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Leben mit der Baustelle vor der Haustür

Bis Herbst nächsten Jahres wird in Rammenau die Ortsdurchfahrt gebaut. Eine Herausforderung für Anwohner und Bauarbeiter.

In Rammenau wird an der Ortsdurchfahrt gebaut. Das ist für die Anwohner belastend.
In Rammenau wird an der Ortsdurchfahrt gebaut. Das ist für die Anwohner belastend. © Foto: SZ/Uwe Soeder

Rammenau. Die Nerven bei den Anwohnern der B 98 in Rammenau liegen blank. Lärm, Dreck, Abgase, kaum ein Rankommen ans eigene Grundstück und eine ewig lange Umleitung belasten gut ein Dutzend Familien. Zwei Frauen – Mutter und Tochter – können ein Lied davon singen. Sie sitzen an jenem Nachmittag im Wohnzimmer unterm Dach des Mehrfamilienhauses. Fährt ein schwerer Laster vorbei, vibriert der ganze Raum, die Schrankwand wackelt.

Kurz darauf ertönt ein Art Piepen. „Das ist das Messgerät, was sie hingestellt haben“, erklärt die Seniorin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie zeigt auf ein kleines, rotes, quadratisches Kästchen auf dem Fensterbrett. Das misst die Erschütterungen, erklärt ihre Tochter, die ebenfalls ungenannt bleiben will. Sind die Erschütterungen zu hoch, gibt es Alarm und eine Benachrichtigung an die Bauarbeiter. Die müssen dann kurz ihre Arbeit unterbrechen. 

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Verkehr rollt nahezu ununterbrochen

Der Verkehr, der auf der halbseitig gesperrten Straße nahezu ununterbrochen vorbei donnert, sei eine enorme Beeinträchtigung. Zwar habe man ein Tempo-30-Schild am Ortseingang aufgestellt, „aber die fahren hier trotzdem keine 30“, weiß die Mittfünfzigerin, die erst kürzlich von einer Reha heimkehrte. Eigentlich, so erzählt sie, sollte im Baustellenbereich ein stationärer Blitzer aufgestellt werden. Doch bis jetzt hat sich da nichts getan. Lediglich mobil sei mal geblitzt worden. Ihren Balkon könne sie gar nicht mehr nutzen, klagt die Rammenauerin. Ihre Garage auch nicht. 

Mit dem Auto komme sie nur über einen Umweg über die Siedlung ans Haus ran. „Und wenn ich mit meiner Mutti zum Friedhof will, dann muss ich auf dem Rückweg den großen Bogen über Bischofswerda fahren.“ Zu Fuß würden die Anwohner ihre Grundstücke immer erreichen, heißt es auf SZ-Nachfrage aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Mit dem Auto kann die Erreichbarkeit „bauzeitlich eingeschränkt bzw. kurzzeitig nicht möglich sein. Dazu werden die Anwohner informiert.“ Mit dem bisherigen Bauleiter Sebastian Haufe habe das eigentlich ganz gut geklappt, so die zwei Rammenauerinnen. Mit seiner Vertretung laufe es nicht so optimal. 

Mit Krücken über Hindernisse

An Ruhe und Entspannung sei in der momentanen Situation nicht zu denken. Auch ihre Mutti bräuchte nach der Hüft-OP eigentlich Schonung. Doch stattdessen musste sie mit Krücken und künstlichem Gelenk über Baken-Hindernisse kraxeln und einen mächtigen Absatz überwinden, um ins Haus zu kommen. „In ihrer Wohnung findet sie bei dem Lärm auch keine Erholung.“ Denn den Geräuschpegel treibe nicht nur der Verkehr in die Höhe. Die Baustelle direkt vor der Haustür stresst genauso.

Bagger fressen sich mit viel Getöse durch die aufgerissene Fahrbahnhälfte. „Das geht von morgens halb sieben bis nachmittags 17 Uhr. „Wissen Sie, wie die Bude wackelt, wenn die Bauarbeiter mit der Rüttelplatte loslegen?“ Letzten Freitag habe es heftig geregnet, da wurde nicht gebaut. „Das war eine richtige Wohltat.“ Ansonsten sei es nur an den Abenden und Wochenenden ein klein wenig ruhiger. 

Großbaustelle bis September 2021

Gut anderthalb Jahre soll der momentane Zustand andauern. Denn noch bis Ende September 2021 ist Rammenau Großbaustelle. Neben dem grundhaften Ausbau der Ortsdurchfahrt lässt der Freistaat an der Gabelung Bundesstraße 98/Staatstraße 158 einen Kreisverkehr errichten. Immerhin ist die B 98 ein wichtiger Zubringer für die Autobahn. Entsprechend viele Autos fahren dort täglich entlang. Über den Kreisel soll der Verkehr künftig flüssiger und sicherere rollen. 

Dass etwas passieren muss, dass ist auch den Anwohnern klar. Denn nicht nur aus Richtung Bischofswerda kommend weist die Hauptstraße große Unebenheiten auf, und auch die Fahrbahnränder sind zum Teil heruntergefahren. Doch die Rammenauer ärgert, dass man den Verkehr nicht am Ort vorbei führt. Überall würden Umgehungsstraßen gebaut, nur in Rammenau gehe es nicht drumherum, sondern durch.

Schon ihr Vati habe in den 1990-er Jahren Unterschriften für eine Ortsumgehung gesammelt, so die Mittfünfzigerin. Inzwischen gab es erneut eine. Und die Familien hätten sich an die Stadt Bischofswerda und das Lasuv gewandt. „Die Schreiben haben wir noch. Auf eine Antwort warten wir noch immer.“ Dabei habe es ursprünglich einen Bauplan mit östlicher Umfahrung gegeben. Die Trasse sollte vor dem Ortseingang Rammenau abbiegend am Wald entlang und dann am Heiteren Blick wieder auf die B 98 führen. Im Rahmen der Voruntersuchung sei diese Variante seitens der Waldbesitzer und der Gemeinde Rammenau aber abgelehnt worden, so Franz Großmann, Pressesprecher des Lasuv. 

Stressig nicht nur für Rammenauer

Die Auswirkungen der Dauerbaustelle bekommen übrigens nicht nur die unmittelbaren Anwohner zu spüren. Die rund 40 Kilometer lange offizielle Umleitung kürzen viele ab. „Das Niederdorf regt sich auf, Goldbach regt sich auf, Frankenthal regt sich auf. Aber wir haben das Ganze noch viel schlimmer direkt vor der Haustür“, sagen die zwei Anwohnerinnen. 

Mit weniger Lärm ist erst nach Abschluss der Bauarbeiten zu rechnen. Denn die Anwohner bekommen Lärmschutzfenster, erzählen die beiden Rammenauerinnen. Dann werden wohl auch die vorbeirollenden schweren Laster nicht mehr zu hören sein. Und hoffentlich auch nicht mehr zu spüren. 

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