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Dippoldiswalde

Auf dem Wilisch-Gipfel wird's knifflig

Schon zu DDR-Zeiten wurde das Gebiet Dippser Heide und Wilisch unter Landschaftsschutz gestellt. Das wird nun überarbeitet, stößt aber auf Hindernisse.

Der Wilisch ist einer der Kernpunkte im gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet. Turmpläne und Landschaftsschutz könnten sich hier beißen.
Der Wilisch ist einer der Kernpunkte im gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet. Turmpläne und Landschaftsschutz könnten sich hier beißen. © Egbert Kamprath

Von der Talsperre Malter bis Kreischa, von Hirschbach bis Oelsa erstreckt sich das Landschaftsschutzgebiet „Dippoldiswalder Heide und Wilisch“, und das schon seit 1974. Damals hat der Bezirkstag Dresden das Gebiet festgelegt. Jetzt arbeitet das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge daran, dieses Landschaftsschutzgebiet nach heutigem Recht neu zu regeln. Dabei soll es auch an verschiedenen Stellen erweitert werden. 

Dabei liegt der Teufel im Detail, wie sich an einem Beispiel aus dem Dippoldiswalder Ortsteil Reinberg zeigt. Falk Ullrich (Freie Wähler), der Ortsvorsteher von Oberhäslich und Reinberg, wies darauf hin. Ralf Börrnerts Familie wohnt am Ortsrand in einem alten Haus auf einem Grundstück mit Obstbäumen. Nun würde er mit seiner jungen Familie gerne daneben ein neues Eigenheim errichten. Allerdings soll das Grundstück bei der Neuregelung auch mit ins Landschaftsschutzgebiet einbezogen werden. „Wenn das so kommt, fürchten wir, dass die Hürden für unser Bauvorhaben noch höher werden“, sagte Ralf Börrnert in der Stadtratssitzung, an der er als Gast teilgenommen hatte. Schon jetzt ist es auf der Obstwiese nicht einfach, eine Baugenehmigung zu bekommen.

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Platz für Radweg muss bleiben

Aus Dippoldiswalde kommen noch weitere Forderungen, die das Landratsamt bei seinem Landschaftsschutzprojekt berücksichtigen muss. Der Ortschaftsrat Dippoldiswalde forderte, dass ein Korridor für einen Radweg entlang der Talsperre Malter freigehalten werden soll. Der Ortschaftsrat in Seifersdorf macht darauf aufmerksam, dass es eine Gartenanlage direkt an der Grenze des Landschaftsschutzgebiets gibt, die bei der Neuplanung berücksichtigt werden soll und in Malter ist geplant, feuchte Wiesen in den Landschaftsschutz mit einzubeziehen. Ortsvorsteherin Claudia Glöß begrüßt dies, weil die Fläche dann nicht so einfach bebaut werden kann. Aber in Malter gibt es ein ungelöstes Abwasserproblem. Wenn deswegen einmal gebaut werden sollte, beispielsweise eine Leitung verlegt, kann es sein, dass dies durch diese Flächen führt. Das sollte berücksichtigt werden.

Ausgerechnet den zentralen Punkt im Schutzgebiet will der Ortschaftsrat im Glashütter Ortsteil Hirschbach nicht mit einbeziehen. „Wir sind einverstanden mit der Erweiterung, aber der Gipfel des Wilisch sollte herausgenommen werden“, sagt Ortsvorsteher Jörg Paulusch (CDU). Nun ist das ausgerechnet ein markanter Punkt, der die Landschaft prägt und nach dem das Schutzgebiet auch benannt ist.

© SZ Grafik

Aussichtsturm auf dem Wilisch geplant

Aber die Hirschbacher haben das Ziel im Auge, dort wieder einen Aussichtsturm zu errichten. „Einen solchen Turm gab es schon einmal bis in die 1950er-Jahre. Der war aus Holz und ist dann verfallen und wurde nicht wieder aufgebaut“, sagt Paulusch. Auf lange Sicht soll so ein Turm wieder errichtet werden. Er müsste dann aber so hoch werden, dass man über die Baumwipfel hinweg die Aussicht genießen kann ins Osterzgebirge und in die Sächsische Schweiz. So wünschen es sich die Ortschaftsräte von Hirschbach. Eigentlich sind aber im Landschaftsschutzgebiet Bauten mit über zehn Meter Höhe verboten. Deswegen würde sich der Landschaftsschutz mit den Turmplänen beißen.

Zum Landschaftsschutzgebiet gehören verschiedene Waldgebiete, die Dippoldiswalder Heide zwischen Dipps und Oelsa, die Zipfelheide zwischen Oelsa und Karsdorf, das Zscheckwitzer Holz zwischen Karsdorf und Hermsdorf am Wilisch, die Hirschbacher Heide und das Wilischgebiet selbst. Eine wesentliche Erweiterung des Gebiets ist im Osten in Richtung Maxen geplant. An verschiedenen Stellen sollen die Grenzen neu gezogen werden. Insgesamt wird sich der Umfang von bisher 2.977 Hektar auf 3.243 Hektar erweitern.

Derzeit ist die Planung in alle beteiligten Kommunen verschickt worden und an betroffene Verbände und Behörden, die als Träger öffentlicher Belange gelten, damit diese zu dem Vorhaben Stellung nehmen können. Aber auch für Haus- und Grundbesitzer kann es sich lohnen, einmal in die Planungen für das neue Landschaftsschutzgebiet zu schauen, wie das Beispiel der jungen Familie aus Reinberg zeigt.

Die geplante Verordnung ist beim Landratsamt zu finden.

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