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Dippoldiswalde

Landwirte unter Druck

Im zweiten Jahr geht es für einige im Landkreis erneut an die Reserven. Was ist, wenn sich der Wettertrend fortsetzt?

Landwirt Hubertus Schroth aus Großopitz muss bereits jetzt die Futterreserve für den Winter verwenden, um die Jungtiere sattzubekommen.
Landwirt Hubertus Schroth aus Großopitz muss bereits jetzt die Futterreserve für den Winter verwenden, um die Jungtiere sattzubekommen. © Andreas Weihs

Die Kühe kauen gemütlich. Es raschelt und knistert, wenn sie den Kopf ins Heu stecken und sich noch eine Fuhre gönnen. Als Nutztiere ahnen sie nichts von den Sorgen, die sich ihr Chef macht. „Die Wetterkapriolen wirken sich extrem aus“, sagt Hubertus Schroth, Landwirt in Großopitz bei Tharandt. In der zweiten Augustwoche habe er bereits angefangen, den Jungrindern das für den Winter zurückgelegte Futter anzubieten. Normalerweise geht er erst im November an diese Vorräte heran.

Wie Schroth ergeht es vielen Landwirten. Sie stehen im zweiten trockenen Sommer hintereinander extrem unter Druck und müssen starke Gewinneinbußen hinnehmen. Es geht nicht um das große Geld, das verdienen kleine Landwirtschaftsbetriebe ohnehin kaum. Es geht darum, am Monatsende die Löhne bezahlen und als Inhaber selbst noch etwas verdienen zu können. Es geht auch um finanzielle Rücklagen, die ein Betrieb normalerweise bildet, um in Technik und Anlagen zu investieren. Und es geht darum, dass die Bauern Futter zukaufen müssen. Welches infolge des knappen Angebots immer teurer wird.

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Auch größere Betriebe, wie die Pretzschendorfer Landwirtschafts- und Dienstleistungsgesellschaft (PLD), mussten dieses Jahr schon an die Futterreserven gehen. Im April brauchten die Kühe bereits zusätzliche Nahrung, und das, obwohl die Tiere gerade frisch auf die Weide kamen. Denn bis zum Frühjahr war auf den Wiesen bei Röthenbach kaum etwas gewachsen. Der Winter brachte zwar Niederschlag, sagte PLD-Chef Stephan Claus, doch temperaturbedingt sind die Pflanzen im Osterzgebirge erst später gewachsen – und als im April die Wärme kam, fehlt das Wasser. Bedingt durch das Defizit aus dem Vorjahr, hatten die Böden nicht viel Wasser gespeichert. Durch die Niederschläge im Mai habe sich die Lage dann aber entspannt.

Verfüttert wurde das, was noch an Reserve aus Vorjahren übrig war. Dabei konnten 2018 deutlich weniger Futtervorräte angelegt werden, als sonst üblich. Denn nach dem sogenannten ersten Schnitt – dabei wird Gras für Tierfutter zum ersten Mal im Jahr gemäht – sei 2018 kaum mehr etwas nachgewachsen. Auch beim Silomais, der mitverfüttert wird, gab es erhebliche Ausfälle. Insgesamt sind etwa 50 Prozent dessen weggefallen, was sonst an Gras- und Maissilage eingefahren wird. Um die leeren Vorratsspeicher wieder aufzufüllen, wird auf mehr Flächen Futter angebaut. Mit dem Ertrag ist Stephan Claus bisher zufrieden. „Es wird nicht so schlimm wie 2018.“

Im Sommer 2018 vertrocknete das Laub der Pesterwitzer Weinstöcke. Guts-Chef Lars Folde will sich von Wetterkapriolen unabhängiger machen und plant den Bau von Zisternen.
Im Sommer 2018 vertrocknete das Laub der Pesterwitzer Weinstöcke. Guts-Chef Lars Folde will sich von Wetterkapriolen unabhängiger machen und plant den Bau von Zisternen. © Andreas Weihs

Die Obstbauern plagen ähnliche Sorgen. „2018 war extrem. Viele Pflanzen sind vertrocknet, die Früchte waren klein, die Ausbeute gering“, berichtet Lars Folde. Mit seiner Familie betreibt er das Gut Pesterwitz, lebt von Obst und Weinanbau. Der Wein war es auch, der vom Hitzesommer 2018 am meisten profitierte – zumindest die alten Stöcke. Dieses Jahr läuft es auch im Obstbau etwas besser. Die Erdbeer- und Kirschernte fiel gut aus. Selbst beim Getreide konnten die Pesterwitzer halbwegs normale Erträge erzielen. „Unsere Lehmböden halten das Wasser auf, das hilft“, begründet Folde. Doch nun fehlt auch hier der Niederschlag.

Schon Ende April musste PLD-Chef Stephan Claus seinen Kühen zusätzliches Futter aus der Reserve anbieten. Auf der Röthenbacher Weide war nicht genug gewachsen.
Schon Ende April musste PLD-Chef Stephan Claus seinen Kühen zusätzliches Futter aus der Reserve anbieten. Auf der Röthenbacher Weide war nicht genug gewachsen. © Karl-Ludwig Oberthür

Was Landwirte wie Hubertus Schroth, der mit seinem Sohn und einer Halbtagskraft einen Betrieb mit 60 Milchkühen betreibt, ebenfalls wurmt: Die Landwirte fühlen sich nicht angemessen von der Lebensmittelindustrie entlohnt. 32 Cent bekommt er für einen Liter. Vor zehn Jahren lag der Milchpreis bei 25 Cent. Klingt nach einem großen Sprung, ist es aber nicht. „Die Kosten sind doch ebenfalls gestiegen“, argumentiert er. Landtechnik, Mindestlohn, Rohstoffe, Versicherungen, Steuern – dies alles habe sich teils erheblich verteuert. Und werde angesichts der Hitzekrise auch nicht billiger. „Wir müssen mittlerweile an die finanziellen Reserven gehen“, sagt Schroth. Und was ist, wenn die nächsten Sommer auch so heiß und trocken werden, wenn sich der Wettertrend so fortsetzt? Schroth zuckt mit den Schultern. Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit und die Hoffnung, dass es bestimmt im nächsten Jahr einen ganz normalen Sommer gibt.

Darauf will man sich im Gut Pesterwitz nicht verlassen. „Wir werden Geld in die Hand nehmen“, kündigt Lars Folde an. Die Idee ist, das auf den Gebäudedächern und dem Hof anfallende Regenwasser in Zisternen zu leiten und zu speichern. Damit sollen in trockenen Witterungsphasen die Weinstöcke, Obstbäume und Beerensträucher gewässert werden. Zum Teil machen das die Pesterwitzer jetzt schon: Ein Teil des Weinberges unterhalb der Straße Am Hang verfügt über ein Bewässerungssystem. Über Schlauchleitungen tröpfelt das Wasser an die Füße der Rebstöcke. Das hat im vergangenen Sommer geholfen, durch die Hitze zu kommen. Andere Weinstöcke, vor allem neu gepflanzte, hatten es dagegen schwer oder gingen ein. Lars Folde möchte da nicht länger hilflos zusehen, weiß aber auch, dass er als Obstbauer im Vorteil ist: „Getreidefelder lassen sich nicht so leicht wässern.“ 

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