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Landschaft statt Sorgen

Ein Bad Schandauer wanderte mit Flüchtlingen. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

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Der Wetterbericht hatte nichts Gutes vorausgesagt. Ausgerechnet. Dabei hatte sich Helmut Ulbrich so eine schöne Tour ausgedacht. Der Bad Schandauer bietet öfter mal geführte Wanderungen für Patienten der örtlichen Klinik an. Doch diesmal hatte sich niemand angemeldet. „Wahrscheinlich wegen des Wetterberichtes“, vermutet Ulbrich. Die geplante Tour mit den Patienten wurde abgesagt.

Als sich der Tag am Morgen dann doch schöner als erwartet präsentierte, entschied Helmut Ulbrich kurzerhand, mal in der Unterkunft der Asylbewerber am Niederweg nachzufragen, ob jemand mit ihm auf Wanderschaft gehen möchte. Er hatte ja schon einige Bewohner beim Frühlingstreffen im Pfarrgarten der Evangelischen Kirchgemeinde Anfang April kennengelernt. „Da hatte ich eigentlich schon versprochen, dass wir mal zusammen wandern gehen“, erzählt Ulbrich.

Als er gegen 9 Uhr mit dem Auto zum Niederweg kam, sah ihn vom Fenster ein Bekannter, der ihn auch gleich ins Haus bat. Kurz darauf war eine kleine Wandergruppe startklar. „Das war ganz unkompliziert. Einer hat herumgefragt, bis vier Leute zusammenkamen“, berichtet Ulbrich. Die Kurden Azad, Azis, Raschad und Mohamed sind aus Syrien wegen des Krieges geflüchtet. Seit einigen Wochen leben sie in der Villa Johann in Bad Schandau. Die Geschehnisse aus der Heimat bekommen sie nur schwer aus dem Kopf. Viele Möglichkeiten zur Beschäftigung gibt es für sie nicht. „Umso schöner war es, zu erleben, wie sich die Minen der Gesichter bei jedem neuen Ausblick auf die Landschaft erhellten“, sagt Ulbrich.

Mit dem Auto hatte er seine Wandergruppe erst mal bis zum Fuß der Hohen Liebe gefahren. Die vier waren noch nicht in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Beim ersten Wanderversuch wollte er die Asylbewerber nicht mit Entfernung und Höhendifferenz überfordern. Seinen Rucksack mit Wasser und ein paar Happen durfte er aber partout nicht selber tragen. Das übernehmen abwechselnd seine Begleiter.

Schon mit dem ersten Blick zum Falkenstein, den gerade Kletterer über den Schusterweg bezwangen, wuchs das Interesse der vier Begleiter an der wunderschönen Natur und Felsenwelt. Übers Große Schrammtor ging es zu den Aussichten.

Geredet wurde viel auf Englisch, aber auch auf Deutsch. Das sind die ersten Erfolge des Deutschunterrichts, der ehrenamtlich von Rentnern im Pfarrhaus der Kirchgemeinde erteilt wird. Dafür sind die Flüchtlinge sehr dankbar.

Der Abschied fiel sehr herzlich aus. Die vier bedankten sich gerührt für das tolle Erlebnis, das ihre Sorgen und Nöte für kurze Zeit in den Hintergrund drängen konnte. Nach diesem vielversprechenden Anfang wird es auf jeden Fall weitere Wandertage geben, verspricht Helmut Ulbrich.