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Döbeln

Landrat entscheidet allein über 50.000 Euro

177 Mittelsachsen wollen einen Zuschuss aus dem Ehrenamtsbudget – ein bürokratisches Verfahren. Es geht auch anders.

Landrat Matthias Damm (CDU) kann über Budgets in Höhe von 30.000 und 20.000 Euro verfügen, um ehrenamtliche Projekt zu unterstützen.
Landrat Matthias Damm (CDU) kann über Budgets in Höhe von 30.000 und 20.000 Euro verfügen, um ehrenamtliche Projekt zu unterstützen. © André Braun

Döbeln/Freiberg. Für ehrenamtliche Arbeit im Landkreis Mittelsachsen hat der Freistaat für dieses Jahr 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Landkreisverwaltung hat nun die Aufgabe, die Gelder weiterzureichen. Doch wer wie viel Geld tatsächlich bekommen wird, ist noch immer völlig unklar.

Bis Ende April sind beim Landratsamt 177 Anträge mit einem ein Volumen von rund 370.000 Euro eingegangen, sechs weitere wurden erst nach Ablauf der Abgabefrist eingereicht, so die Information aus dem Landratsamt. Bei den Antragstellern handele es sich sowohl um Kommunen als auch um Vereine aus allen Bereichen, wie Sport, Kultur, Karneval und Soziales.

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An die finanziellen Zuschüsse konnten die Ehrenamtlichen auf verschiedene Wege gelangen. Der mittelsächsische Kreistag hatte Ende März eine Richtlinie beschlossen, die vorgibt, wie sie Zuschüsse für Projekte noch in diesem Jahr beantragen können. Und das musste sehr schnell gehen, denn die Antragsfrist endete bereits vier Wochen später, Ende April.

Für zwei der insgesamt vier Teilbereiche, in die das Ehrenamtsbudget von der Landkreisverwaltung aufgeteilt worden ist, konnten sich Vereine, Organisationen aber auch Einzelpersonen bewerben beziehungsweise einen Antrag einreichen.

Im Teilbudget II ist die finanzielle Unterstützung von ehrenamtlichen Projekten und Engagement in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen vorgesehen. Insgesamt 100.000 Euro können dafür verteilt werden. Über die Vergabe der Mittel entscheidet nun der Verwaltungs- und Finanzausschuss. 

Das Gremium wird am 27. Mai um 17 Uhr in Freiberg dafür zu einer Sondersitzung zusammenkommen. „Aktuell wird diese Sitzung vorbereitet. Nach der Ausschusssitzung werden die Antragsteller informiert beziehungsweise erhalten einen Bescheid. 

Die Auszahlungen können im Anschluss beginnen“, so Andre Kaiser. Doch auch beim Ausgeben der Fördermittel müssen sich die Empfänger nun beeilen, denn die Gelder müssen bis spätestens 31. Oktober dieses Jahres abgerufen werden.

Ehrenamtsfonds für Kleinprojekte

Im Teilbereich III, dem Ehrenamtsfonds zur Unterstützung von sogenannten Mini-Anliegen oder Sonderprojekten, stehen insgesamt 30.000 Euro zur Verfügung. Damit sollen zum Beispiel Vereinsjubiläen und regionale Ehrungsveranstaltungen Finanzhilfen erhalten können. Über die Ausgabe dieser Summe entscheidet allerdings der Landrat höchstselbst.

Wie ganz genau dieses Geld verteilt werden soll, dazu gibt es aus der Landkreisbehörde aber keine konkreten Informationen. „Diese Summe ist in der Zuständigkeit des Landrates, sprich, er entscheidet über die Gelder“, heißt es dazu auf Nachfrage aus dem Landratsamt. 

„Jährlich erreichen uns viele Anfragen von Vereinen oder Verbänden, diese zu unterstützen. Diese Anfragen konnten wir bisher nicht bedienen und mit dem diesem Budget gibt es eine entsprechende Möglichkeit hierzu“, erläutert Kaiser. 

Welche Summen, wer und unter welchen Kriterien die anfragenden Vereine oder Einzelpersonen einen finanziellen Zuschuss aus dem 30.000-Euro-Landrats-Budget erhalten sollen, ist jedoch völlig unklar. 

Es könne dafür eine Anfrage an das Büro des Landrates gerichtet werden. Es werde dann entsprechend dieser vorliegenden Anfragen entschieden, hieß es dazu lediglich auf Nachfrage.

Mit 50.000 Euro im Teilbudget I sollen die mittelsächsischen Verbände, wie beispielsweise der Kreissportbund oder der Kreisfeuerwehrverband, unterstützt werden. Diese Summe ist dafür bereits zweckgebunden vorgesehen. 

Auch für die landkreiseigene Ehrenamtsveranstaltung „Tag des Ehrenamtes“ ist im Teilbereich IV eine Summe von 20.000 Euro fest verplant, die ausschließlich dafür verwendet werden soll.

 Dieses Budget unterliegt ebenfalls der alleinigen Zuständigkeit des Landrates. Die alljährliche Dankeschönveranstaltung soll im November stattfinden, ausgewählte Ehrenamtler werden dazu persönlich vom Kreischef eingeladen.

Görlitz entscheidet unbürokratisch

Wie anders eine Landkreisbehörde mit diesem Thema auch umgehen und dabei die Fördermittel schnell, fair und unbürokratisch ausreichen kann, zeigt ein Blick in den Landkreis Görlitz.

Mit der Verteilung des Geldes wurde dort eine Entwicklungsgesellschaft direkt vom Kreis beauftragt. Auf einer dafür speziell gestalteten Internetseite wurde über die Verteilung und die Kategorien des Ehrenamtsbudgets verständlich und einfach informiert. 

Die Gesellschaft versprach eine zügige und unbürokratische Abwicklung der entsprechenden Anträge und hat Wort gehalten. Das zur Verfügung gestellte Budget ist bereits ausgeschöpft. Mehr als 600 Anträge wurden bei der Entwicklungsgesellschaft eingereicht.

Die 160.000 Euro wurden in kleine Brocken aufgeteilt. Jeweils 200 oder 500 Euro konnten Ehrenamtliche beantragen. Die 200 Euro wurden relativ unbürokratisch für Projekte in den Bereichen Soziales, Umwelt, Kultur und Sport verteilt. 

Geprüft wurde dabei, ob ein Verein, eine Person, eine Gruppe mehrere Anträge gestellt hat. Der Betrag wurde nach Prüfung der Angaben der Antragstellers schnell vergeben. 

Ein wenig höher lag die Hürde beim 500-Euro-Zuschuss. Über dessen Vergabe hat eine Jury entschieden. Einmal pro Woche schaute sie sich die eingereichten Vorhaben an, bewertete diese, stellte im Zweifelsfall Nachfragen. 

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Ein Kommentar von  Verena Toth über die Vergabe des Ehrenamtsbudgets im Kreis Mittelsachsen. 

Wie auf der Internetseite aktuell zu sehen ist, haben die ersten Vereine ihre Schecks bereits erhalten. Für die erhaltenen Beträge müssen die Görlitzer – im Gegensatz zu den geförderten Projekten der Mittelsachsen – keine Verwendungsnachweise erbringen.