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Lauern statt löschen

Bei den Feuerwehren des Landkreises herrscht hohe Alarmbereitschaft. Doch bei der anhaltenden Hitze und Trockenheit erst recht.Allerdings blieb unsere Region glücklicherweise bisher von großen Bränden verschont. Darüber wundern sich selbst viele Feuerwehrmänner.

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Von Kathrin Schade

Klar, dass die Floriansjünger derzeit lieber den Durst löschen statt lodernde Flammen. In ihrer Freizeit lieber im kühlen Nass planschen statt damit Unheil verhindern zu müssen.

Frauenhain

„Es ist schon erstaunlich, dass wir trotz der Hitze verschont bleiben“, zeigt sich Danilo Kockisch verwundert. Der Frauenhainer Feuerwehrchef betont jedoch gleich, dass seine Mannschaft natürlich froh darüber sei und dass es so ruhig bleiben möge. Schließlich sei ja auch Urlaubszeit. Seit den sechs Einsätzen im Juni bei Wald-, Bahndamm- und Ödlandbränden liege man in der Röderaue auf Lauerstellung. „Während wir vor einem Jahr Sandsäcke gefüllt haben, sorgen wir heute dafür, dass auf allen drei Löschfahrzeugen immer eine Kiste Wasser für die Männer bereit steht“, so Kockisch. „Hoffentlich ist es nicht die Ruhe vor dem Sturm!“

Lampertswalde

Jürgen Schröter, Chef der Lampertswalder Feuerwehr, mutmaßt: „Offensichtlich gehen die Leute bei diesen schon lang anhaltenden tropischen Temperaturen nicht so fahrlässig mit den zündenden Ursachen wie Kippen wegwerfen oder Parken in und an Wäldern um.“ Das sei sehr lobenswert. „Andere Jahre mussten wir sehr oft gerade in der Erntezeit zum Löschen ausrücken, da genügte ein Funke“, blickt der 55-Jährige zurück. Heute herrsche dagegen glücklicherweise gespenstische Ruhe, „von dem kleinen Waldbrand am 5. August in der Weißiger Region mal abgesehen.“

Riesa

„Trotz angenehmer Ruhe sind die Feuerwehrleute natürlich wachsam und stets einsatzbereit“, betont Reinhard Kunkel, Leiter der Riesaer Feuerwehren. Auch in der Großen Kreisstadt gibt es auf Grund der großen Hitze und Trockenheit keine außergewöhnlichen Einsätze. Dennoch rücken die Riesaer täglich zwei- bis dreimal aus. Seltener zu Bränden, sondern eher zu Hilfe- und Dienstleistungen.

Großenhain

„Es ist ja nicht so, dass gar nichts passiert“, sagt Dirk Zenker von der Großenhainer Freiwilligen Feuerwehr. Gerade gestern sei wieder einmal ein kleiner Brand in Schönfeld gelöscht worden. „Doch das war Minutensache“, so der Floriansjünger. Die über 40 Aktiven seiner Wehr seien jedenfalls froh darüber, dass sie bei diesen Temperaturen nicht in voller Montur gegen riesige Flammen kämpfen müssen.

Gröditz

Auch Bernd Johne ist über das Ausbleiben des Sirenengeheuls erstaunt und gleichzeitig erleichtert. Der Gröditzer Feuerwehrchef gesteht: „Bei diesem Wetter haben wir mit mehr Einsätzen gerechnet.“ Der Wohnungsbrand vor 14 Tag im Musikerviertel sei der letzte größere „Hilferuf“ gewesen. „Wenn ich die Zeiten mit damals vergleiche, als die russischen Freunde noch in den Nieskaer Wäldern stationiert waren und wir fast täglich ausrücken mussten, dagegen sind die heutigen Sachen Peanuts.“

Zeithain

„Ein großes Plus ist, dass die Felder abgeerntet sind und die Leute offenbar die Waldbrandstufen beachten“, schätzt Ralf-Dieter Engel, Pressesprecher des Feuerwehrkreisverbandes, ein. Doch laut Statistik seien noch immer die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe oder leere Glasflasche die Hauptauslöser auf Feldern und in Wäldern. Engel bestätigt die Aussagen seiner Kollegen in den freiwilligen Feuerwehren: „Gott sei Dank, alles im grünen Bereich.“

Kreinitz

Über die wohltuende Ruhe wagt bei der Kreinitzer Ortsfeuerwehr keiner zu sprechen. „Wir wollen das Unheil nicht heraufbeschwören“, sagt Jürgen Gerstmann mit einem Augenzwinkern. Nur zu gut erinnere er sich noch an das Jahr 1988. Allein 49 Waldbrände standen in der Sommerzeit zu Buche. „Weder unsere Feuerwehrmänner noch die Fahrzeuge kamen damals zur Ruhe. Auftanken, frisch machen, und schon ging es wieder zum Einsatz“, erzählt der Wehrleiter. Aber ganz so einsatzlos verlaufe der Sommer hier doch nicht. Erst am Sonnabend hatten Jugendliche am Jacobsthaler Lauseberg mit ihrem Lagerfeuer für eine unruhige Nacht gesorgt. „Nicht zu vergessen die sechs Waldbrände hintereinander im Juni“, so Gerstmann. Die Polizei vermutet Brandstiftung und ermittelt. Seitdem sei auch wieder Ruhe eingekehrt.

Basslitz

Am 4. Juni waren die Männer der Baßlitzer Ortsfeuerwehr das letzte Mal zum Löschen im Einsatz. „Nur eine kleine Sache am Bahndamm“, sagt Gerd Kokisch. Vor der Wende sei man mindestens zweimal die Woche draußen gewesen. Da habe die Bahnstrecke Berlin-Dresden den Feuerwehrleuten viel zu schaffen gemacht, berichtet Kokisch. „Die Kohlezüge aus der Lausitz hatten immer Fracht verloren, die sich bei solch einer Hitze dann schnell entzündete.“ Heute seien die Gleise besser gereinigt, die Bahndämme gepflegter und damit die Brandgefahr geringer. Auch er und seine Mannschaft sind froh über den ruhigen Verlauf der Sommerzeit. Gerd Kokisch, seit 1970 Feuerwehrmann: „Diese Seltenheit nutzen wir, um uns auf den Kreisfeuerwehrtag im September vorzubereiten, um für die Kreismeisterschaften zu trainieren. Schließlich wollen wir den Titel verteidigen.“