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Lautes und Leises von der grünen Insel

Diana Hebold und Ted O’Reilly haben sich irischer Musik verschrieben. Das Duo lebt und probt in Freital.

Von Dorit Oehme

Das rosa Gartentor soll ihres sein. „Ah, farbenfroh wie in Irland?!“, habe ich am Telefon gescherzt. „Nein, das war schon so gestrichen, als wir hier eingezogen sind“, hat Diana Hebold erklärt. Jetzt öffnet sie es. In der Wohnküche drückt mir kurz darauf ihr Mann Ted O’Reilly, gebürtiger Dubliner, die Hand. Er ist gerade dabei, Deutsch zu lernen. Also unterhalten wir uns gemischt. Diana Hebold ist studierte Dolmetscherin, übersetzt die Feinheiten.

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Ihr Töchterchen schaut mit großen Augen zu. Papa Ted trommelt auf den Rand der Babywippe. Er hat sich das Musizieren auf Banjo und Bouzuki, eine Art Laute, selbst beigebracht. Die Kleine wird mit Rhythmen und Melodien groß. Ein Hobby, eine Liebe verbindet ihre Eltern. Anfang des Jahres haben sie sich als „Duo Diana und Ted“ selbstständig gemacht. „Aus viel Spaß wurde Ernst“, sagt er. Deftige irische Folkmusik wie in den Pubs auf der grünen Insel, aber auch Balladen, Countryklänge und zarte, rein instrumentale Slow Airs zelebrieren Diana und Ted, die Ballad Fiddlers. Bei den Freitaler Kultur(all)tagen im Juni treten sie auf – wie alle Akteure ohne Gage. „Ich bin tödlich gespannt, wie sie sein werden“, sagt Ted wortwörtlich auf Englisch. Das heißt in etwa „riesig gespannt“, verrät seine Frau. „Brühwarm“ hat sie ihm im vorigen Sommer schon von der Premiere des einwöchigen Kulturfestes erzählt, als er noch in Irland war. Mit ihrer Fiedel wirkte sie mit. Auf lebhafte und leise Art.

Kontakte zu anderen Mitwirkenden ergaben sich gleich beim ersten Vorbereitungstreffen. „Dort habe ich den Geiger Uwe Hillig von der Emmausband kennengelernt. Über ihn spielte ich dann in Joe’s Pub im Hof von Jörg Heinemann in Potschappel mit“, erzählt die 37-Jährige. Als für die Vernissage der Volkshochschul-Aquarellmaler die musikalische Umrahmung fehlte, traf die in Freital aufgewachsene Diana Hebold auf Gert Hilker und Änni Polster. Alle drei hatten sich fast gleichzeitig gemeldet. Obwohl sie Unterschiedliches zu bieten hatten, rauften sie sich für ein geschlossenes Programm zusammen, boten Eigenes und noch kurzfristig gemeinsam Geprobtes.

Ted O’Reilly pfeift und klatscht sacht für sein Töchterchen, während seine Frau erzählt. Ihre Geige und die Volksweise „Greensleeves“ hat beide in seiner Heimat zusammengeführt: Zwei Jahre hat Diana Hebold in Irland gelebt. Mit dem Instrumentenkoffer auf dem Rücken betrat sie am zweiten Tag einen Pub. Reihum spielten Musiker ihre Lieder, die anderen stimmten locker ein. Ted war bei dieser Session dabei. Angesteckt von der Stimmung packte auch Diana Hebold ihre Geige aus.

„Musik schafft Freunde“, sagt Ted. Der 58-Jährige vermisst jene Freitagstreffen im Fingal-Folkclub ein wenig. Er findet: „Was dort in Irland klappt, könnte auch in Freital funktionieren. Kunst sollte etwas Alltägliches sein. In Irland stehen Tische und Stühle vor den Cafés in der Stadt. Die Leute sitzen draußen, reden und trinken Kaffee oder musizieren.“ Seine Frau hat das Jahr über Kontakte in Freital gehalten. Freundschaften sind entstanden. Auch sie sagt: „Einmal im Monat könnten kleinere Veranstaltungen im Stil der Kultur(all)tage stattfinden. Sonst werden sie vielleicht zu schnell wieder vergessen.“ Viel Zeit stecken sie derweil in die Proben in ihrem Haus. „Es kommt auf das Gefühl an – nicht die Perfektion“, sagt Ted. Er holt sein Banjo. Es ist in Deutschland gebaut. Sie setzt ihre Übungsgeige ans Kinn. Ein leichtes Stück erklingt, dann ein lebhaftes. Beide singen übrigens auch. Auf Festen in der Region, teils auch im Ausland sind sie so unterwegs. Pläne für Workshops und mehr schmieden sie.

Wenn Joe’s Pub am 15. Juni in Potschappel wieder öffnet und auch reichlich Guinness fließt, sorgt das Duo mit der Freitaler Emmausband für Livemusik von der grünen Insel. „Dirty Old Town“ und „Whiskey In The Jar“ werden dort erklingen. Für das ruhigere Spiel zu Ausstellungseröffnungen will Diana Hebold sich vorher schon einen Eindruck von den Arbeiten machen. „Es gibt immer viele interessante Projekte“, sagt sie. Die nächste Kostprobe ihrer Musik gibt das Duo bereits am 30. April zur Biergarteneröffnung im Hotel „Zur Linde“ in Freital-Birkigt.

theballadfiddler.webs.com