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Langer Atem am Hafen nötig

Besitzer Arne Myckert vermisst das Marina-Gefühl für die Investoren. Viele ungeklärte Fragen stehen dem im Weg.

Von Sebastian Beutler

Schritt für Schritt

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So schön der Görlitzer Hafen am Berzdorfer See liegt, Eigentümer Arne Myckert hat noch nicht die rechte Freude daran. Durchschnittlich 25 Boote lagen im vergangenen Jahr vor Anker, 30 waren es selbst an Spitzentagen kaum. Bei 300 Liegeplätzen eine schwache Auslastung. Der Kommwohnen-Chef soll Hafen und Halbinsel entwickeln. Zwar wird es mit dem Bischofswerdaer Frank Lissy in diesem Jahr einen Hafenbetreiber am See geben, auf dem viele Hoffnungen ruhen und der auch die bislang brachliegende Vermarktung des Hafens ankurbeln soll. Doch den großen Durchbruch erwartet Myckert dadurch noch nicht. Dafür sei die Zulassung von Motorbooten nötig, sagte er am Dienstagabend. Erst dann würden mehr Boote im Hafen liegen. „Ein Marina-Gefühl kommt nicht bei 20 oder 30 Booten wie im vergangenen Jahr auf“, sagt Myckert. Dieses Gefühl sei aber wichtig, um Investoren anzulocken. Myckert äußerte sich auch über die zeitlichen Perspektiven am See. Mit schnellen sichtbaren Fortschritten rechnet er trotz aller Bemühungen nicht.

Nur wenigen Bootsbesitzern musste der Hafen am Berzdorfer See im vergangenen Jahr aufgeschlossen werden. Foto: Pawel Sosnowski © Pawel Sosnowski/80studio.net

Hafen: Ein Hafengebäude sollin diesem Jahr errichtet werden

Im Moment sichtet Arne Myckert Angebote für den Bau eines Hafengebäudes. In diesem Jahr soll es errichtet werden und neben der Verwaltung des Seehafens auch Toiletten und Imbiss beherbergen.

Halbinsel: Vier-Sterne-Hotelswerden jetzt angestrebt

Plante Myckert Anfang 2012 noch auf der Halbinsel als Herzstück des Sees mit einem Campingplatz und kleinen Feriendorf, so gehen die aktuellen Planungen seit der Leitidee des Tourismus-Experten Johann-Friedrich Engels vom Bau mehrerer 3- bis 4-Sterne-Hotels mit mehr als 300 Betten auf der Halbinsel aus. Dafür aber sind Investoren nötig. Kommwohnen selbst wird nicht in Hotels am See investieren. Sollte kein Hotelinvestor gefunden werden, würde Kommwohnen doch ein Feriendorf auf die Halbinsel setzen.

Suche nach Hotelinvestoren: Erst in zwei oder drei Jahren sinnvoll

Arne Myckert warnt vor einer zu großen Erwartungshaltung. Ernsthaft auf die Suche nach Investoren könne man erst in zwei bis drei Jahren gehen. „Den sicherlich rar gesäten Investoren sollte man etwas präsentieren können“, sagt Myckert. Immerhin sei ein zweistelliger Millionenbetrag für solch eine Hotelanlage nötig. Das Risiko für diese Investoren ist aber so lange riesig, wie „kein etabliertes Tourismusangebot“ vorhanden sei. Das deckt sich auch mit der Einschätzung des Görlitzer Wirtschaftsförderers Thomas Klatte, der einen Münchner Messeauftritt im Herbst für den Berzdorfer See absagte. Klattes Sorge: interessierte Investoren könnten derzeit vom See enttäuscht werden.

Ausbau des Tourismusangebots: Hochwasserschutz hemmt

So schnell wird es aber mit dem Bau von Feriendörfern, Gaststätten oder Hotels am See nicht vorangehen. Realistischerweise ist mit Hotelbauten auf der Halbinsel nicht vor 2025 zu rechnen. Denn es gibt ungeklärte Probleme. Das größte ist derzeit die sogenannte HQ100-Linie. Sie markiert, bis wohin sich die Fluten der Neiße bei einem schweren Hochwasser ausdehnen werden, das nur alle 100 Jahre zu erwarten ist. Diese Linie liegt aber so hoch am Berzdorfer See, dass weder an der Blauen Lagune, noch auf der Halbinsel oder in Deutsch Ossig jemals gebaut werden dürfte. Und sie schließt auch Gebiete am See vom Bauen aus, die selbst bei dem schweren Hochwasser 2010 nicht überflutet wurden. Der Kreis soll nun zusammen mit der Landestalsperrenverwaltung und mit Dresden eine Lösung finden. Ohne sie kann nur die „Oase der Sinne“ des Görlitzer Arztes Henry Hedrich entstehen. Sie liegt außerhalb dieser Linie. Doch nicht nur der ungeklärte Hochwasserschutz hemmt. Selbst wenn er gelöst ist, könnte gar nicht gebaut werden. Lediglich Winfried Stöcker könnte morgen mit dem Golfplatz auf der Neuberzdorfer Höhe starten. Der nächste dürfte im Laufe des Jahres Hedrich mit der „Oase der Sinne“ sein. Aber er muss vermutlich lange allein am See durchhalten. Für alle anderen Vorhaben ruhen die Bebauungspläne oder sie sind noch gar nicht in Angriff genommen.

Naturschutz: Neue Auflagen entstehen durch den Stillstand

Wie komplex die Lage am See ist, verdeutlicht Myckert mit der Halbinsel. Die gewachsenen Bäume dort kann er nicht einfach fällen, sondern er muss einen Ausgleich schaffen. So sucht er nach Flächen, möglichst in der Nähe, um dort eines Tages neue Bäume für die weggesägten pflanzen zu können. Auf ein Wort

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