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Leben mit Service

Nur die Wenigsten wollen im Alter ins Pflegeheim. Deshalb sind Alternativen gefragt – wie das Advita Haus in Radeberg.

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© Thorsten Eckert

Von Jana Ulbrich

Ursula Kühne hat Tomaten und Geranien eingetopft. Jetzt sitzt sie auf ihrem kleinen Balkon, genießt die Ruhe und die Aussicht. „Es ist schön hier“, sagt die 78-Jährige und lehnt sich entspannt zurück. Ursula Kühne fühlt sich wohl in ihren neuen vier Wänden. Im Januar hat sie ihre Wohnung in Dresden aufgegeben und ist in das neue Advita Haus in Radeberg gezogen, eine betreute Wohnanlage. „Wohnen mit Service“ nennt man das bei der Advita Pflegedienst GmbH, die mehrere solcher Anlagen in Sachsen betreibt.

Der Vorteil für die Mieter: Sie können hier in einer eigenen Wohnung ein selbstbestimmtes Leben führen – ein Wunsch, der bei Senioren in Umfragen ganz oben steht. Sicherheit, Hauswirtschafts- und Pflegeleistungen können dann je nach Bedarf dazugebucht werden. „Mit diesem Konzept ist es möglich, dass Menschen bis zu ihrem Lebensende in ihren eigenen vier Wänden leben können – auch dann noch, wenn sie pflegebedürftig werden“, erklärt Advita-Marketingleiter Uli Schuppach die Unternehmensphilosophie: „Im Alter nehmen zwar die Kräfte des Menschen ab, aber nicht sein Recht auf Selbstbestimmung.“

Ursula Kühne bezahlt zusätzlich zu ihrer Miete eine Betreuungspauschale von 121 Euro. Dafür hat sie einen Hausnotruf und die Sicherheit, dass Tag und Nacht jemand da ist, wenn sie Hilfe braucht. Der Rentnerin, die ein Leben lang selbst als Krankenschwester gearbeitet hat, ist das sehr wichtig.

Zusatzleistungen kosten extra

Noch braucht die 78-Jährige keine Pflegeleistungen, aber Hilfe beim Saubermachen und den Wäschedienst leistet sie sich. „Es wird ja alles beschwerlicher im Alter“, sagt Ursula Kühne. Gesundheitlich geht es ihr nicht mehr so gut. Sie hat zwei künstliche Hüftgelenke und ist schon ein paarmal gestürzt. Alle zusätzlichen Betreuungsleistungen kosten noch einmal extra. „Das ist schon ziemlich teuer für eine kleine Rente“, sagt Ursula Kühne. „Aber was braucht ein älterer Mensch schon noch groß zum Leben“, fragt sie. „Warum soll man sich denn nicht Hilfe kaufen, wenn es alleine nicht mehr geht?“

Ab und zu leistet sich Ursula Kühne auch das Mittagessen, das jeden Tag für die Hausbewohner angeboten wird. Wer möchte, trifft sich zum Mittagessen im schönen Gemeinschaftsraum. Ursula Kühne könnte sich das Essen auch in ihre Wohnung bringen lassen, auch Frühstück und Abendbrot. „Aber solange ich noch kann, kümmere ich mich“, sagt sie. Auf dem Herd in ihrer kleinen Kochnische köchelt Brühe. Auf die Knochen freut sich sicher schon der kleine Hund der Nachbarin, mit der sie oft spazieren geht.

Betreuung für Demenzkranke

Auch die Hausgemeinschaft macht das Leben im Advita Haus aus. Jeden Mittwoch treffen sich die Nachbarn zum Kaffeeklatsch im Gemeinschaftsraum. Die Mitarbeiter organisieren Ausflüge, Veranstaltungen und Grillabende im Garten. „Jetzt wünschen wir uns noch Gymnastik-Stunden“, erzählt Ursula Kühne. Sie hat das bei der Hausleitung schon angeregt. „Wir müssen doch in Bewegung bleiben“, lächelt sie.

Die Mitarbeiter des Pflegedienstes, die rund um die Uhr da sind, haben ihren Sitz gleich unten im Haus. Hier betreiben sie auch eine Tagespflegeeinrichtung und eine betreute Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz, die nicht mehr in der Lage sind, ein selbstständiges Leben zu führen. Auch in der Wohngruppe hat jeder Bewohner sein eigenes Zimmer mit seinen eigenen vertrauten Möbeln und mit eigenem Bad. Jeder wird hier nach seinen ganz individuellen Möglichkeiten und Interessen gefördert und betreut.

„Es ist wunderschön hier. So kann sich jeder seinen Lebensabend nur wünschen, wenn das Gedächtnis nachlässt“, schwärmt eine der Mitarbeiterinnen über ihre neue Arbeit in der Wohngruppe. Sie kennt es auch noch anders, sagt sie. Sie hat vorher in einem normalen Pflegeheim mit viel zu niedrigem Personalschlüssel gearbeitet. „Das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt sie. Die zwölf Plätze in der Demenz-WG sind belegt.