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Lautsprecher für die Lausitzer Füchse

Branko Frischke ist seit zehn Jahren die Stimme im Fuchsbau. Wie läuft so ein Heimspiel für ihn ab? Wir waren dabei.

Füchse-Sprecher Branko Frischke in seinem Element.
Füchse-Sprecher Branko Frischke in seinem Element. © Steffen Bistrosch

Ziemlich groß ist das Arbeitszimmer. Dreitausend Leute passen rein. Manchmal kommen auch ein paar mehr. Wenn sich so viel Besuch angekündigt hat, ist Branko garantiert hier. Dann sagt er zu den Leuten: „Willkommen im Fuchsbau“ oder etwas in der Art. Das kann er, es ist sein Job, das liebt er. So sehr, um aus der Hauptstadt in die alte Heimat zu kommen.

Brankos Job in der „Wee Arena“ beginnt meist „unten im Kampfgericht“. So nennen die Insider den kleinen Raum am hinteren Eingang des Fuchsbaus. Dort trifft sich der Teil des Funktionsteams, der offizielle Kampfrichteraufgaben wahrnimmt. Das kleine Büro ist vollgestellt, Klimarohre durchziehen die grauen Betonwände. Eine Kaffeemaschine röchelt, Eishockeyequipment stapelt sich, dazu Kisten und Kartons, Geschirr, Putzzeug, endlose Kabel, Telefone, Computer, Drucker, ein vergessener Weihnachtsbaum, Plakate und Getränkeflaschen. Eine Stunde vor Spielbeginn herrscht rege Geschäftigkeit. Protokolle müssen geschrieben, das Spiel ins System eingegeben, die Aufstellungen der Teams erfasst werden. Der Pressesprecher, Ordner, Kampfrichter, Zeitnehmer, Protokollführer, Techniker aus der Regie geben sich die Klinke in die Hand. Der Fotograf hockt in einer Ecke über seinem Laptop.

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„So oft wie möglich“ ist Branko im Fuchsbau. Und manchmal so lange wie möglich. Heute hat er früh ein Nachwuchsspiel als Sprecher begleitet, danach das Freilaufen auf dem Eis genutzt und ist dann gleich hiergeblieben. Zu Eishockeyspielen geht er seit Kindertagen. Vater Bodo hatte ihn mitgenommen. „So oft wie möglich.“ Die Möglichkeit bot sich den beiden fast immer. Ganz sicher weiß Branko, wann er sein letztes Heimspiel der Füchse verpasst hat. In der Saison 2004/ 2005. In der ersten Sturmreihe der Füchse spielten damals Kapitän Mattias Wikström, Topscorer Martin Sekera und ein Stürmer namens Dirk Rohrbach. Während Letzterer hier auf fünfundzwanzig Tore und einunddreißig Vorlagen kam, spielte Branko im heimatlichen Schleife Fußball und ging auf das Gymnasium. Nebenher sah er dem Eishockeynachwuchs bei Heimauftritten zu und half gelegentlich im Kampfgericht aus.

Bis eines Tages der Hallensprecher fehlte. Kollegin Margitta Riehle kam auf ihn zu, ob er es denn nicht versuchen wolle. Jahre darauf fragte René Reinert, ob er denn bei den Profis einspringen könne. Die drei etatmäßigen Sprecher waren kurzfristig ausgefallen. Kurze Zeit später wurde er DER Stadionsprecher. In den zurückliegenden zehn Jahren kommt er auf rund dreihundert Heimspiele am Stück. Und wie kommt er als Fan mit den Emotionen klar? „Ausblenden“, sagt er. Außer bei der Ansage der Torschützen, da dürfen sie raus.

Beim Tor dürfen die Emotionen raus

Zeit für klare Ansagen. Branko verlässt den kleinen Raum in Richtung Eisfläche. Vor der Tür kicken vier Männer mit einem Fußball. „Die Schiris“, weiß Branko. „Viel Spaß“, rufen sie mit bayrischem Akzent. Hoffentlich. Knapp bekleidete Cheerleader üben ein Stück weiter hinter einem Vorhang. An der Bandenöffnung in der Fankurve fummelt der Eismeister an der Eismaschine. Die Spieler beider Teams sind bereits zur Erwärmung auf dem Eis. An den Tischen hinter dem Plexiglas gleich neben dem Eis sind sie heute zu siebent im Kampfgericht. Aufgaben werden verteilt. Ein letzter Technikcheck für das Mikro, die Uhr, das Telefon, den Videobeweis, das Powerbreak. Trinkflaschen und Handtücher werden auf den Strafbänken platziert. Letzte Absprachen mit der Regie. In einen Eimer voller Eis packt Branko eine Handvoll Pucks rein. Nur eisgekühlte Scheiben dürfen ins Spiel gebracht werden.

Die Fans singen: „Auf geht`s Füchse, kämpfen und siegen“. Branko gibt Geburtstagsgrüße an das Publikum weiter. Dann die Mannschaftsvorstellungen, und endlich geht es los. Die Halle lärmt. Emotionen. Im Kampfgericht hoffen und leiden sie mit. Nach dem ersten torlosen Drittel gehen alle hoch in die Kneipe zum Quatschen und Händeschütteln. Wann fällt das erste Tor? Einen Wimpernschlag vor Brankos Kugelschreiber, der auf den Tisch prallt. 1:0! Emotionen. 2:0, 3:0. Branko erlaubt sich ein klitzekleines Lächeln. Die Emotionen dürfen beim Torjubel raus.

So kennen ihn die Journalisten: Branko Frischke moderiert auch die Pressekonferenzen nach den Heimspielen.
So kennen ihn die Journalisten: Branko Frischke moderiert auch die Pressekonferenzen nach den Heimspielen. © Steffen Bistrosch

Wieder Pause. Entspanntes Miteinander im Fuchsbau. Später das 4:0, 5:0. „Oh wie ist das schön“, singen die Fans. Dann schießen die Gäste drei Tore am Stück. Kollektives Aufstöhnen. Die Füchse verlieren die Ordnung. Branko leidet mit. Am Ende wird es für drei Punkte reichen. Das Management steckt die Info zur Auszeichnung des „Besten Spielers“ durch. Ansage, Verabschiedung. Die Fans singen noch ein Weilchen. Sie wollen die Füchse sehen.

Branko packt zusammen. Die Pressekonferenz beginnt gleich. Ein paar legitimierte Besucher, Zeitungsleute, Fotografen und Kameraleute finden sich im Presseraum ein. Branko moderiert und übersetzt. Emotionen. Dann nimmt er noch einen kleinen Schluck aus dem Glas mit der Aufschrift eines Sponsors. Die Zeit drängt. Vater Bodo wartet oben. Branko nimmt den kürzesten Weg nach Berlin. Morgen früh muss er spätestens um sieben Uhr raus.

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Seine Freundin Jeanette schläft dann schon. In der Halle singen ein paar letzte Fans siegestrunken. Die Kneipe schließt gleich. Die Security sammelt sich am Ausgang. Branko vergräbt die Hände tief in den Taschen seines schwarzen Mantels und geht still an ihnen vorbei in die Dunkelheit. Laut sein ist seine Sache nicht. Emotion und Tradition auf der einen Seite sowie Respekt und Fair Play auf der anderen müssen ausgewogen zur Sprache kommen. Der Fuchsbau ist da für „Bewohner“ wie „Besucher“ gleichermaßen; hellhörig und sensibel. „Bis Freitag, zum Heimspiel“, sagt Branko. Er wird da sein. Möglichst lange. Wie immer.

Steffen Bistrosch