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Landrat hält am Klinik-Neubau fest

Trotz aller Probleme soll das 68 Millionen Euro-Projekt in Riesa umgesetzt werden. Manche Ärzte sind skeptisch.

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Von Jens Ostrowski und Sandro Rahrisch

Die Sorge unter niedergelassenen Ärzten und Klinikmitarbeitern, der geplante Krankenhausneubau könnte noch platzen, ist laut Landratsamt unberechtigt: „Der Landkreis steht zum Klinikneubau in Riesa, so wie der Kreistag ihn beschlossen hat. Mehrheitlich ist das der unbedingte Wille aller Fraktionen“, sagte Landrat Arndt Steinbach gestern auf SZ-Nachfrage.

Mehrere Hundert Patienten haben sich derzeit – und es werden täglich mehr – in Unterschriftslisten für den Erhalt des Riesaer Schwerpunktkrankenhauses und damit auch für die Realisierung der Neubaupläne ausgesprochen. Die liegen derzeit in mehreren Riesaer Arztpraxen aus. Aufgrund vielschichtiger Probleme in der Riesaer Klinik ist es im letzten Jahr zu Umsatzeinbußen gekommen. Laut Geschäftsführer Markus Funk bewegten sich die Patientenzahlen 2012 zwar auf Vorjahresniveau, allerdings wurden weniger schwere Fälle behandelt, sodass der Erlös sank. Er spricht von einer wirtschaftlichen Delle, die auch die Häuser in Meißen und Radebeul nicht ausgleichen könnten. Diese Zahlen können für die Geschäftsführung nicht zufriedenstellend sein – schon gar nicht vor dem Hintergrund der Krankenhausschließung in Großenhain vor einem Jahr, die sich scheinbar nicht in den Riesaer Patientenzahlen bemerkbar gemacht hat. Knackpunkt der Probleme sei laut Funk, dass viele niedergelassene Ärzte nicht bereit seien, ihre Patienten ins Riesaer Klinikum zu schicken.

Und dafür sind vielschichtige Probleme verantwortlich. Kritisiert wird von den Ärzten vor allem die Personalpolitik im Riesaer Krankenhaus, die ihrer Meinung nach dazu führe, dass die Qualität der medizinischen Versorgung immer mehr abnehme. Nicht zuletzt, weil zahlreiche Mediziner aufgrund eines zunehmenden Drucks innerhalb der Klinik freiwillig kündigen würden. Einer von ihnen ist der Radiologe Dr. Henrik Ullrich. Er macht für „Kernprobleme des negativen Patientenechos“ vor allem „strategisch-medizinische Fehlentscheidungen, (...) eine unausgewogene und teilweise unwürdige Personalpolitik und die kritiklose Förderung von Interessen einzelner Leuchttürme zum Nachteil des gesamten Klinikums“ aus.

Auch Funk belaste die Situation in Riesa. Das sagte er in einem Gespräch mit der SZ schon vor Wochen. Er sehe ebenfalls die Umstrukturierungen im Hause als Ursache. „Nicht alle Mitarbeiter sind damit einverstanden, zeigen das auch nach außen“, sagt er. Über 400 Veränderungen im Arbeitsalltag seien letztes Jahr beschlossen worden.

Neben den niedergelassenen Ärzten zeigen auch Patientenreaktion aus den vergangenen Monaten, die der SZ vorliegen, dass das Image der Klinik Schaden nimmt. Freundlichkeit, aber auch medizinische Komplikationen werden angeführt.

Planungen abgeschlossen

Dazu sagt Ullrich: „Die Pfleger, Schwestern und Ärzte bemühen sich, so gut sie es nur können, um eine hohe Patientenzufriedenheit. Wenn ihnen aber permanent die notwendigen Voraussetzungen dafür genommen werden, wie zum Beispiel die nicht endenden Kündigungswellen im Bereich der Pflege und der technischen Zubringerdienste, helfen auch keine Seminare zum Erlernen der Freundlichkeit.“

Um all diese Probleme zu lösen, hat – wie berichtet – der Klinik-Aufsichtsrat nun eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. So soll der Krankenhausstandort Riesa langfristig gesichert werden.

Und auch das Klinikum teilte gestern ausdrücklich mit, dass der Neubau nicht zur Disposition stehe. „Er wird definitiv stattfinden. Klar ist aber auch, dass sich die wirtschaftliche Situation in nächster Zeit stabilisieren muss, um die Zinsen und die Tilgung leisten zu können. Bei den Planungen ist bereits mit einberechnet, dass es während des aktiven Umbaus, der bei laufendem Krankenhausbetrieb stattfinden wird, zu einem gewissen Rückgang der Patientenzahlen in Riesa kommen wird, obwohl die medizinische Qualität auf gleichbleibend hohem Niveau auch in der Umbauzeit uneingeschränkt angeboten wird“, sagte Sprecherin Daniela Bollmann.

Sie betonte, dass die Planung zwischenzeitlich inhaltlich abgeschlossen sei, sich aber verzögerte, weil unter anderem noch im Bereich des Brandschutzes nachgebessert werden musste. Das Sozialministerium habe nun das Raum- und Funktionsprogramm der Planungsphase II bestätigt. Es erfolge nun noch die abschließende Prüfung der Planung durch die Oberfinanzdirektion. „Von dort können wir nach derzeitigem Kenntnisstand in den kommenden Wochen die Freigabe der Fördermittel auf Basis der vorliegenden Planung erwarten. Danach werden die Darlehensverträge mit den Banken und die Bürgschaftserklärung mit dem Landkreis zur Unterschrift gebracht“, sagt Bollmann. Nach Erteilung der Baugenehmigung durch die Stadt werde mit den Ausschreibungen für den Bau begonnen. Und das in diesem Jahr.