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„Lange geht es ohne Zuschüsse der Stadt nicht mehr“

Die Vorstände der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt im SZ-Interview.

Von Julia Vollmer
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Die Vorstände der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt Thomas Dittrich und Alrik Mutze
Die Vorstände der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt Thomas Dittrich und Alrik Mutze © Marion Doering

Aus 66 Millionen wurden beim Schulcampus Pieschen rund 92 Millionen. Die Stesad musste ihre Erfahrungen mit einer Kostenexplosion machen. Ist Ihnen das auch schon mal passiert?

Alrik Mutze: Ja, leider kürzlich bei unserem Neubauprojekt auf der Haydnstraße 17. Dort mussten wir aus verschiedenen Gründen plötzlich vier Millionen statt der geplanten 3,5 Millionen zahlen. Das ist nicht so viel mehr wie die Stesad, aber trotzdem viel Geld.

Was waren denn die Gründe?

Mutze: Der Architekt hat gute Entwürfe gemacht, hatte aber Planungs- und Umsetzungsschwierigkeiten. Und die Preise für die Gewerke und für das Personal der Baufirmen sind extrem gestiegen. Das Material hat sich ebenfalls stark verteuert.

Thomas Dittrich: Es kam auch zu Verzögerungen. Eigentlich wollten wir im Sommer 2018 fertig sein, jetzt wohnen zwar Leute drin, aber komplett fertig sind die Baufirmen immer noch nicht.

Wie fangen Sie die gestiegenen Kosten auf?

Dittrich: Noch können wir das auffangen aus eigenen Mitteln. Aber eins sage ich ganz klar: Lange geht es ohne Zuschüsse durch die Stadt nicht mehr.

Wie meinen Sie das?

Dittrich: Wir wollen gern neu bauen, weil Dresden Wohnungen braucht. Aber unsere Mieteinnahmen sind gedeckelt, mehr als zehn Euro pro Quadratmeter kalt können und wollen wir von unseren Mitgliedern nicht verlangen. Und wenn dann die Kosten für den Bau und auch die städtischen Grundstücke immer teurer werden, brauchen wir irgendwann auch mal eine Unterstützung, die es bisher nicht gibt und gab.

Wie haben sich denn die Preise bei den Grundstücken entwickelt?

Dittrich: Von mal 250 Euro pro Quadratmeter sind wir inzwischen bei 500 Euro und mehr angelangt.

Aber Sie lassen sich dadurch 2019 nicht von Neubau-Projekten abhalten, oder?

Mutze: Natürlich nicht. Aktuell bauen wir zum Beispiel auf der Striesener Straße 31 und 33 und sind dort kurz vor der Fertigstellung. Es entstehen sowohl Gewerbeeinheiten als auch 24 Wohnungen. In Summe investieren wir dort zehn Millionen Euro.

Wie hoch wird der Mietpreis sein?

Mutze: Wie gesagt, unsere Grenze liegt bei etwa zehn Euro pro Quadratmeter kalt, und das gilt auch dort.

Zehn Euro kalt sind nicht gerade preiswert, kann man bei der WGJ auch günstiger mieten?

Dittrich: Der Preis gilt für die Neubauten. Unsere Neuvertragsmiete im Altbestand liegt bei rund sieben Euro.

Wo bauen Sie 2019 noch neu?

Wir starten drei Neubauprojekte, bei denen insgesamt 52 neue Wohnungen bis 2022 entstehen. Auf der Hutten/Wormser Straße, Spitta/Ecke Wittenberger Straße und an der Fetscherstraße.

Gab es für die Bestandsmieter keine Mieterhöhungen?

Mutze: Doch, es gab vor Kurzem die erste seit zehn Jahren. Bei uns gilt das Solidarprinzip. Daher haben wir die Preise für diejenigen angehoben, die bisher unter 4,50 Euro gezahlt haben, jedoch auf maximal 4,80 Euro.

Die Vonovia gerät immer wieder durch extreme Mieterhöhungen nach Modernisierungen in den Fokus. Wie stark heben Sie die Mieten an, wenn Sie sanieren?

Dittrich: Durch das Genossenschaftsprinzip müssen wir nicht eins zu eins die Kosten umlegen. Wenn wir beispielsweise Aufzüge einbauen, wie auf der Blasewitzer Straße 36 bis 50, müssen wir auch die Mieten erhöhen. Aber im Schnitt nur um zwölf bis 45 Euro pro Monat.

Was tun Sie für langjährige Mieter?

Mutze: Neben dem Neubau ist uns der Bestand der Wohnungen genauso wichtig. 2019 investieren wir in Neubau und Bestand jeweils rund zehn Millionen Euro. Wir sanieren Treppenhäuser, Fassaden und Heizungen.

Wie sieht denn ihr „klassischer“ Mieter aus?

Mutze: Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder liegt bei 63 Jahren, das Alter unserer neuen Mitglieder bei 42 Jahren. Rund zehn Prozent der Neumitglieder sind ehemalige Vonovia-Mieter, aber mehr als die Hälfte kommen aus dem privaten Mietsegment. Viel Zulauf haben wir aus dem Umland von Senioren, die unsere barrierefreien Angebote mit guter Infrastruktur schätzen.