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Landwirte sollen Dürretipps weitergeben

Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther macht sich vor Ort ein Bild von den Problemen der Trockenheit und wählt einen besonderen Ort.

Vom Winde verweht? Das darf mit den Böden der Lommatzscher Pflege nicht passieren, sagt Öko-Landwirt Nikola Burgeff von Hof Mahlitzsch. Er hat Ideen, wie sich Dürre-Folgen eindämmen lassen.
Vom Winde verweht? Das darf mit den Böden der Lommatzscher Pflege nicht passieren, sagt Öko-Landwirt Nikola Burgeff von Hof Mahlitzsch. Er hat Ideen, wie sich Dürre-Folgen eindämmen lassen. © Claudia Hübschmann

Nossen. Nikola Burgeff hat eine aufwendige Methode gewählt, um die Feuchte des Bodens zu messen. Jedes Frühjahr graben der Geschäftsführer der Betriebsgemeinschaft Hof Mahlitzsch und seine Mitarbeiter an bestimmten Stellen tiefe Löcher in die fruchtbare Erde der Äcker im Randgebiet der Lommatzscher Pflege. 

In normalen Jahren zeigten sich selbst in einer Tiefe von rund zwei Metern noch gute Ergebnisse. 2019, nach dem Trockenjahr 2018, waren es 1,20 Meter. Dieses Jahr ist der Boden im März nur noch bis in eine Tiefe von 60 Zentimetern durchfeuchtet gewesen. "Es könnte sein, dass wir uns im dritten Trockenjahr in Folge befinden", sagt der Öko-Landwirt.

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Aufmerksam verfolgt hat die Schilderung am Freitagmorgen Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Bündnisgrüne). Er ist an diesem Freitagvormittag in das kleine Örtchen Mahlitzsch bei Nossen gekommen, um sich ein Bild von den Folgen der anhaltenden Dürre zu machen und darüber zu sprechen, welche Konsequenzen längerfristig daraus zu ziehen sein könnten. 

Bleibt die Trockenheit, würde auf dem Öko-Hof Mahlitzsch das Futter für die über 60 Rinder zählende Herde knapp. Tiere müssten verkauft werden, deren Dung wiederum fehlt. Ein Teufelskreis.
Bleibt die Trockenheit, würde auf dem Öko-Hof Mahlitzsch das Futter für die über 60 Rinder zählende Herde knapp. Tiere müssten verkauft werden, deren Dung wiederum fehlt. Ein Teufelskreis. © Claudia Hübschmann

Der Rundgang über den seit 1993 auf 330 Hektar gewachsenen Betrieb, welcher im Dresdner Umland durch seine wöchentlich gelieferten Ökokisten, sein Brot und seine Milch bekannt ist, beginnt auf der Kurzrasenweide. Saftig grün leuchtet das Gras, dazwischen blüht es gelb. Das gemächlich kauende, braune Fleckvieh gibt ein idyllisches Bild ab. Doch wie lange wird es halten? "Wir brauchen schon regelmäßig Niederschlag, damit das Gras nachwächst und rohfaserreiches Futter abgibt", sagt Burgeff. 

Bleibt der Regen aus, bekommt das Unternehmen Schwierigkeiten. In Mahlitzsch arbeiten die rund 45 Vollzeitkräfte nach den Prinzipien des Demetervereins, des ältesten deutschen Bioverbandes. Kreislaufwirtschaft wird großgeschrieben. Das heißt auch: Auf den Zukauf von Futter wird möglichst verzichtet. Zudem existiert fast kein Angebot an biodynamischer Nahrung für über 60 Rinder, wie sie bei Nossen gehalten werden. In der Folge müsste der Hof Tiere verkaufen, wodurch wiederum nötiger Dünger für Äcker fehlen würde. 

Gegensteuern ließe sich in diesem Fall nur schwer. "Wenn das Klima weiter so trocken bleibt, müssten wir tatsächlich die Herde verkleinern und größere Vorräte anlegen", sagt Burgeff. Pflanzlicher Dung könnte den ausbleibenden tierischen Dung ersetzen.

"Ganz direkt über Erfahrungen austauschen"

Um solche Zusammenhänge zu verstehen, solche Gedanken zu hören und zu sammeln ist Wolfram Günther in den Kreis Meißen gekommen. Sein Ziel: Er möchte eine Plattform schaffen, auf der sich die sächsischen Landwirtschaftsbetriebe über den Umgang mit den Folgen der häufiger werdenden Dürren austauschen können. Ein Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft soll entstehen. Möglichst viele Betriebe sollten sich daran beteiligen, die alle landwirtschaftlichen Regionen des Freistaates repräsentieren. "Am besten wäre es doch, wenn sich Nachbarn ganz direkt über ihre Erfahrungen austauschen würden", sagt Günther. Schließlich ließen sich die Probleme in den seltensten Fällen generalisieren.

Für den Ökolandwirt Burgeff steht das Hauptthema schon fest, welches er in dem geplanten Zentrum gern auch mit seinen konventionell wirtschaftenden Kollegen besprechen würde: Die Erosion der fruchtbaren Böden in der Lommatzscher Pflege müssen gestoppt werden, sagt er. Sie gehören zu den fruchtbarsten weltweit. Jedes Mal, wenn bei Trockenheit und viel Wind ein kleiner Erdsturm über brachliegende Felder gehe, werde ein Stück Betriebskapital und Zukunft weggeweht. Wie sich das verhindern lässt? Nun, auch dafür hat der Mahlitzscher schon einige Tipps parat.

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Die Hoffnung, dass Sachsens Landwirte sich trotz unterschiedlicher Ansichten über die richtige Wirtschaftsweise zuhören, ist bei Nikola Burgeff dabei in den letzten Jahren gewachsen. "Wir stehen jetzt alle vor dem gleichen Problem: Uns fehlt das Wasser", sagt er. Ideologische Grabenkämpfe wie in der Vergangenheit sollten vor diesem Hintergrund der Vergangenheit angehören.

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