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Leben im Container

Es klingt zunächst wenig idyllisch: Im Jahr 2015 werden etwa 2600 Dresdner Kinder nicht in massiven Kindertagesstätten und Schulen spielen und lernen, sondern in Containern. Die Kinder der Integrationskita „Bünauten“ in Löbtau haben nichts gegen diese Zukunftsvision.

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Von Franziska Dähnund Claudia Schade

Es klingt zunächst wenig idyllisch: Im Jahr 2015 werden etwa 2600 Dresdner Kinder nicht in massiven Kindertagesstätten und Schulen spielen und lernen, sondern in Containern.

Die Kinder der Integrationskita „Bünauten“ in Löbtau haben nichts gegen diese Zukunftsvision. Bereits seit Herbst 2009 ergänzt ein Container die neu errichtete Kita. „Für die Kinder und unser integratives Konzept ist der Container ein Traum“, sagt Leiterin Annett Fiedler. Der Bau sei „klein und kuschelig“, gut überschaubar und werde auch von den Eltern gut angenommen.

Nicht zuletzt, weil diese auch zur Verschönerung der sogenannten mobilen Raumeinheit beigetragen haben: „Wir haben den Container weiß bekommen und mit den Eltern farbig gestaltet“, sagt Fiedler. Einziger Nachteil: „Der Container ist schlecht gedämmt und die Toilettenfenster sind winzig“.

14 Kita-Container geplant

Ob die Vision behagt oder nicht: Dresden wird nicht ohne die Container auskommen. Mit der neuen Bevölkerungsprognose fehlen 2100 Kitaplätze. Die Kindertagespflege soll deshalb ausgebaut, bestehende Kitas vergrößert werden. Den Mammutanteil von 1600 Plätzen sollen jedoch Container stellen: Zu den seit 2009 bestehenden sechs Container-Kitas sollen in den nächsten vier Jahren 14 weitere hinzu kommen, hat Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) angekündigt. Sie bieten jeweils Platz für bis zu 120 Kinder. Auch an den Schulen sollen Container helfen, den Platzmangel zu reduzieren. Seit November stehen an der 88. Grundschule zwei mobile Klassenräume. Die Eltern hatten sich dafür eingesetzt, um die Mittelschule am gleichen Standort am Leben zu halten. Mietkosten: 3800 Euro pro Monat. Zuvor wurden rund 170000 Euro in Fundamente und Versorgungsanschlüsse investiert. An der Mittelschule Weißig stehen seit mehreren Jahren ebenfalls zwei Container-Klassenräume.

Die größte Fertigteilschule Dresdens wird allerdings erst 2012 errichtet. Zum nächsten Schuljahresbeginn erhält das Gymnasium Klotzsche insgesamt 20 Container-Klassenräume, inklusive Fachkabinetten, plus Toiletten. Ursprünglich für sieben Jahre Nutzung geplant, gehen einige Verwaltungsmitarbeiter schon jetzt von einer Dauer von etwa zehn Jahren aus. Für die Jahresmiete rechnet das Schulverwaltungsamt mit einer mittleren sechsstelligen Summe. Weitere Standorte seien derzeit nicht in konkreter Vorbereitung.

Hässlich müssen die dünnwandigen Fertigteile keineswegs sein. Die Betroffenen sehen sie sogar oft als klare Verbesserung zu den vorhandenen maroden Gebäuden. Zudem sind sie schnell einsatzfähig. Deshalb ist der Eigenbetrieb Kindertagesstätten in Pieschen, Blasewitz, Prohlis und Cotta derzeit fieberhaft auf der Suche nach geeigneten Kita-Standorten. In diesen Ortsamtsbereichen wird sich der zusätzliche Bedarf am deutlichsten bemerkbar machen. Angedacht ist etwa, auf dem Gelände der bestehenden Container-Kita „Leubener Spatzen“ einen weiteren aufzustellen. Hier war durch den Abriss der alten Kita Platz entstanden. Notwendig ist die Schnellsuche auch deshalb, weil Bauprojekte nicht wie geplant fertig werden. So verzögern sich die Vorhaben auf der Otto-Harzer-Straße und auf der Klinger Straße mit jeweils 84 Plätzen, sowie die Kita auf der Weißiger Hauptstraße. Dort sollen 134 Plätze entstehen.

Belegrecht für 5000 Euro

Von den 14 Kita-Containern sollen zehn gemietet, vier jedoch gekauft werden. An deren Finanzierung sollen sich Dresdner Firmen beteiligen. Interessenten werden für 5000Euro je Platz Belegrechte angeboten. „Pro Kita können die Unternehmen bis zu 80 Prozent der Plätze belegen“, sagt Marco Fiedler, Referent des Sozialbürgermeisters. Erste Gespräche liefen bereits, Namen wollte er jedoch nicht nennen. Ein Platz im Container kostet 12000 Euro. Das ist zwar weniger als die 17000 Euro in einer herkömmlichen Kita. Woher der Restbetrag kommen soll, ist bisher nicht geklärt.

Auch das Schulverwaltungsamt setzt eher auf Miete als auf Kauf. Einzig die Räume in Weißig wurden erworben. Kostenpunkt: 44750 Euro. Hier kam der Stadt nach jahrelanger Nutzung der geringe Restwert zugute. Die Planer sind mittlerweile so überzeugt von den mobilen Fertigteilen, dass sie sie sogar als Varianten für Schulneubauten und Anbauten in Betracht zieht. Womöglich werden also künftig noch mehr Kinder ihren Tag in einem Containerbau verbringen.