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Langer Atem für mehr Patriotismus nötig

Matthias Rößler (50) meldet sich zurück. Der Meißner CDU-Kreischef ist neuer Patriotismusbeauftragter. Die SZ sprach mit dem Ex-Minister.

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Gemeinsam mit Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl sprechen Sie am Freitagabend auf dem Meißner Burgberg über deutschen Patriotismus. Weshalb?

Weil es nötig ist. Das Thema ist wichtig für Sachsen und ganz Deutschland. Wir werden dazu auf dem Parteitag im Herbst einen Leitantrag formulieren. Wir versuchen auch, die Bundespartei dafür zu begeistern.

Das wird doch nicht schwer sein. Schließlich ist ja bald Bundestagswahlkampf.

Das Thema Patriotismus eignet sich nicht für einen Wahlkampf. Es ist eine generelle Frage, für die wir einen langen Atem benötigen

Ihren letzten großen Auftritt hatten Sie auf einer CDU-Veranstaltung im Februar, auf der Sie Ministerpräsident Georg Milbradt Versagen vorwarfen. Jetzt stehen Sie wieder auf einer Bühne mit ihm. Sind Sie denn rehabilitiert?

Die Idee für diese Veranstaltung hatte ich gemeinsam mit Helmut Kohl entwickelt. Das war so am Jahresanfang. Wir wollten eine Veranstaltung im über 1000-jährigen Meißen machen. Deutsche Geschichte und auch das Thema Patriotismus sind eine Herzensangelegenheit von mir. Ich freue mich, dass die Partei und Georg Milbradt erkannt haben, wie groß unsere Defizite auf diesem Gebiet sind.

Warum gibt es diese Defizite. Haben Sie etwas mit dem Dritten Reich zu tun?

Ja, sicher. Dabei hat Patriotismus doch sehr viel mit Freiheit und Demokratie zu tun. Der Begriff stammt ja aus der französischen Revolution. Er führte zum Aufstand Europas gegen das Fürstentum. Somit ist er heute Voraussetzung für ein geeintes Europa und steht überhaupt nicht im Widerspruch mit ihm. Europa bezieht seine Kraft aus selbstbewussten Nationen.

Besteht da nicht auch die Gefahr, dass Patriotismus umschlägt in Nationalismus?

Das ist ein Unterschied. Der Patriot ist stolz auf sein Vaterland, achtet aber auch die anderen Nationen. Nationalisten überhöhen das nationale Element, setzen andere Völker herab.

Sie fühlen sich offensichtlich wohl als Patriotismus-Beauftragter der CDU.

Ja, ich habe mich in die Arbeit richtig hineingekniet. Hier waren meine Kontakte aus der Hochschulzeit sehr nützlich. Mit Hilfe von neuesten historischen Forschungsergebnissen bekommt die Debatte eine solide wissenschaftliche Grundlage. Da muss ich auch keine Angst haben, dass Beifall aus der falschen Ecke kommt. Wir nähern uns dem Thema, das gern tabuisiert wurde, ganz sachlich. Gerade wir Ostdeutsche können doch stolz auf uns sein, wir sind Patrioten. Die einzig erfolgreiche Revolution in der deutschen Geschichte war die friedliche Revolution in der DDR von 1989/90. Das bringt uns in eine Reihe mit anderen Staaten Europas.

Sie sind nicht mehr Staatsminister. Was machen Sie beruflich?

Ich habe ein Mandat als Landtagsabgeordneter und habe viel in meinem Wahlkreis zu tun. Zudem bin ich Obmann der Enquetekommission Demographie des Landtages. Natürlich stehe ich auch noch dem Kreisverband Meißen vor. Da gibt es jetzt mit dem Wahlkampf viel zu tun.

Wer wird für unsere Region in den Bundestagswahlkampf der CDU ziehen?

Der Landkreis Meißen wird von zwei Bundestagswahlkreisen geteilt. Im Wahlkreis Dresden wird wohl Arnold Vaatz wieder kandidieren. Im gemeinsamen Kreis mit Mittweida erhält der Abgeordnete Peter Jahr Konkurrenz durch einen Gegenkandidaten.

Das Gespräch führte Ulf Mallek.

„Deutscher Patriotismus im vereinten Europa“, Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl spricht am 10. Juni, 18 Uhr in der Albrechtsburg. Die Eröffnungsworte spricht Ministerpräsident Georg Milbradt.