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Landwirt hat Glück im Unglück

Durch einen Brand verlor ein Großharthauer sein wichtigstes Arbeitsgerät. Das Ganze hätte aber auch noch schlimmer ausgehen können.

Landwirt Pierre Zocher aus Großharthau freut sich über seinen neuen Hoflader. Der alte wurde bei einem Brand zerstört.
Landwirt Pierre Zocher aus Großharthau freut sich über seinen neuen Hoflader. Der alte wurde bei einem Brand zerstört. © Foto: Steffen Unger

Großharthau. Der Schreck sitzt bei Pierre Zocher und seiner Lebensgefährtin Irina Wenzel immer noch tief. Ein Feuer hat vor ein paar Wochen ihren Hoflader völlig zerstört. Der Großharthauer Landwirt musste zusehen, wie die unentbehrliche Maschine komplett ausbrannte. Ein Anblick, der wehtat. Denn ohne das kleine, wendige Arbeitsgerät geht so gut wie nichts auf dem Hof. Jeden Tag ist es mehrere Stunden im Einsatz. 1.000 kommen da pro Jahr schon zusammen.

Unter anderem legt der Großharthauer seinen Kühen damit täglich 40 Siloballen maulgerecht an die Futterplätze. Mit dem Hoflader kein Problem. Damit komme man in jede Ecke des Stalls, verrät der passionierte Landwirt. Mit einem Traktor könne man das nicht. „Pierre schafft damit auch jeden Tag 2.000 Liter Wasser zu den Kühen raus auf die Weide“, erzählt Irina Wenzel und erwähnt, dass auch noch 130 Ballen Heu draußen auf den Feldern liegen, die in der Scheune hochgestapelt werden müssen.

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Brandursache: Technischer Defekt

Der Gedanke an das viele Heu macht den Beiden aber auch bewusst, dass Pierre Zocher unglaublich viel Glück im Unglück hatte. Der Hoflader fing mitten auf der Straße Feuer, nicht etwa in der Scheune. Ein Kraftfahrer, der hinter dem Bauern unterwegs war, hat die Flammen gesehen und Bescheid gesagt. Der Landwirt tat das einzig Richtige: auf die nächste Wiese fahren und anhalten. Dann rief er Irina Wenzel an. Während er versuchte, die Flammen mit zwei Kissen zu ersticken, sauste sie mit dem Feuerlöscher los. Den Brand konnten beide löschen, aber die Maschine war nicht zu retten.

Am Tag vor dem Feuer habe er auf einem fremden Hof in Lohnarbeit Heu eingestapelt, erzählt der Großharthauer. Nicht auszudenken, wenn die Maschine dabei in Brand geraten wäre. Oder in der eigenen Scheune, wo Hunderte Heuballen lagern. Beides hätte verheerende Folgen gehabt.

Wahrscheinlich löste ein technischer Defekt den Brand aus. Die Versicherung ersetzte den Zeitwert der Maschine. Die Großharthauer sind froh darüber. Denn da machte es sich bezahlt, nicht an den 3.000 Euro jährlicher Versicherungsprämie gespart zu haben. Doch für einen neuen Hoflader reichte das Geld nicht. „Und ein gebrauchter war nicht zu kriegen. Dieser Markt ist wie leer gefegt“, weiß Irina Wenzel. Wer so ein Gerät hat, der behalte es in der Regel auch. 

Der alte Hoflader von Pierre Zocher ist komplett hinüber. Der Landwirt musste zuschauen, wie sein wichtigstes Arbeitsgerät bei einem Brand einen Totalschaden erlitt.
Der alte Hoflader von Pierre Zocher ist komplett hinüber. Der Landwirt musste zuschauen, wie sein wichtigstes Arbeitsgerät bei einem Brand einen Totalschaden erlitt. © privat

Also blieb nur, nach einer neuen Maschine zu schauen. Und danach, wie man sie bezahlen kann. Abzahlen wollten sie das neue Teil nicht. Immerhin fallen auf dem Hof noch jede Menge andere Kosten an. „Man kann ja nicht immer noch mehr Raten abzahlen.“ Also verkauften die Großharthauer einen Großteil ihres Heus. Per Vorkasse. Der Landwirt freut sich, dass ihm da so viel Vertrauen entgegengebracht wurde.

Und auch über Facebook gab es Hilfe. Als Freunde und Sympathisanten von dem Unglück erfuhren, rollte sofort eine Welle der Hilfsbereitschaft an, für die beide unendlich dankbar sind. „Morgen kommt eine Spende… Hauptsache Pierre ist nix passiert“, ist auf der Facebook-Seite des Projektes HerzMuht, mit dem Pierre Zocher Kuh-Paten sucht,  zu lesen. Oder auch: „50 Euro für euren neuen Hoflader. Irgendwann werde ich Pate für eine Kuh. Ich finde es soooo toll, was ihr da macht.“ 

Denn Pierre Zocher ist ein besonderer Landwirt. Er will seinen 110 Kühen ein Leben ohne die Strapazen der Milchviehwirtschaft schenken, denn er kann dem Streben nach immer mehr Milchleistung nichts abgewinnen. Das erschöpfe die Tiere. Seine Kühe sollen bis zum Ende ihres Lebens glücklich auf dem Hof leben können und nicht beim Schlachter enden. „Das bin ich meinen Tieren schuldig“, sagt er. 

Kuhpatenschaft: Schon viele Interessenten

Etwa die Hälfte seiner 110 Tiere ist schon aus der Produktion raus. "Wir haben da draußen eine bunt gemischte Generationenherde stehen. Das ist so schön anzusehen", freut sich Irina Wenzel. Doch Kühe kosten Geld. Sie brauchen Futter und Pflege. Ohne ihre Milch zu vermarkten, ist das schwierig. Deshalb sucht der Landwirt Paten für seine Tiere. Und er hat schon viele gefunden.  Seine Partnerin weiß auch warum. "Dieser Weg, der sich gerade auftut für die Tiere, entspricht der moralischen Verantwortung etlicher Menschen. Viele finden das toll." Dieser Zuspruch tue gut und mache Mut.

Denn einfach ist ihr Projekt HerzMuht keinesfalls. Doch seit Pierre Zocher und Irina Wenzel diesen Weg gehen, habe sich auch ein wunderbarer Freundeskreis aufgetan, der sie in vielen Bereichen unterstütze. Unter anderem medial. So gibt es inzwischen eine gute gestaltete Homepage, und auch auf Facebook sind die Großharthauer gut unterwegs.   

Seit wenigen Tagen steht nun ein funkelnagelneuer Hoflader da. 17.000 Euro kostete das chinesische Modell. Für eine deutsche Marke hätte der Landwirt noch reichlich 10.000 Euro mehr hinblättern müssen. "Und der hätte noch nicht einmal eine Kabine gehabt." Pierre Zocher freut sich über sein neues Arbeitsgerät. Jetzt kann er endlich wieder loslegen. Und für den Notfall ist er jetzt auch gerüstet, verrät seine Lebensgefährtin. "Ich hab' gleich alle unsere Maschinen mit Feuerlöschern bestückt." 

Am 15. August können sich Interessenten beim Tag der offenen Hoftür von 16 bis 19 Uhr selbst ein Bild vom Hof HerzMuht machen. Paten können ihre Tiere besuchen. Festes Schuhwerk ist nötig, und man sollte keine handzahmen Streicheltiere erwarten. 

Ansprechpartner für Patenschaften ist Christiane Kubeja, Telefon 0172 7259103. Eine Patenschaft kostet 50 Euro pro Monat. Auch Teilpatenschaften sind möglich.

www.herzmuht-grossharthau.de

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