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Langes Warten auf Elefanten-Nachwuchs

Seit einem Jahr lebt der Elefantenbulle Tembo in Dresden und hatte schon etliche Schäferstündchen. Wie geht es nun weiter?

Von Henry Berndt
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Eingelebt hat sich der Elefantenbulle Tembo in Dresden inzwischen gut. Nur die Zuchterfolge lassen bislang auf sich warten.
Eingelebt hat sich der Elefantenbulle Tembo in Dresden inzwischen gut. Nur die Zuchterfolge lassen bislang auf sich warten. © Christian Juppe

Die letzten Monate waren nicht einfach. Den Sommer über bis Oktober war der Elefantenbulle Tembo in der Musth, einer Phase mit besonders hohem Testosteronschub. „Er war aggressiver und weniger interessiert an den Kühen“, sagt Wolfgang Ludwig, der Zoologische Leiter. Inzwischen hat sich Tembo wieder beruhigt und könnte sich womöglich auf das besinnen, wofür der 34-jährige Bulle vor genau einem Jahr nach Dresden gekommen ist: den ersehnten Elefanten-Nachwuchs zeugen.

Nach dem Umbau des Afrikahauses war erstmals wieder Platz für die – zumindest zeitweise – Unterbringung eines Elefantenbullen geschaffen worden. Am 13. November vergangenen Jahres traf dann Tembo aus dem Tierpark Berlin ein, in dem er seit 1987 gelebt hatte. Anfangs habe er Eingewöhnungsprobleme gehabt, sei zögerlich und unsicher gewesen. „Mit der Zeit gewann er aber immer mehr Vertrauen und Routine im neuen Trainingsablauf, sodass er sich nun souverän und entspannt zeigt“, sagt Ludwig. Heißt: Er geht freiwillig auf die Waage und beherrscht die wichtigsten Kommandos. Auch die drei Elefantenkühe Drumbo, Sawu und Mogli erregten recht schnell seine Aufmerksamkeit. Für alle drei war die Anwesenheit eines Bullen eine völlig neue Erfahrung. Ihre anfängliche Angst gegenüber dem Vier-Tonnen-Koloss sei aber rasch einem „respektvollen Umgang“ gewichen, heißt es.

Seitdem wird gespannt gewartet. Zwar habe Tembo alle drei Kühe während ihrer fruchtbaren Tage gedeckt. Etwa alle Vierteljahre kommen die Weibchen in ihren sogenannten „Östrus“. Die regelmäßigen Urinkontrollen hätten jedoch bislang keine Anzeichen einer Trächtigkeit ergeben. „Neue Ergebnisse stehen noch aus“, sagt Ludwig. „Wir sind weiterhin optimistisch.“

Jeden Tag bewegen sich die Elefanten derzeit mehrere Stunden lang zusammen auf der Außenanlage. Wird ein Weibchen fruchtbar, sorgen die Pfleger für ausreichend exklusive Zweisamkeit mit Tembo. Woran es bislang hapert, können die Zoologen nicht sagen und wollen auch nicht spekulieren. Wie bei anderen Tiergruppen auch, könne es unzählige Gründe dafür geben, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht funktioniert. An Tembos Potenz dürfte die Sache aber nicht scheitern. Immerhin hatte der Bulle in Berlin schon sieben Mal für Nachwuchs gesorgt. Bislang gibt es keinen Zeitplan, wie lange Tembo noch in Dresden bleiben soll oder darf. Ursprünglich war von zwei bis drei Jahren die Rede gewesen.

Stellt sich noch die Frage, ob überhaupt noch jeder im Zoo eine mögliche Elefantenzucht anstrebt. Schließlich zeigt das Beispiel Leipzig, was dabei alles schiefgehen kann. Erst vor wenigen Wochen musste in Leipzig der acht Monate alte Bên Lòng eingeschläfert werden. Seine Mutter Hoa hatte ihn seit seiner Geburt abgewiesen.

Auch dazu bezieht Wolfgang Ludwig klar Stellung. Ihm sei niemand bekannt, der nicht voll und ganz hinter der geplanten Zucht stehe, die mit mehreren Tierärzten und den Verantwortlichen für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Afrikanische Elefanten in Wuppertal abgestimmt sei. „Uns ist bewusst, dass das Risiko bei unseren nicht mehr ganz jungen Elefanten etwas höher ist“, sagt er, aber bei so einer Frage müsse man konsequent sein. „Entweder man steht voll dahinter, oder man lässt es.“

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