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Landwirte zeigen ihre Höfe

Der GroßenhainerGeflügelhof war gestern Gastgeber für die offizielle Auftaktveranstaltung zur Aktion „Tag des offenen Hofes in Sachsen“.

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Von Peter Anderson

Keine Angst, wenn Sie in unseren Ställen ein paar Hühner mit etwas weniger Federn sehen“, ruft Christian Riedel den Journalisten zu. „Die befinden sich kurz vor der Mauser“, sagt der Chef des Großenhainer Geflügelhofs. Das Unternehmen durfte gestern den Startschuss zum „Tag des offenen Hofes in Sachsen“ geben. Ziel der Aktion ist tätige Aufklärung, wie sie Riedel betreibt. „Manche Kinder wissen ja heutzutage schon gar nicht mehr, dass auch Hühner sich mausern“, sagt der Großenhainer Eier-Produzent. Der Tag des offenen Hofes bietet Gelegenheit, solche natürlichen Mechanismen zu erklären. Damit die Kinder nicht sofort an Tierquälerei denken, wenn sie im Stall ein halbnacktes Huhn entdecken.

Minister ist verhindert

Dass die Botschaft der Agrarbetriebe bei den Verbrauchern auf offene Ohren stößt, wünscht sich Anita Domschke. Die Abteilungsleiterin im sächsischen Landwirtschaftsministerium vertrat gestern Staatsminister Stanislaw Tillich (CDU). Der hatte sich den Termin in Großenhain dick im Kalender angekreuzt. Die Beschleunigung des politischen Geschäfts nach der Neuwahl-Ankündigung des Kanzlers machte ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung. „In dieser Situation kann Stanislaw Tillich bei der heutigen Fraktionssitzung in Dresden nicht fehlen.“ So entschuldigte Anita Domschke ihren Chef.

Die Abteilungsleiterin aus dem Landwirtschaftsamt sprang gern in die Lücke. Den Tag des offenen Hofes betreut sie seit seiner Premiere vor fünf Jahren. „Wir freuen uns, dass dieses Jahr erstmals der Verband Gäa – ökologischer Landbau und die sächsischen Direktvermarkter mit im Boot sitzen“, sagt Anita Domschke. Mag die Lobby der Landwirte sonst zersplittert sein. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit ziehen sie alle an einem Strang. „Den Verbraucher interessiert es wenig bis überhaupt nicht, zu welchem Verband der Landwirt gehört“, erklärt sich Bernd Roder, der Vorsitzende des Landbundes Sachsen, diese Einmütigkeit.

Auch regional expandierte die Aktion. Erstmals findet der Tag des offenen Hofes zeitgleich in Sachsen-Anhalt statt. Nächstes Jahr soll Thüringen dazukommen. Damit wäre die mitteldeutsche Dreieinigkeit perfekt.

Sylvia I. kommt zu Besuch

Thematisch liegt der Schwerpunkt für 2005 bei den Milchviehbetrieben. „Die heutige Eröffnungsveranstaltung fällt nicht zufällig mit dem internationalen Tag der Milch zusammen“, so Anita Domschke. Um diesen Fokus nach außen zu demonstrieren, durfte der Großenhainer Geflügelhof gestern königlichen Besuch begrüßen. Ihre Hoheit Sylvia I., die Sächsische Milchkönigin, ließ sich Riedels Eier-Imbiss munden. Die Regentin erschien übrigens in Grün und nicht, wie man bei einer Milchkönigin vermuten könnte, in Lila.

Die Konzentration auf die Milchvieh-Betriebe hat einen ernsten Hintergrund. „Der Milchbereich ist im Moment unser allergrößtes Sorgenkind.“ Auf diesen Punkt bringt es Martin Umhau aus dem Vorstand des Sächsischen Landesbauernverbandes. Die großen Discounter tragen ihren Preiskrieg auf dem Rücken der Milchbauern aus. Immer tiefer sackte der Aufkaufpreis in den vergangenen Jahren. Ab 2007 soll zudem die Milchprämie „abgeschmolzen werden“, wie es in der Brüsseler Bürokratensprache heißt. Betroffen sind auch Betriebe aus Riesa-Großenhain, wie beispielsweise die Milcherzeugergenossenschaft Quersa oder das Milchcenter Prausitz. „Der Tag des offenen Hofes soll auch vermitteln, dass Lebensmittel mehr wert sind als die Preise, zu denen sie in verschiedenen Supermärkten verramscht werden“, sagt Martin Umhau vom Landesbauernverband.

Der Stempel verrät alles

Während drin bei Riedels die Theorie besprochen wird, läuft draußen die Praxisvorstellung. „Weil heute auch Kindertag ist, haben wir ein kleines Kinderfest organisiert“, so Junior-Chef Alexander Riedel. Mit offenen Mündern verfolgen die Knirpse aus dem Großenhainer Kindergarten „Sonnenkäfer“ wie die Sortiermaschine 30 frische Eier ansaugt und sanft in ihrer Palette absetzt. Auf dem kleinen Markt hat Gisela Müller vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft Großenhain ihren Info-Stand zum Thema Ei-Stempel aufgebaut. „An dem Aufdruck können Sie sehen, aus welchem Land das Ei kommt und wie das Huhn gehalten wurde“, sagt sie. Die Wenigsten wüssten das.

Die vollständige Liste der knapp 80 gemeldeten Betriebe findet sich auch im Internet unter: www.offener-hof-sachsen.de