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Laster nerven Ludwigsdorfer

Die Lkw machen die Straße kaputt, die dann die Anwohner bezahlen sollen. Jetzt gründen sie eine Bürgerinitiative.

Von Jenny Thümmler

Manchmal fühlen sich die Ludwigsdorfer in ihrem beschaulichen Ort gar nicht beschaulich. Dutzende Lastwagen donnern täglich durchs Dorf. Lkws kommen aus dem Kieswerk. Ein Tankzug entsorgt die Deponiewässer. Dazu der Lieferverkehr. Das nervt viele Anwohner der Rothenburger Landstraße, wie Conrad Jakob. „Wir kämpfen seit Jahren darum, den Schwerlastverkehr durch Ludwigsdorf zu verbieten. Dafür ist doch die S127 gebaut worden.“ Auf Teilstücken am Kindergarten und nahe der Autobahnbrücke sind für Laster 30 Stundenkilometer vorgeschrieben. Aber kaum jemand hält sich daran, sagt Conrad Jakob. Er spricht von 60, gar 70 km/h. „Und wenn das Ordnungsamt mal Geschwindigkeitskontrollen macht, dann wird das Messgerät auf 50 km/h eingestellt. Und die Pkws werden angehalten.“ Auch Ortschaftsrat Thomas Teichert hatte dieses Problem Anfang Mai im Rat angesprochen und darum gebeten, zu Zeiten zu messen, wenn auch viele Lkws unterwegs sind – nicht Sonnabendvormittag, wie er es beobachtet hatte. Als Mitinhaber einer Elektrofirma in Ober-Neundorf ist er jeden Tag oft auf den Dorfstraßen unterwegs.

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Laut Stadtverwaltung finden regelmäßig Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei statt. „Dabei wird selbstverständlich auch die Einhaltung der für Lkws abweichenden Höchstgeschwindigkeit kontrolliert“, teilt Sprecherin Sylvia Otto mit. Dazu werde das Messgerät bei Annähern eines Lkws manuell auf die neue Höchstgeschwindigkeit eingestellt. Technisch sei es jedoch schwierig, diese Fälle herauszufiltern, so dass keine Aussage über die Zahl der zu schnellen Lkws getroffen werden könne. Jüngst waren von 658 generell gemessenen Fahrzeugen 70 zu schnell, heißt es weiter. Damit läuft es auf der Rothenburger Landstraße vergleichsweise gesittet: Bei einer Messung auf der Neißetalstraße, wo 30 Stundenkilometer erlaubt sind, war von 355 gemessenen Autofahrern fast jeder Dritte zu schnell.

Große Sorgen machen sich die Anwohner aber auch über die zunehmenden Schäden der Rothenburger Landstraße. Sie haben Angst, sich eines Tages mit hohen Summen am Ausbau der Straße beteiligen zu müssen. Um als Gemeinschaft auftreten zu können, ist in Ludwigsdorf gerade eine Bürgerinitiative in Gründung. Sie soll die „Bürgerinteressen im Zusammenhang mit Fragen der Dorfentwicklung für Ludwigsdorf/Ober-Neundorf“ wahren, heißt es im Entwurf der Satzung. Die Gründungsversammlung ist für August vorgesehen. Dann soll auch der Eintrag ins Vereinsregister erfolgen. Erstes konkretes Ziel ist es, beim Ausbau der Rothenburger Landstraße Details – ob zum Beispiel Parkbuchten, Radweg, Bürgersteige gebaut werden sollen – mit den zuständigen Verwaltungen zu klären und Bürgerinteressen notfalls gerichtlich durchzusetzen.

Initiator des Ganzen ist Ortsvorsteher Wolf Dieter Friesecke, durch dessen fünfjährige Amtszeit sich die Landstraße wie ein roter Faden zieht. „Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren sehr um die stadtnahen Straßen gekümmert, so dass in den Dörfern der Eindruck entsteht, die Verwaltung kümmere sich nicht um sie.“ Seit der Eingemeindung habe es nur minimale Ausbesserungsarbeiten am Straßenbelag gegeben. Für ihn ist es ein Erfolg, dass mittlerweile ein Gutachten vorliegt, laut dem nur ein grundhafter Ausbau die Landstraße retten kann. Die geplante Bürgerinitiative richtet sich nicht gegen die Stadtverwaltung, sondern soll die Ergebnisse der erwarteten Bürgereinwendungen gegen den Bau bündeln. Sollten sogar Gerichtsurteile fallen, wären sie für alle Anwohner verbindlich. Auch die Befreiung der Bürger von Beiträgen laut Straßenausbaubeitragssatzung soll angesprochen werden. „Wir sind der Auffassung, dass die Straße überwiegend dem überörtlichen Verkehr dient, in hohem Maße Schwerlastverkehr bewältigen muss und dadurch einem überstarken Verschleiß ausgesetzt ist“, heißt es in der Einladung in die Bürgerinitiative.

Aber bevor die Bagger kommen, muss der Straßenbau erst mal in den Haushalt der Stadt eingetragen werden. Gegenwärtig arbeitet das Amt für Stadtentwicklung an einer Studie für die Straße. Darin soll unter anderem stehen, wie später Rad- und Fußwege verlaufen, wo Bushaltestellen sind, wie die Straßenränder gestaltet werden und wie breit die Straße wird. Nach der Sommerpause sollen die bisherigen Ergebnisse im Ortschaftsrat vorgestellt werden. Im letzten Quartal dieses Jahres ist die Studie dann planmäßig fertig.