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Laub adé

Im Humuswerk werden Tonnen von bunten Blättern entsorgt. Manche Gärtner müssen dafür in langer Schlange warten.

Von Andrea Schawe

Es riecht nach Erde und Wald, gleichzeitig irgendwie feucht und verbrannt. Jens Eybing steht zwischen riesigen Bergen grüner Zweige, Gras, Laub und dem, was daraus in drei bis sieben Monaten wird – Humus. Die Berge rauchen wie kleine Vulkane. „Im Inneren können Temperaturen um die 80 Grad herrschen“, sagt der Betriebsleiter des Weißeritz-Humuswerks im Freitaler Saugrund. Das gehört zum langen Prozess des Verrottens dazu.

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Auf dem Gelände an der Schachtstraße herrscht momentan Hochbetrieb. Viele Garten- und Hausbesitzer wollen ihre grünen Abfälle loswerden. Schließlich muss das Laub ja weg. Das Humuswerk ist die einzige Annahmestelle vom Zweckverband für Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) für Grünschnitt im Landkreis. „Hier landet alles, von Meißen bis Altenberg“, sagt Eybing. Die Autos stehen manchmal in einer langen Schlange bis runter zum Autohaus Pötzsch an der Schachtstraße, im Kofferraum Müllsäcke mit Laub, viele Fahrzeuge mit Anhänger. Das bedeutet lange Wartezeiten. Denn kleine Anlieferungen werden schon am Eingangsbereich zur Deponie im Saugrund entgegengenommen, nur die gewerblichen kommen weiter oben auf den Havarieplatz. Drei Euro kostet die Entsorgung von bis zu einem Kubikmeter Grünschnitt. Darüber sind 20 Euro pro Tonne fällig. 6 000 Tonnen werden pro Jahr angeliefert und verarbeitet.

Auf dem Gelände fährt ein Radlader im Minutentakt zum Schredder. Zweige, Gartenabfälle, Gras und Laub werden mit Bioabfällen gemischt und kleingehäckselt. „Der Abfall aus der Biotonne macht den Kompost hochwertiger“, erklärt Eybing. Allerdings auch den Herstellungsprozess komplizierter: Mit einem Magneten werden Eisenteile aus dem Müll gefischt, zwei Mitarbeiter sortieren Plastik, Batterien und Glas aus. Denn der Kompost wird sechsmal im Jahr überprüft. Zehn Prozent der etwa 5 500 Tonnen Biomüll im Jahr sind Störstoffe, wie Eybing sie nennt. „Die Leute schmeißen fast alles in die Biotonne“, sagt er. Nur die aus dem Kreis Meißen seien sauberer.

Das Gemisch kommt dann in sogenannte Rottboxen. In den zwölf Meter langen Kammern wird Luft durch kleine Löcher im Boden zugeführt und oben wieder abgesaugt. „Das setzt die Verrottung in Gang, Wärme wird freigesetzt“, erklärt Jens Eybing. Aus den Kammern raucht es förmlich. Sieben bis zehn Tage dauert die Intensivrottung. Dann wird der Kompost auf riesigen Bergen im Hof des Humuswerkes gelagert. „Die werden alle zehn Tage umgesetzt“, sagt der Betriebsleiter. So kommt überall Luft ran.

Etwa drei bis sieben Monate dauert es, bis daraus wertvoller Humus geworden ist. Dieser ist bei Gärtnern, im Landschafts- und Gartenbau und zur Rekultivierung von Flächen gefragt. Hauptabnehmer sind allerdings die Landwirte. Sie bestellen mit frischem Kompost die Äcker. „Der wird schon nach sechs Wochen gesiebt“, sagt Eybing.

Nicht nur Privatleute, auch die Stadtreinigungen und andere Wertstoffhöfe bringen eingesammeltes Laub in den Saugrund. Acht Firmen sind in Freital ab Mitte Oktober damit beschäftigt, Parks, Spielplätze und Straßen zu säubern. Sie sind mit Kehrmaschinen, Laubblasgeräten und Rechen unterwegs. „Bis Ende November dauern die Arbeiten“, sagt Stadtsprecherin Inge Nestler. Pro Jahr kostet die Beseitigung die Stadt etwa 15 000 Euro.