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Gartenstadt soll zum Diamanten werden

Ideen für die Realisierung dieses Vorhabens haben jetzt angehende Stadt- und Raumplanerinnen vorgelegt.

Die acht Stadt- und Raumplanungsstudentinnen aus Kaiserslautern haben neben Konzept und Präsentation auch ein Modell der Gartenstadt angefertigt.
Die acht Stadt- und Raumplanungsstudentinnen aus Kaiserslautern haben neben Konzept und Präsentation auch ein Modell der Gartenstadt angefertigt. © Foto: Mirko Kolodziej

Laubusch. Es war der Kohlenstoff, genauer gesagt die industrielle Verwertung der Braunkohle durch die Ilse Bergbau AG, die vor einem Jahrhundert am Rande des damaligen Laubusch zur Errichtung der Werkssiedlung Kolonie oder Gartenstadt Erika führte. Kohlenstoff soll nun auch zumindest der Leitgedanke der Revitalisierung nach der Deindustriealisierung sein.

„Von der Kohle zum Diamanten“ nennen acht Stadt- und Raumplanungs-Studentinnen der Technischen Universität Kaiserslautern ihren konzeptionellen Entwurf zur Attraktivierung der Siedlung. Zwölf Wochen lang haben sich die jungen Frauen auf Einladung der Stadt Lauta sowie ihres Projektbüros „Lausitzer Gartenstadt 2030“ mit der Kolonie befasst, sie analysiert und Ideen entwickelt. Ihr Professor Dr. Holger Schmidt nennt das, was vorhanden ist „ein Potenzial, mit dem man arbeiten kann“.

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Am Mittwoch stellten die angehenden Planerinnen ihre Gedanken öffentlich vor. Rund 40 Interessenten waren dazu am späten Nachmittag in den Saal des Kulturhauses gekommen, darunter Lautas Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos). „Die Studentinnen haben eine sehr gute, tiefgründige Arbeit gemacht“, schätzt der Rathaus-Chef ein. Und er sagt: Ein Wolkenkuckucksheim sei die Vorschlagsliste nicht.

Darauf stehen Erneuerung und Umbau vorhandener Wohngebäude ebenso wie mögliche Neubauten. Hinzu kommen Überlegungen zur sogenannten Wohnumfeldgestaltung sowie zu Kultur und Freizeitangeboten. Bezüglich der Bestandssanierungen wird von Zuschnittsänderungen für heutige Wohnformen ausgegangen. Konkret ins Auge gefasst sind junge Familien, Senioren sowie angesichts des nahen Geierswalder Sees auch Feriengäste. Gedacht ist zudem an ein sogenanntes Probewohnen für Leute, die testen möchten, ob die Kolonie etwas für sie sein könnte. Einen ganz besonderen Vorschlag gibt es für das Haus Hauptstraße 8, das erste, das 1917 fertig war. Die Studentinnen regen an, es möglichst originalgetreu herzurichten und nach der Rekonstruktion eine Ausstellung sowie Ferienwohnungen unterzubringen.

Ein kleiner Teich für den Anger

Um zusätzliche Interessenten anzulocken, sollen dem Konzept zufolge den vorhandenen Mehrfamilienhäusern auch Reihen- oder Einfamilienhäuser zugesellt werden, und zwar auf Flächen, auf denen es in den letzten Jahren Abrisse gegeben hat. Hier wäre eine konkrete Aufgabe für die Stadt Lauta, Baurecht herzustellen. Städtebau-Professor Holger Schmidt unterstützt die Doppelstrategie von Sanierung und Neubau ausdrücklich. „Man darf nicht nur das eine oder das andere machen. Es muss beides sein“, sagt er.

Andere Anregungen befassen sich mit Mitteln, das Lebensgefühl zu verbessern. Das beginnt beim Aussäen von Blumen auf den Rasenstreifen entlang der Straßen, geht über eine nächtliche Ausleuchtung des Kolonie-Kerns rund um Kirche, Schule, Kulturhaus sowie früheres Kaufhaus und endet noch lange nicht beim Anlegen eines aus Regenwasser gespeisten Teiches mit Seerosen und Fischen auf dem Anger. Für das Kulturhaus ist sogar ein möglicher Raumbelegungsplan entstanden. Schön fände die achtköpfige Erika-Denkfabrik auch einen neuen Verein. „Wir für uns – Erika hilft“ haben sie ihn getauft. Das Ansinnen ist, Hilfesuchende und Hilfebietende zu koordinieren „beispielsweise in den Bereichen Gartenarbeit, Kinderbetreuung, Erkaufserledigungen und Mitfahrbörse“.

„Die Arbeit hilft uns, namentlich der Stadt Lauta, zu verstehen, welches die nächsten Schritte sein sollten, um eine Wiederbelebung zu erreichen“, sagt Gartenstadt-2030-Projektleiter Mathias Priebe. Bürgermeister Frank Lehmann hat den Eindruck, dass die Präsentation und die anschließende „Denkwerkstatt“ am Mittwoch Gefallen gefunden haben: „Ich hatte schon den Eindruck, dass das positiv aufgenommen worden ist.“ Es gebe jetzt auch Gespräche mit der TU Kaiserslautern dazu, das Bachelor-Projekt nicht einfach nur bei der Stadt abzuliefern, sondern dazu im Kontakt zu bleiben und gemeinsam weiter daran zu arbeiten. Immerhin ist „Gartenstadt 2030“ ein Modellvorhaben auf Basis des vom Land Sachsen ausgelobten Wettbewerbs „Ideen für den ländlichen Raum“.

454 Menschen leben aktuell in der Laubuscher Kolonie. Noch vor zwanzig Jahren waren es fast doppelt so viele. Mathias Pribe möchte gern, dass „die Umzugswagen wieder in die andere Richtung rollen“. Womöglich zieht ja schon die Eröffnung der Grundschule am Markt Neu-Einwohner an. Priebe erinnert auch daran, dass Dresden inzwischen „ausreichend überfüllt und teuer“ sei. Und die Studentinnen können sich vorstellen, dass Rückkehrer Interesse haben. Und die eine oder andere von ihnen könnte sich ein Leben in Laubusch auch vorstellen – wenn‘s denn mit Arbeit klappt.

Die Laubuscher Kolonie entstand als Werkssiedlung nach Plänen des Architekten Ewald Kleffel.
Die Laubuscher Kolonie entstand als Werkssiedlung nach Plänen des Architekten Ewald Kleffel. © Foto: Mirko Kolodziej
Gedacht war sie damals für Mitarbeiter der Ilse Bergbau AG in der benachbarten Grube Erika.
Gedacht war sie damals für Mitarbeiter der Ilse Bergbau AG in der benachbarten Grube Erika. © Foto: Mirko Kolodziej
Die derzeit im Umbau befindliche Schule galt bei Fertigstellung 1923 als „schönster Schulbau Schlesiens“.
Die derzeit im Umbau befindliche Schule galt bei Fertigstellung 1923 als „schönster Schulbau Schlesiens“. © Foto: Mirko Kolodziej

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