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Laute Züge im Drei-Minuten-Takt

Eine Bürgerinitiative sucht Verbündete im Kampf gegen den Bahnlärm. Doch die sind nicht einfach zu finden.

Von Heike Wendt und Ines Mallek-Klein

Die Bahn ist laut. Unbestritten. Und in den nächsten zehn Jahren könnte sich die Zugfolge im Elbtal verdoppeln, sagen Verkehrsexperten voraus. Weitere Lärmschutzmaßnahmen jedoch sind aus Sicht der Deutschen Bahn nicht geplant. Grund genug für Bürger, zu handeln.

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In den Eisenbahnwelten im Kurort Rathen trafen sich am Mittwochabend Interessierte zum Thema Bahnlärm. 34 Bürger waren dem Aufruf der Coswiger Bürgerinitiative Bahnemission Elbtal gefolgt. „Das sind noch viel zu wenig“, findet Rathens Bürgermeister Thomas Richter (parteilos), der als einziger Bürgermeister gekommen war. Als erste Gemeinde hatte Rathen im März beschlossen, Mitglied der Bürgerinitiative zu werden. Inzwischen folgte Bad Schandau. Stadt Wehlen und Königstein haben sich zumindest schon dem Thema gewidmet.

Königsteins Bürgermeister Frieder Haase plädiert für die Gründung einer eigenen Initiative „Oberes Elbtal“. Die Probleme hier seien andere als in Coswig, sagte er zu Wochenbeginn während der Sitzung des Stadtrates. Die Deutsche Bahn will auf der Trasse zwischen Heidenau, Pirna und der deutsch-tschechischen Grenze bis 2020 rund einhundert Millionen Euro verbauen. Lärmschutz ist dabei nicht vorgesehen.

Schon jetzt gebe es beim Bundesverkehrsministerium eine Studie, die belegt, dass zwischen 17 und 18 Uhr alle sechs Minuten ein Zug rollt, sagt Bürgermeister Frieder Haase. Beim jüngsten Bahngipfel im Pirnaer Landratsamt war gar von einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens in den nächsten Jahren die Rede. „Dann rollen die Züge im Drei-Minuten-Takt, das vertreibt die Touristen und auch die letzten Einwohner“, sagt der Königsteiner Stadtrat Ivo Teichmann. Er hofft, dass die Bevölkerung aktiv wird, und erinnert an die Proteste gegen die Tiefflieger über der Sächsischen Schweiz. „Es hat gedauert, aber der Protest zeigt Erfolge“, sagt Teichmann. Die Militärjets seien jetzt deutlich seltener in der Region unterwegs. Königsteins Bürgermeister Frieder Haase sieht den Bund als Bahneigentümer in der Pflicht. Für Berlin gilt die Strecke durch das Elbtal aber längst als lärmsaniert. Dort hofft man auf Flüsterbremsen und darauf, dass die osteuropäischen Bahngesellschaften ihre Wagenflotten erneuern.

Die Coswiger Bürgerinitiative „Bahnemission Elbtal“ hatte sich 2011 gegründet. Dortige Anwohner kämpfen seit Jahren mit den gleichen Problemen wie die im Elbsandsteingebirge. Sie sehen sich nicht als Gegner der Bahn, sondern wollen gemeinsam mit den Bürgern, der Bahn und der Politik etwas gegen den wachsenden Bahnlärm bewegen. Mit der Ausweitung der Initiative soll für mehr Aufmerksamkeit für das Thema Bahnlärm bei der „großen“ Politik gesorgt werden. Ziel sei es, im oberen Elbtal eine eigenständige Gruppe zu gründen, erklärte ein Vertreter der Initiative. Zwar ist das Thema Bahnlärm beiden gemeinsam. Die Probleme können jedoch nur von Betroffenen vor Ort möglichst genau angesprochen werden.

In der Gesprächsrunde am Mittwoch, bei der über zwei Stunden hitzig diskutiert wurde, war eins klargeworden: Allein von den Bürgermeistern und Kommunen kann die Aktivität nicht ausgehen. „Entscheidend sind die Betroffenen, die sich einbringen müssen“, findet Thomas Richter. Wenn jetzt nichts losgehe, falle das dem Elbtal später auf die Füße. In der Runde wurde nach Bürgern gesucht, die sich in der Lärmschutzdebatte den Hut aufsetzen wollen. Auf Anhieb konnte keiner gefunden werden. „Ich werde mich mit den Bürgermeistern aus dem Elbtal noch einmal zusammensetzen“, kündigt Thomas Richter an. Gemeinsam mit ihnen will er beraten, welche Bürger konkret angesprochen werden könnten. Von diesem direkten Weg verspricht er sich größeren Erfolg.