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Döbeln

Leben retten per Knopfdruck

50 mittelsächsische Ortsfeuerwehren werden mit Defibrillatoren ausgestattet. Diese Aktion ist einmalig in Deutschland.

Barbara Patzek von einer Dresdener Firma überprüft die neuen Defibrillatoren, die an 53 Ortsfeuerwehren in Mittelsachsen übergeben werden. Sie wird die Feuerwehrleute am Sonnabend in die Geräte einweisen.
Barbara Patzek von einer Dresdener Firma überprüft die neuen Defibrillatoren, die an 53 Ortsfeuerwehren in Mittelsachsen übergeben werden. Sie wird die Feuerwehrleute am Sonnabend in die Geräte einweisen. © Verena Toth

Mittelsachsen. Eine Kistenwand stapelt sich im Büro des Kreisfeuerwehrverbandes in Freiberg. Jede einzelne Schachtel muss geöffnet und der Inhalt – ein knallgelbes Gerät, das Leben retten kann – penibel kontrolliert werden. Denn am Sonnabend sollen die Defibrillatoren nicht nur an die rund 100 Vertreter aller Ortsfeuerwehren Mittelsachsens übergeben, sondern auch gleich der Umgang damit geübt werden.

Insgesamt 53 der robusten Geräte werden in den Ortsfeuerwehren und beim Kreisfeuerwehrverband zur Verfügung stehen, berichtet Michael Tatz, Chef des Kreisfeuerwehrverbandes. „Wo genau die Geräte zum Einsatz kommen sollen, überlassen wir den Feuerwehren selbst“, sagt er. Besonders eignen würden sich aber kleinere, abgelegenere Orte, wo der Rettungsdienst eine längere Anfahrt hat. 

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Pfingstsonntag in den Bürgergarten
Pfingstsonntag in den Bürgergarten

Zum Pfingstsonntag am 31. Mai lädt der Bürgergarten Döbeln ein zum gemütlichen Beisammensein. Getränke und Speisen dürfen vor Ort verzehrt werden.

Denn wenn das Herz eines Patienten nicht mehr regelmäßig schlägt und stattdessen zu flimmern beginnt, zählt jede Sekunde. „Je schneller einem Kammerflimmern entgegengewirkt wird, desto größer ist die Überlebenschance eines Patienten“, erklärt Barbara Patzek von einer Dresdener Firma, die den Feuerwehrleuten den Umgang mit den automatischen Defibrillatoren erklären wird.

Mit Theresia Fischer-Noack hat Verbandschef Michael Tatz ab sofort eine Assistentin an der Seite. Die Feuerwehrfrau aus Reichenbach (Großschirma) übernimmt alle organisatorischen Aufgaben und ist Ansprechpartnerin für die Mitgliedsfeuerwehren.
Mit Theresia Fischer-Noack hat Verbandschef Michael Tatz ab sofort eine Assistentin an der Seite. Die Feuerwehrfrau aus Reichenbach (Großschirma) übernimmt alle organisatorischen Aufgaben und ist Ansprechpartnerin für die Mitgliedsfeuerwehren. © Verena Toth

Das Gerät erinnert optisch an einen Kinderkassettenrekorder. Genauso leicht soll es auch zu bedienen sein. „Es erklärt laut und deutlich jeden Schritt, was genau zu tun ist, wann und wie die Pads aufgebracht werden müssen“, sagt Barbara Patzek. 

Ein Elektroschock mit 150 Joule wird per Knopfdruck abgegeben und soll so dem Herzen wieder auf die Sprünge helfen. Funktioniert das nicht, leitet das Gerät den Ersthelfer bei der richtigen Herzdruckmassage und der Beatmung an. 200 dieser Defibrillatoren seien im Flughafen der US-Stadt Boston verteilt, auch die britische Marine arbeite damit, berichtet sie weiter.

Möglich gemacht hat die Ausstattung ein großzügiger Spender, der aber unerkannt bleiben will. Der Geldgeber sei ein älterer Herr aus Mittelsachsen, der sich dem Feuerwehrwesen verbunden fühlt, erläutert Verbandschef Michael Tatz. Am Jahresende habe es ein Gespräch zwischen ihnen gegeben. 

Dabei erfuhr Tatz, dass der spendable Unterstützer selbst nicht aktiv in einer Feuerwehr mitarbeiten konnte. Dessen Vorfahren waren jedoch aktive Kameraden. Nach dem Tod seiner Ehefrau habe er beschlossen, sein Vermögen einem guten Zweck zuzuführen.

 „Die Entscheidung fiel dabei auf die Feuerwehr. Wir sind diesem Mann sehr dankbar dafür“, so Tatz. „Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich bei dieser Spende um eine deutschlandweit bislang einmalige Aktion dieser Größenordnung“, ergänzt er noch.

Am Workshoptag, an dem nicht nur die Einweisung in das Schockgerät stattfinden wird, sollen die Feuerwehrleute auch über eine künftig verbesserte Zusammenarbeit mit dem Landkreis diskutieren. Es gehe darum, die Wogen der Vergangenheit zu glätten. 

„Die Umstellung auf den Digitalfunk und die Übernahme der Integrierten Rettungsleitstelle hat für Schwierigkeiten gesorgt. Zwar läuft es immer noch nicht überall ohne Fehler, aber wir sind auf einem sehr guten Weg“, ist Tatz überzeugt.

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