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Freitaler Lavendelöl kommt aus Frankreich

Bei Bombastus beginnt die Abfüllung des beruhigenden Duftes. Manche Insekten mögen den Geruch der Arzneipflanze des Jahres aber nicht. Das ist hilfreich.

Bettina Kreher verpackt bei Bombastus in Freital die Fläschchen mit dem Lavendelöl.
Bettina Kreher verpackt bei Bombastus in Freital die Fläschchen mit dem Lavendelöl. © Frank Baldauf

Langsam ruckeln die braunen Fläschchen über des schmale Förderband. Sie stoppen unter einer Düse, aus der eine zart gelbliche Flüssigkeit tropft. Sieht fade aus, riecht aber gut: Lavendelöl. Dann ruckeln die Fläschchen weiter, bekommen einen Stöpsel aufgedrückt und anschließend ein Etikett.

16.000 Fläschchen Lavendelöl, jedes mit einem Fassungsvermögen von zehn Millilitern, verlassen dieser Tage die Produktionsstätte an der Wilsdruffer Straße in Freital. Im Verlaufe des Jahres folgen weitere Abfüllungen. Insgesamt verkauft Bombastus jährlich rund 76.000 Flaschen und verarbeitet rund 800 Kilogramm der dünnflüssigen Substanz. Neben den 10-Milliliter- Fläschchen für den Endverbraucher sind Großpackungen für Apotheken im Sortiment. Außerdem gehören Krankenhäuser, Heilpraktiker und psychiatrische Einrichtungen zu den wichtigsten Abnehmern.

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Lavendelöl soll beruhigend und entspannend wirken. Es hilft aber auch gegen lästige Plagegeister: Mücken mögen den Duft des Öls überhaupt nicht und meiden dessen Umgebung. Nun, zur Beginn der Mückensaison, startet bei Bombastus in Freital wieder die Abfüllung. 

Der Lavendel wurde schon im Mittelalter wegen seiner beruhigenden Wirkung als Heilkraut geschätzt.
Der Lavendel wurde schon im Mittelalter wegen seiner beruhigenden Wirkung als Heilkraut geschätzt. © Kristin Richter

Den Inhaltsstoffen der lila blühenden Pflanze, die so manches Fotomotiv aus der Provence ziert, wurde schon im Mittelalter eine beruhigende und entspannende Wirkung nachgesagt. Auch neue Studien beschäftigten sich mit dem Lavendel und kamen zu ähnlichen Ergebnissen. So kommt Lavendel beispielsweise auch bei der Behandlung von Angststörungen zum Einsatz. Deshalb kürte das Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg den Lavendel zur Arzneipflanze 2020. Als Raumduft oder Badezusatz verwendet, spielt das Öl in manchem Haushalt eine Rolle. 

Hildegard von Bingen, die Anfang des 12. Jahrhunderts lebte und unter anderem medizinische Werke verfasste, empfahl den Lavendel auch gegen Ungeziefer. "Und das hilft tasächlich", meint Wieland Prkno. Er ist Vertriebsleiter bei Bombastus und hat das Lavendelöl selbst getestet. "Vier Tropfen auf jede Bettecke und man hat in der Nacht Ruhe vor Mücken", ist seine Erfahrung.

Bernd Ludwig kontrolliert die Abfüllung des Öls. Rund 800 Kilogramm Lavendelöl werden jährlich bei Bombastus verarbeitet.
Bernd Ludwig kontrolliert die Abfüllung des Öls. Rund 800 Kilogramm Lavendelöl werden jährlich bei Bombastus verarbeitet. © Frank Baldauf

Bombastus importiert das Öl aus Frankreich. Dort wird der Lavendel sofort nach der Ernte vor Ort verarbeitet, damit sich die Wirkstoffe nicht verflüchtigen. Das Öl wird aus den Blüten destilliert und in große Fässer gefüllt. In Freital wird es dann lediglich abgefüllt. Selbst Lavendel anzubauen, wäre für Bombastus zu aufwendig und damit unwirtschaftlich. "Die Pflanze kommt zwar mit unseren klimatischen Bedingungen gut zurecht, wie man in zahlreichen Gärten sehen kann. Aber für Pflege, Ernte und Verarbeitung braucht es spezielle Technik. Und die ist teuer." Deshalb konzentriert sich Bombastus auf den Salbeianbau und kauft andere Zutaten für die Produktion auf dem Weltmarkt ein.

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An die Qualität des Öls stellen die Bombastus-Werke Ansprüche nach den strengen Standards des europäischen Arzneibuchs. "Deshalb wird das Öl im eigenen Labor aufwendig auf seine physikalischen Eigenschaften, auf den Wirkstoffgehalt und Fremdstoffe geprüft", erklärt Prkno. Insgesamt durchlaufe jede Charge 32 Prüfpunkte, bis die Abfüllanlage grünes Licht bekomme.

Der Lavendel spielt seit den Gründerjahren des Heilmittelherstellers eine Rolle. Bombastus verarbeitet nicht nur das Öl. Lavendelblüten werden beispielsweise in verschiedenen Teesorten verwendet.  

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