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Lange Straße braucht neue Brücke

Für eine Sanierung ist es zu spät, jetzt muss ein Neubau her. Doch woher nimmt die Stadt 2,8 Millionen Euro?

Von Robert Reuther

Der jahrelange Investitionsstau kommt die Stadt nun teuer zustehen. Weil mit der Sanierung der Eisenbahnbrücke auf der Langen Straße so lange gewartet wurde, ist der Zug dafür jetzt abgefahren. Ein Neubau muss her. Das teilte Bauamtsleiterin Ina Nicolai jetzt den Stadträten während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses mit. „Wir haben ein Wirtschaftlichkeitsgutachten in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob eine Sanierung oder ein Neubau günstiger ist. Es ist der Neubau“, so Ina Nicolai.

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Die Brücke Lange Straße würde nach den bisherigen Berechnungen etwas 2,8 Millionen kosten. Bisher war von einer Investition von etwa 800 000 Euro für das Bauwerk ausgegangen worden. „Der Neubau ist gemäß Wirtschaftlichkeitsbetrachtung auf lange Sicht dennoch günstiger als eine Reparatur. Das liegt daran, dass die Nutzungsdauer einer neuen Brücke mit etwa 80 Jahren angesetzt wird“, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. Bei Reparaturen dagegen wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit nach wenigen Jahren wieder was zu machen und dann in unregelmäßigen Abständen wieder und wieder.

Wie die Stadt einen Neubau finanzieren will, ist allerdings völlig offen. Um den aktuellen Haushalt halbwegs in den Griff zu bekommen, hat die Verwaltung auch bei den Investitions- und Instandhaltungsmaßnahmen gespart. „Inwiefern Fördermittel möglich wären, ist absolut offen, weil es eine Ortsstraße ist“, sagt auch Uwe Päsler.

Vorerst will die Stadt erst einmal Sofortsicherungsmaßnahmen einleiten. Ina Nicolai will dabei Abweiser in die Mitte der Fahrbahn und am Fußweg aufstellen lassen. Gleichzeitig wird die Fahrbahn verhängt. Die vor wenigen Monaten eingeführte Tempo-30-Zone wird Bestand haben. Außerdem lässt die Stadt die Tonnage der Brücke auf 16 Tonnen begrenzen. „Wir müssen außerdem Schutzmaßnahmen in Richtung der Bahngleise einrichten. An dem Bauwerk gibt es zahlreiche Abplatzungen, die nicht auf durchfahrende Züge fallen dürfen“, sagt Ina Nicolai. Auch das kostet die Stadt zusätzliches Geld.

Sie erklärt den Stadträten auch, dass der Neubau der Brücke immer teurer wird, je länger damit gewartet wird. Nicolai spricht dabei aus Erfahrung. Ganz neu ist das Problem mit der Brücke über die Lange Straße nämlich nicht. Bereits seit 2001 hat die Stadt die Sanierung auf dem Plan. In den vergangenen zwölf Jahren ist allerdings nichts passiert. Schon mehrmals war die Brücke nur mit erheblichen Einschränkungen befahrbar. Es galt Überholverbot und eine maximale Belastbarkeit von zehn Tonnen. Anfangs rechnete das Bauamt mit Sanierungskosten zwischen 325 000 und 350 000 Euro. Der Stadtrat konnte sich aber damals nicht auf eine Variante einigen, letztlich landeten die Pläne in der Schublade. Die Brücke geriet in Vergessenheit.

Erst Anfang des Jahres richtete sich die Aufmerksamkeit auf das 50 Jahre alte Bauwerk. Bei einer Bauwerksprüfung stellte die Stadt fest, dass die Brücke völlig marode ist. Erstes Problem sind die Brückenlager. Dort hat es eine chemische Reaktion mit Alkali-Kieselsäure gegeben, allgemein als Betonkrebs bekannt. Der frisst sich durch den Aufleger und gefährdet so auf Dauer die Standsicherheit der Brücke. Das zweite Problem sind die Seitenteile der Brücke, welche auch stark beschädigt sind. Das Bauwerk ist nach wie vor befahrbar, es droht kein Einsturz. Die Autofahrer und Fußgänger müssten sich vorerst keine Gedanken machen. „Wie lange die Brücke auch mit den jetzt eingerichteten Einschränkungen befahrbar ist, bleibt pure Spekulation und wäre nicht seriös“, sagt Uwe Päsler.