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Lasche Duelle statt fliegender Fäuste

Nach eineinhalb Jahren Abstinenz erlebten 3 500 Zuschauer am Wochenende wieder eine Profiboxnacht in der Riesaer Erdgasarena. Doch die Meinungen über das Boxspektakel gehen weit aus einander.

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Von Kathrin Schade

„Das waren doch keine attraktiven Hauptkämpfe, wie von Sauerland versprochen,“ wettert Siegmar Beier aus Torgau. „Ich wollte Fäuste fliegen sehen und keine Tänzeleien. Auf einem Plakat draußen habe ich gelesen, dass Danceshow erst nächstes Wochenende ist“, witzelt der Boxfan, als er Dampf über die laschen Duelle abgelassen hatte. Eigentlich sei er mit einem Fanclub nach Riesa gekommen, um hauptsächlich den Halb-Mittelgewichtler Mirko Penz zu unterstützen. Doch der gebürtige Torgauer hatte keine Chance gegen Alexander Sipos vom Sauerlandstall.Auch die Abraham-Brüder aus Köln sorgten jeweils in der zweiten Runde für K.o.’s. Zuschauerin Marianne Seiler aus Riesa versteht die Welt nicht mehr: „Die Leute schimpfen, wenn im Ring nichts abgeht. Aber die beiden K.o.’s gingen dem Publikum dann doch zu schnell.“ Ihr habe jedenfalls der „Schotte“ gefallen – nicht nur wegen seines Röckchens. „Wir wollen schließlich auch ein bisschen Show sehen. Und die hat Marcel Zeller geboten“, so die 44-jährige Hausfrau. Wahrlich, der Karlsruher machte mit seinen Kaspereien im vierten Kampf des Abends die Zuschauer wieder munter und ließ sich feiern. „Auch mir hat der lustige Athlet im Schottenrock am besten gefallen“, sagte Uta Engelhardt aus Lichtensee. „Obwohl: Timo Hoffmann und Oktay Urkal waren auch nicht übel.“ Und sie gesteht: „Na ja, ich bin kein Boxexperte.“ Aber der Abend sei eine willkommene Abwechslung gewesen. Live dabei zu sein, sei eben anders, als das Spektakel im Fernsehen mitzuerleben. Ehemann Steffen hatte gleich noch einen Vorschlag für die Organisatoren parat: „Man könnte ruhig im Pausenprogramm mal gute einheimische Boxer vorstellen.“Erneut bewiesen sich die Riesaer Zuschauer als fachkundig. Sie honorierten die Treffer und sehenswerte Aktionen aller Boxer mit Beifall. Aber missbilligten mit Pfiffen unfaire Attacken und vor allem so manches Ringrichter-Urteil. Die Monteure Jan Elze aus Dänemark, Marcel Rettke aus Straußberg und Markus Hoffmann aus Gusenburg sind sich beispielsweise einig: „Das May-Urteil war gemauschelt. Das Unentschieden der Ringrichter ist nicht nachvollziehbar.“ Dass die Deutsche Eiche Timo Hoffmann zwölf Runden durchhalten musste, damit hatte das Schwergewicht selbst nicht gerechnet. Seinen Sieg nach Punkten hatte ihm Zuri Lawrence aus den USA nicht leicht gemacht. Doch Timo Hoffmann selbst ist mit seinem Comeback zufrieden. „Wenn ich solche Zwischenrufe höre wie putz’ ihn endlich weg, könnte ich wütend werden. Schließlich versucht das jeder Boxer.“Matchmaker Hagen Doering und Winfried Sauerland zeigten sich zufrieden mit den Leistungen. Klar, gingen ihre Boxer aus der blauen Ecke allesamt als Sieger nach Hause. Schade nur, dass der letzte Kampf von Vitali Tsypko gegen Francisco Antonio Mora ins Hintertreffen geraten war. Zählten doch diese zehn Runden mit zu den besten des Abends. Aber das Duell musste auf Grund der Live-Übertragung nach hinten verschoben werden. Offensichtlich hatte das Sauerland-Team mit einem K.o.-Festival gerechnet. Doch die starken Gegner brachten den Zeitplan durcheinander.