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Landwirte erwarten höhere Erträge

Zwischen Weißwasser und Niesky wird eifrig geerntet. Ein drittes Katastrophenjahr gibt es wohl nicht. Aber noch ist viel Luft nach oben.

Die Getreideernte zwischen Rothenburg und Nieder Seifersdorf läuft derzeit auf Hochtouren. Die Erträge versprechen besser zu werden als noch vor einem Jahr – auch, weil es zwar wieder ein trockenes, aber durchaus kein echtes Dürrejahr war.
Die Getreideernte zwischen Rothenburg und Nieder Seifersdorf läuft derzeit auf Hochtouren. Die Erträge versprechen besser zu werden als noch vor einem Jahr – auch, weil es zwar wieder ein trockenes, aber durchaus kein echtes Dürrejahr war. © André Schulze

Auch wenn längst nicht genug Regen gefallen ist: dürregeplagt sind die Landwirte zwischen Neiße und Monumentberg in diesem Jahr nicht. Meist kam zwar nicht viel Niederschlag vom Himmel herunter, aber er kam wenigstens. Im Vergleich zu den Dürrejahren 2018 und 2019 könnte die Ernte deshalb diesmal besser ausfallen. Das hoffen die Bauern jedenfalls.

Norbert Jensch bezeichnet die Lage immer noch als angespannt. Insgesamt sei es weiter zu trocken auf den Feldern, wenngleich der Regen in diesem Jahr in Zeiten fiel, die günstiger für das Wurzelwachstum waren als in den Vorjahren, erklärt der Geschäftsführer der Jänkendorfer Agrar GmbH. „Ins Grundwasser vorgedrungen ist der Niederschlag aber nicht.“ Meckern ist Jenschs Sache dennoch nicht. Denn: „Die Ernte wird besser ausfallen als im vorigen Jahr“, ist er zuversichtlich.

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Schon mit "mittleren Erträgen" lässt sich leben

Der Landwirt erwartet vor allem bei Raps und Wintergerste „mittlere Erträge“. Beim Raps rechnet der Landwirt mit etwas mehr als 30 Dezitonnen je Hektar, bei der Gerste mit über 70 Dezitonnen. Auch der Weizen sei recht gut gewachsen. Am wichtigsten dabei: „Die Qualität stimmt.“ Auch mit den Sorten, die noch auf den Feldern stehen, könne sein Unternehmen zufrieden sein, betont der Geschäftsführer. „Kartoffeln, Mais und Sojabohnen haben sich gut entwickelt.“

Insgesamt werde man das Optimum früherer Jahre zwar nicht erreichen, könne mit der erwarteten Erntemenge aber durchaus leben.

Auf den damit zu erzielenden Preis trifft dies allerdings weniger zu. „Da ist tatsächlich noch viel Luft nach oben. Vor allem bei Getreide und Raps. Wir würden gern 20 Prozent mehr verdienen“, stellt Jensch klar. Allerdings weiß auch er, dass in der Marktwirtschaft das Verhältnis von Angebot und Nachfrage entscheidend ist. Sein Fazit: „Die laufenden Kosten können wir decken, für größere Investitionen reicht es allerdings nicht.“
Auf den Feldern der Kodersdorfer Agrar GmbH läuft die Ernte „nicht so schlecht wie anfangs gedacht“, schätzt Geschäftsführer Thomas Ritter ein. Zwar sei das große Wasserdefizit aus den vergangenen beiden Jahren längst nicht behoben, trotzdem erwarte man eine durchschnittliche Ernte. Wobei es sortenbedingt durchaus Unterschiede gebe. So hätte der Mais im Frühjahr etwas mehr Feuchtigkeit gebraucht und werde deshalb nicht ganz so ergiebig sein.

Im Frühjahr leuteten schon die Alarmglocken

Peter Rompe kann sich noch gut an das Frühjahr erinnern. „Als die Trockenheit kein Ende nahm, haben alle Alarmglocken bei uns geläutet.“ Doch dann ging es nicht so weiter wie 2018 und 2019. In Abständen öffnete der Himmel seine Schleusen. Deshalb fällt das Zwischenfazit des Vorstandes der Agrargenossenschaft Nieder Seifersdorf aktuell deutlich positiver aus. „Wir kommen mit der Situation zurecht.“ Die Hitze der letzten Tage spielt seinem Unternehmen sogar in die Karten: „Wir können das Stroh vernünftig einbringen, haben keine Trocknungskosten. Und der Pilzbefall hält sich in Grenzen.“

Das Futter für die 440 Milchkühe in den Ställen des Agrarbetriebes wächst allerdings auch in diesem Jahr nur spärlich heran. Die beiden bisherigen Wiesenschnitte seien „leicht unterdurchschnittlich“ gewesen, stellt Rompe klar. Deshalb hat das Unternehmen gezielt Weidelgras – ein ertragreiches und nahrhaftes Süßgras – angebaut. „Daraus machen wir Silage. Und wenn dann noch der Mais vernünftig wächst, dürften wir bei der Versorgung unserer Tiere keine Probleme bekommen.“

Ähnlich sieht es in der Jänkendorfer Agrar GmbH aus. Dort sind jeweils knapp 300 Milchkühe und Jungtiere zu versorgen. Norbert Jensch: „Auch wir haben zusätzliches Ackerfutter angebaut. Ich denke, dass wir keines unserer Rinder wegen Futterknappheit abgeben müssen.“

Witterungsbedingte Änderungen an ihren Kulturen haben die Landwirtschaftsbetriebe bisher nicht vorgenommen. Thomas Ritter aus Kodersdorf: „Ohne Wasser wächst nun mal nichts. Aber wir müssen das Wetter so nehmen, wie es kommt.“ Von zwei Jahren Trockenheit könne man nicht auf dauerhaften Wassermangel schließen. „Wir haben die Sorten auf unseren Feldern deshalb nicht umgestellt.“ Auch Peter Rompe vertraut darauf, dass die Feuchtigkeit seinen Pflanzen in den nächsten Jahren reichen wird. „Wir werden nicht kurzfristig auf den Klimawandel reagieren. Zumal es keine Garantie gibt, dass dies dann funktioniert.“

Umweltamt empfiehlt neue Sorten

Die Experten des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sehen dennoch Anpassungsbedarf. Dazu seien ein umfassendes Risiko- und Wassermanagement nötig, so Sprecherin Karin Bernhardt. Bei der Betrachtung des Risikos gehe es vor allem um die Bildung von Rücklagen, langfristige Abnahmeverträge und Warenterminkontrakte. Aber auch um sinnvolle Versicherungslösungen wie Mehrgefahrenversicherungen seien sinnvolle „Investitionen“, um sich gegen Fehlschläge zu sichern. Um das Wasser noch ressourcenschonender einzusetzen, sollten die Betriebe den Anbau trockentoleranter Sorten prüfen und effizientere Düngeverfahren einsetzen, um die Nährstoffaufnahme zu verbessern. Schließlich gehe es um erosionsmindernde Bodenbearbeitung.
Gerade der nordostsächsische Raum, also das Gebiet zwischen Kodersdorf und Weißwasser, müsse perspektivisch an noch weitreichendere Maßnahmen denken, regt Karin Bernhardt an. Vor allem tiefwurzelnde Fruchtarten sollten auf den Feldern hier zum Einsatz kommen.

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