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Lawrow liegt daneben mit seinem Vorwurf

Frank Grubitzsch über Moskaus Verdacht im Fall Lisa

Diesen Vorwurf konnte die Bundesregierung nicht unwidersprochen lassen: Angeblich sei die Nachricht über das Verschwinden „unserer Lisa“ lange verheimlicht worden, behauptete der russische Außenminister Sergej Lawrow. Einen Tag brauchte die Bundesregierung für ihre Klarstellung: Der Vorwurf an die deutschen Behörden ist unhaltbar. Es kann keine Rede sein von Verheimlichung oder Vertuschung im Fall des  13-jährigen Mädchens russlanddeutscher Herkunft, die in Berlin entführt und vergewaltigt worden sein soll.

Dass sich Russlands Außenminister öffentlich zu dem Fall äußert, ist ein ungewöhnlicher Vorgang. Sein Vorgehen wäre verständlich, würde es sich beim vermeintlichen Opfer um eine russische Staatsbürgerin handeln.

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Es ist schon merkwürdig, warum sich die Regierung in Moskau jetzt zum Anwalt der Russlanddeutschen macht. In der Sowjetunion einst als vermeintliche Nazi-Kollaborateure kollektiv mit Deportation nach Mittelasien bestraft und später immer misstrauisch beäugt, werden sie nun für eigene Zwecke politisch instrumentalisiert.

Lawrow, der als ein besonnener Mann gilt, war in diesem Fall nicht gut beraten. Er ist offenbar zum Opfer jener russischen Medien geworden, die den Fall Lisa zu einem Politikum aufgebauscht hatten. Wem nutzt es eigentlich, unter den Russlanddeutschen Stimmung gegen die deutschen Behörden und die Bundesregierung zu machen?

Dem ohnehin angespannten deutsch-russischen Verhältnis hilft das alles nicht; es schadet nur. Das sollte ein erfahrener Außenminister wie Lawrow eigentlich wissen.