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Leben mit Parkinson

Die Krankheit wird nicht von allen Ärzten sofort erkannt. Denn bei jedem Betroffenen wirkt sie sich anders aus.

Von Cathrin Reichelt

Helmut Haupt läuft langsam. Er riecht, schmeckt und hört anders als früher. „Irgendwann habe ich den Zündschlüssel fürs Auto freiwillig an meine Frau abgegeben“, erzählt der 72-Jährige. Denn manchmal hätten sich die entgegenkommenden Autos selbst überholt und seien direkt auf ihn zugekommen. So hat es der Döbelner jedenfalls wahrgenommen.

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Dass sich vieles in seinem Leben verändert hat, ist die Folge von Parkinson. Allerdings ahnte er anfangs nicht, dass er von dieser Krankheit betroffen ist, die verschiedene Störungen im Körper verursachen kann. „Im Jahr 1989 ging ich wegen eines orthopädischen Leidens zum Arzt. Aber keine der Behandlungen brachte Erfolg. Im Gegenteil. Irgendwann fiel ich um und konnte gar nicht mehr laufen“, erzählt Haupt. Er suchte andere Ärzte auf, bis er zu einem Neurologen in Hochweitzschen kam. Der habe sofort bei seinem Eintreten erkannt, worum es sich handelt. Zur Sicherheit habe er seine Frau dazugerufen und diese gefragt, ob sich ihr Mann in letzter Zeit verändert habe. Tatsächlich hatte sie festgestellt, dass er ruhiger geworden war, keine Hektik vertrug und sich absonderte. Auch das rechte Augenlid sei etwas tiefer gewesen als das linke. Das sei typisch für Parkinson. „Meine Frau war über die Diagnose ebenso erschrocken wie ich. Wir wussten zwar, dass es die Krankheit gibt, aber mehr nicht“, erzählt Helmut Haupt. Doch von da an habe er sich intensiv damit beschäftig. In einer Klinik in Bernburg wurde er auf die nötigen Medikamente eingestellt. Der Aufenthalt dort muss aller zwei bis drei Jahre wiederholt werden – zur Sicherheit, ob die Arznei noch die Richtige ist und die passende Dosierung hat. 1994 habe sich Haupt zusätzlich zu einer sogenannten Tiefenstimulation entschlossen. Dabei wird eine Elektrode implantiert, die die Aktivität der Nervenzellen anregt. „Trotz der Krankheit konnte ich so noch bis zu meinem 64. Lebensjahr als Amtstierarzt arbeiten“, so Haupt.

Inzwischen hilft sich der Döbelner nicht nur selbst, sondern auch anderen. Er gehört zur Selbsthilfegruppe Parkinson, die vor 15 Jahren gegründet wurde. Das haben die 15 Mitglieder gestern gefeiert. Von ihnen sind 13 von Parkinson betroffen. Helmut Haupt hat dabei die längste Krankheitserfahrung.

Zweimal im Monat trifft sich die Gruppe, die sich dabei aber nicht nur über die Krankheit austauscht. Gymnastik steht oft auf dem Programm. Die ist wichtig, um die Beweglichkeit zu erhalten und die Gehirnfunktionen zu stimulieren. „Wir laden uns oft Ärzte ein und informieren uns, was in der Forschung passiert“, meint Haupt. Es gibt Singe- und Spielenachmittag sowie Ausflüge. In diesem Jahr stehen zum Beispiel noch ein Vortrag in Wermsdorf, eine Kremserfahrt nach Klosterbuch und eine Fahrt ins Kleine Erzgebirge auf dem Programm. „So vergessen wir unsere Krankheit auch mal.“