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Görlitzer Landrat fordert Abschusszone zu Polen

Ein zweiter Zaun gegen die Afrikanische Schweinepest soll her und mit dem deutschen Zaun eine Zone bilden. In der sollen die Jäger freie Bahn haben.

Der Landkreis Görlitz hat auf die Bedrohung durch die Schweineseuche aus Polen reagiert und eine Wildschweinbarriere an der Neiße errichtet, hier bei Bad Muskau.
Der Landkreis Görlitz hat auf die Bedrohung durch die Schweineseuche aus Polen reagiert und eine Wildschweinbarriere an der Neiße errichtet, hier bei Bad Muskau. © André Schulze (Archiv)

Noch reichlich zwölf Kilometer, dann hat die Afrikanische Schweinepest Deutschland erreicht. So weit ist es noch von den Infektionsgebieten in Polen bis zum Kreis Görlitz. Inzwischen gibt es zwar einen Schutzzaun, die "Wildschweinbarriere". "Sie wirkt, haben uns Jäger gesagt", so Amtstierarzt Ralph Schönfelder. Aber auf Dauer?

Landrat Bernd Lange (CDU) hat da so seine Zweifel. Er hält eine Art Pufferzone zwischen Polen und Deutschland für denkbar. Die sollte durch Jagen frei von Wildschweinen gehalten werden. Dazu müsste es unter anderem einen festen Zaun Richtung Polen geben, anders als die bisherigen Schutzzäune. "Wir sind mit der polnischen Seite zu dem Thema in Kontakt", sagt Bernd Lange. Konkrete Ergebnisse gebe es aber bisher nicht.

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Beispiel aus Frankreich und Belgien gibt es schon

Ein vergleichbares System wurde schon 2018 zwischen Frankreich und Belgien geschaffen. Dort hatten allerdings beide Länder nahezu zeitgleich Zäune aufgestellt und damit eine so genannte Weiße Zone geschaffen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte den Aufbau eines derartigen Puffers ihrem polnischen Amtskollegen bereits im Januar vorgeschlagen.

Die Pufferzone zwischen Belgien und Frankreich war laut Bundeslandwirtschaftsministerium jedenfalls erfolgreich. Überlegungen zu einer derartigen Zone gibt es inzwischen auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Unter anderem fordert der Landesbauernverband Brandenburg einen Puffer. Bisher fehlen aber gesetzliche Rechtsgrundlagen. Beispielsweise müsste die Nutzung der dafür notwendigen Grundstücke geregelt werden. "Das Ganze müsste EU-weit abgestimmt sein", so Bernd Lange.

Landrat: Jäger sollen finanziell entlastet werden

Inzwischen kritisiert der Görlitzer Landrat die Verordnung des Freistaates gegen die Ausbreitung der Schweinepest. Diese besagt unter anderem, dass Jäger von jedem geschossenen Schwein eine Blutprobe entnehmen und sie einschicken, sterbliche Überreste entsorgt werden müssen. Das stößt auf Kritik in der Jägerschaft. Der Landrat kann das nachvollziehen. "Wir stehen hier an vorderster Front im Kampf gegen die Schweinepest. Aber unsere Erfahrungen sind in die Verordnung nicht eingeflossen. Deshalb muss sie zurückgenommen und neu formuliert werden", fordert Bernd Lange. Jäger müssten etwa von entstehenden Kosten entlastet werden.

Im Landkreis Görlitz gibt es inzwischen vier Kadaver-Sammelpunkte, in Weißwasser, Niesky, Lawalde und in Mittelherwigsdorf. Die Schweinepest ist für Menschen nicht gefährlich, kann aber erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen. So droht etwa ein Schweinefleisch-Exportstopp. Für Wild- und Hausschweine endet die Pest meist tödlich. Und im Kreis Görlitz gibt es mehrere große Zuchtanlagen, zum Beispiel in Kunnersdorf, Kodersdorf, Eiserode, Berthelsdorf, Oberseifersdorf.

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