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Lebensbedrohlicher Schilder-Klau

Mehr als 20 Baustellenschilder sind verschwunden. Das passierte im Landkreis Meißen nicht zum ersten Mal.

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Von Susanne Plecher

Landkreis. Bauleiter Andreas Albert findet das alles überhaupt nicht lustig. „Wir sind in der Verkehrssicherungspflicht. Wenn hier etwas passiert, kommen wir vor den Kadi“, sagt er. Albert arbeitet für die Firma Silbernagel GmbH Verkehr und Elektrotechnik Mannheim. Deren Radeburger Niederlassung betreut derzeit etwa 35 Straßenbaustellen im Umkreis.

Unter anderem auch die Baustellen in Folbern, am Mühlbacher Kreisverkehr in Lampertswalde und die geplante Baustelle der B 98 im Knoten der Autobahn 13 westlich von Thiendorf. Ab Montag soll dort der Straßenbelag erneuert und die B 98 sowie die Anschlussstelle der A 13 bis zum 15. August voll gesperrt werden. Entsprechende Umleitungsschilder sollten Autofahrer bereits darauf vorbereiten. In der Nacht zu Sonntag sind sie gestohlen worden, genauso wie Stopp-Schilder, Zwangspfeile, Tempo-Schilder, Leitplanken, Warnkegel und Baken in Folbern und Lampertswalde. Insgesamt sind in jener Nacht über 20 Verkehrsschilder verschwunden.

„Das ist eine ganz schlimme Geschichte“, sagt Gerhard Seel, Niederlassungsleiter von Silbernagel. „Dass hin und wieder etwas wegkommt, damit haben wir uns abgefunden. Aber in diesem Ausmaß hatten wir das noch nicht.“ Der materielle Schaden, den die Firma, die für Baufirmen die Vorbereitung der Baustellen, deren Verkehrsabsicherung während des Baus und die nachfolgende Ausstattung der Straße übernimmt, sei das eine. Mehr als 7 000 Euro kostet sie die Neuanschaffung. Wesentlich schlimmer jedoch ist das Gefahrenpotenzial, das dem Raub folgte. „Das ist lebensbedrohlich!“, bringt es Seel auf den Punkt. Besonders am Mühlbacher Kreisel, wo Stopp-Schilder und Zwangspfeile entwendet wurden, hätten sich Ortsunkundige in große Gefahr begeben. Gleiches gilt für die Wanderbaustelle in Folbern, wo die gestohlenen Schilder auf den Vorrang des Gegenverkehrs hinwiesen. Die Firma kontrolliert täglich morgens und abends die Baustellen. Die fehlenden Schilder hat sie längst ersetzt, doch ist fraglich, wie lange der Ersatz stehen bleibt. Denn am Mühlbacher Kreisel waren sie bereits Mittwochnacht schon einmal gestohlen worden. Die Vermutung, dass sich eine kleine Baufirma bedient haben könnte, liegt nahe. „Wer stellt sich schon 20 Verkehrsschilder in den Keller?“, fragt Gerhard Seel. Die polizeilichen Ermittlungen laufen, Zeugenaufrufe wurden gestartet, neue Erkenntnisse gebe es jedoch nicht, sagt Polizeisprecher Gerald Baier. An einen Schilder-Klau dieses Ausmaßes kann auch er sich nicht erinnern. Zu einem anderen Diebstahl, der sich ebenfalls Sonntagnacht ereignete, sieht er keine Verbindung. Unbekannte hatten auf den Zufahrtsstraßen zum Großenhainer Ortsteil Rostig drei Ortstafeln aus den Haltemasten abmontiert. „So etwas machen Souvenirjäger“, so Baier, der die Zukunft der gelben Schilder am ehesten in Partykellern vermutet. Anders die Bauschilder. Die sind überall einsetzbar.

Die Firma Silbernagel hat ihre Schilder mehrfach markiert. So ist an der Rückseite ein Aufkleber befestigt, der die Eigentumsverhältnisse eindeutig klärt. „Der ist so fest, den bekommt man nicht ab“, ist sich Andreas Albert sicher. Die Polizei will nun auf ihren Streifenfahrten die Rückseiten der Bauschilder inspizieren, auch wenn es „eher unwahrscheinlich“ sei, dass sie im gleichen Bereich wieder aufgestellt würden, wie Gerald Baier sagt.