bahnhöfen und an den Bahnstrecken verstärkt“, sagt Dirk Siegfried vom Bundespolizeiamt in Pirna, dem früheren Bundesgrenzschutz. Auch bei der Deutschen Bahn selbst seien die regulären Sicherheitsvorkehrungen umgehend angepasst worden, so der stellvertretende Konzernsprecher Heiner von der Laden. Hierbei arbeitet der Bahnschutz in den Zentralen eng mit der Bundespolizei zusammen. Pendler und Reisende spürten jedoch nichts von verstärkter Überwachung. Störungen durch besonders sensible Reaktionen, etwa bei herrenlosem Gepäck, habe es nicht gegeben, so von der Laden.

Die Polizei plant in Meißen wegen der erneuten Terroranschläge keine besonderen Einsätze. Videoüberwachung wie an markanten Plätzen in Dresden oder Leipzig werde es nicht geben, so Wolfgang Kießling, der Sprecher der Polizeidirektion Oberes Elbtal/Osterzgebirge. „Dass Meißen ein Ziel von Terroristen sein könnte, diese Gefahr halte ich für relativ gering“, sagt Meißens Polizeichef Anton Öhler. Es gäbe hier weder jüdische Einrichtungen, noch englische oder amerikanische Unternehmen. „Generell ausschließen kann man einen Anschlag aber nirgends auf der Welt“, so Öhler.

Besonders sensibilisiert sind die Busfahrer der Verkehrsgesellschaft Meißen, sagt deren Betriebsleiter Rolf Baum. „Ist ein herrenloser Gegenstand im Bus, kann über Funk jederzeit die Polizei alarmiert werden“, sagt er. Vorgekommen sei das in den vergangenen Jahren jedoch nicht. Videoüberwacht wird schon seit langem die Porzellanmanufaktur, in der sich besonders viele ausländische Besucher aufhalten. Sprecherin Gundela Corso will aus nachvollziehbaren Gründen keine Details preisgeben. „Wir sind personell und technisch auf alle Belange eingestellt. Unser Sicherheitskonzept garantiert, dass die Sicherheit der Besucher gewährleistet ist“, sagt sie. Die Gäste würden gebeten, größere Taschen an der Garderobe abzugeben. Dies geschehe aber nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern damit sich die Besucher wohl fühlen.

Keine Panik machen

Vor Panik warnt Landrat Arndt Steinbach: „Wir sollten jetzt nicht in Angst und Schrecken verfallen. Konsequente Sicherheitsmaßnahmen können helfen, aber es wäre ein Fehler, die totale Überwachung zu fordern, denn dann hätten wir den Kampf gegen den Terror verloren.“