merken
PLUS

Landrat soll den Süden im Blick behalten

Thomas Zenker hat in seiner Ansprache gesagt, was ihm wichtig ist. Und Kritik geübt.

Von Thomas Mielke

Dass zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters erstmals nicht in den Bürgersaal des Rathauses, sondern in das Theater eingeladen wurde, ist kein Zufall. Mit der Bitte an die rund 300 Gäste im Saal, sich umzusehen, sagte Thomas Zenker (ZKM): Das Theater sei eine Pracht. „Das ist Zittau.“ Trotz aller Probleme mit dem städtischen Haushalt und zu finanzierender Wünsche „gibt es Dinge, die wir erhalten sollten“. Dazu zählt Zenker das Theater. Er nutzte das Podium, um für die Theaterstiftung zu werben und bat die Gäste Zustifter zu werden. Dafür waren sogar schon Überweisungsvorlagen vorbereitet worden.

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

In seiner Rede analysierte Zenker den Zustand der Stadt. Dabei betonte er, dass ihm die B178 als Logistik-Schlagader und die Jugend als Zittaus Zukunft wichtig sind. Er sieht gute Chancen, sie hier zu halten beziehungsweise zurückzuholen, weil es wieder Arbeitsstellen und Ausbildungsplätze in der Region gibt. Überhaupt will er daran arbeiten, dass die positiven Seiten Zittaus stärker betont werden. Dazu gehört die entsprechende Kommunikation, zum Beispiel die Beteiligung der Bürger. Die Stadt brauche Ideen und Anregungen ihrer Bürger, sagte Zenker. Ein Projekt dafür hat er sich in Ebersbach-Neugersdorf abgeguckt: Zenker will, dass die Budget-Verantwortlichen der Stadtverwaltung ihre Etats im direkten Zwiegespräch mit den Zittauern verteidigen. Ob er das Vorhaben bereits während der jetzt anlaufenden Haushaltsdiskussion umsetzt, bleibt abzuwarten.

Der OB kündigte – unter Vorbehalt der Zustimmung des Stadtrates – auch Investitionen in der Stadt an, die ihm wichtig sind. Dazu gehören die Sanierung der Parkschule, des Klosterhofes, der Sporthalle an der Kantstraße, der Freilichtbühne in der Weinau sowie der grundhafte Ausbau der Schrammstraße und des Rathausplatzes.

Landrat Bernd Lange (CDU), der Gast war, sprach er seinen Dank für die Zusammenarbeit aus. Allerdings sparte er auch nicht mit Kritik. Zum einen darf seiner Meinung nach so etwas wie mit der Chopinstraße nicht mehr passieren. Die Ausweisung als Asylbewerberheim hatte der Kreis in die Wege geleitet, ohne die Stadt einzubeziehen. Zum anderen sorgt er sich um die Auswirkungen der neuen Lausitz-Initiative. Damit soll der anstehende Strukturwandel im Braunkohlerevier im Norden begleitet und abgefedert werden. Gerade Zittau, das in den 90er Jahren den Strukturwandel durchmachen musste, hat Verständnis für die Hilfe. Aber „wir Bürgermeister im Süden werden darauf achten, dass uns Ressourcen nicht verloren gehen“, sagte Zenker in Anspielung auf Kraft und Geld des Kreises. Der Süden – in dem mehr Menschen als im Norden leben und der stärker industrialisiert ist – erwartet, dass ihn der Kreis nicht aus dem Blick verliert.