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Lebensfreude, Mut und Humor bewahren

Im Awo Pflegewohnheim Lohsa geht der Alltag auch in Corona-Zeiten weiter.

Heiko Harig unterhält die Bewohner bei bestem Wetter im Garten des Pflegeheims. Der Nachmittag ist eine schöne Abwechslung in diesen Zeiten.
Heiko Harig unterhält die Bewohner bei bestem Wetter im Garten des Pflegeheims. Der Nachmittag ist eine schöne Abwechslung in diesen Zeiten. © Foto: Andreas Kirschke

Lohsa. Im blauen Hemd, im gelben Anzug und in gelben Schuhen singt Heiko Harig. Er liebt die Farben der Oberlausitz. Der Sänger, Moderator und Komiker aus Crostau bei Schirgiswalde bringt die Bewohner und Mitarbeiter im Awo Pflegewohnheim Lohsa immer wieder zum Lachen. „Tulpen aus Amsterdam“, „Maruschka Polenkind“, „Rucki zucki“, „Wir kommen alle in den Himmel“ und viele weitere Melodien erklingen am Mittwochnachmittag. Seit dem Fasching Ende Februar ist es nun der erste Kulturtermin für die Senioren.

„Hinter uns liegen schwierige Wochen. Seit dem 11. März war das Heim für Besucher geschlossen. Seit drei Wochen gibt es erste Lockerungen“, sagt Heimleiterin Katja Schwenk. Turbulent verläuft das Jahr 2020 bislang. Erst trat Feuer im Haus auf. Dann sorgte ein Stromausfall für Ärger. 14 Tage lang herrschte Ruhe, es war die „Ruhe vor dem Sturm“. Denn dann kam Corona. Vorsorglich – lange vor den Handlungsempfehlungen der Bundesregierung – schloss die Awo das Pflegewohnheim. „Wir sind sehr offen mit der Situation umgegangen“, sagt Katja Schwenk. Intern entstand ein Hygiene-Team. Täglich traf es sich und beriet fachlich zur Lage. Heimleitung, Pflegedienstleitung, Wohnbereichsleitung und Küche waren eingebunden. Essgruppen im Heim wurden vorsorglich verkleinert. Betreuungsangebote wurden umgestellt. Mit viel Aufwand und Mühe wurden FFP2-Schutzmasken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel für die Mitarbeiter besorgt. Statt Angst prägen seitdem Voraussicht und Vorsicht den Alltag. Kein Infektionsfall trat im Heim bislang auf. Keinen Sterbefall gab es seit März. Kein Mitarbeiter fiel wegen Krankheit aus. „Dafür gilt allen von Herzen Dank“, sagt Pflegedienstleiterin Michaela Krausch. „Für manch einen Mitarbeiter war die Arbeit der einzige soziale Kontakt in der Zeit der Beschränkungen.“ Alle Mitarbeiter gingen diszipliniert mit der Lage um. Sie hielten sich auch im Privatleben an die Kontaktbeschränkungen. Offen und frühzeitig informierte das Heim die Angehörigen der Bewohner. „Wir klärten auf und führten auch mit unseren Bewohnern viele Einzelgespräche. Sie und die Angehörigen sind bis heute einsichtig“, meint Michaela Krausch dankbar. „Natürlich kam mitunter auch Traurigkeit auf. Doch keiner verfiel in Schwermut.“

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Besuche wieder möglich

Grund genug hätte es sicher dafür gegeben. Denn kein Frauentag, kein Vatertag, kein Maibaumstellen und kein Maibaumwerfen wurden im Heim gefeiert. Umso größer war die Freude zum Muttertag. „Da wurden unsere Bewohnerinnen regelrecht mit Blumensträußen übersät.“ Seit dem 4. Mai gibt es behutsam erste Lockerungen. Die Bewohner dürfen im Garten eine Kontaktperson treffen. „Besuchszeiten vereinbaren wir vorher telefonisch und takten sie ein“, sagt Michaela Krausch. Diese Lösung, draußen im Freien, hat Sinn. So kann ein Bewohner jeweils an verschiedenen Tagen Besuch empfangen. „In die Einrichtung dürfte nur eine feste Kontaktperson kommen“, erläutert die Pflegedienstleiterin. Außerdem gibt es mit den Lockerungen auch wieder therapeutische Angebote, wie Physiotherapie, Logopädie und Ergotheraphie. Friseure können wieder die Haare schneiden. Angehörige dürfen mit den Bewohnern wieder Fachärzte aufsuchen.

„Wir haben unsere Mitarbeiter von Anfang an offen einbezogen. Das hat uns am Ende viel Wert gebracht.“, freut sich Michaela Krausch. Vorsorglich gab es einen „Plan B“. Dieser sah im Fall einer Infektion im Heim eine 14-tägige Quarantäne vor. Mitarbeiter hätten dann notfalls im Heim übernachten müssen. „Gott sei Dank brauchten wir ´Plan B´ nicht.“ Ein „Zurück zur Normalität“, so verdeutlicht sie, kann und wird es nicht geben. Vielmehr ein „Neu-Entdecken der Normalität“. „Lockerung heißt, Schritt für Schritt sensibel auf die Situation einzugehen.“ Gerade in diesem Pflegewohnheim leben viele Bewohner, die schon über 90 Jahre alt sind. Viele gehören zur besonderen Risikogruppe der Gefährdeten für Asthma und Lungenfunktionsstörungen. „Umso wichtiger war es uns, rechtzeitig zu reagieren und im März das Heim vorsorglich für Besucher zu schließen“, sagt Katja Schwenk. „Der Schutz unserer Bewohner und unserer Mitarbeiter lag uns am Herzen.“ Heute betreuen insgesamt 54 Mitarbeiter die Bewohner. Das reicht von der Leitung über die Pflege, Betreuung, Küche bis hin zur Haustechnik. Mit dabei sind zwei Auszubildende. Oliver Mücke lernt im zweiten Lehrjahr. Jeweils im Wechsel hat er jetzt eine Woche Schule im Beruflichen Schulzentrum „Konrad Zuse“ Hoyerswerda und eine Woche „Home-Schooling“. Marie Schubert lernt bereits im dritten Lehrjahr. Derzeit absolviert sie ihre schriftlichen und mündlichen Prüfungen. Doch sie kann die praktische Prüfung nicht direkt am lebenden Bewohner leisten. Stattdessen geht dies nur simultan im Pflegekabinett.

Die Unbeschwertheit ist mit Corona verlorengegangen. Oft ist Abschalten für die Mitarbeiter äußerst schwierig, denn es wirkt auf sie wie ein endloses Hamsterrad. Umso wichtiger ist, dass sie sich Humor, Mut und Lebensfreude bewahren.

Ein Laptop für die Bewohner

Vor kurzem erst nahm das Pflegewohnheim an einem Gewinnspiel des Deutschen Fußballbundes (DFB) unter dem Thema „Räumlich getrennt – trotzdem verbunden“ teil. Der Verband verloste insgesamt 1.000 Laptops für gemeinnützige Einrichtungen. Das Pflegewohnheim gewann ein solches Gerät. „Wir sind sehr stolz darauf“, unterstreicht Heimleiterin Katja Schwenk und versichert: „Wir werden das Gerät rege nutzen. So können unsere Bewohner auch mit Angehörigen per Skype (Video-Telefon) reden. Wir haben zum Beispiel viele Bewohner, deren Enkel weit weg von Lohsa wohnen. So können sie künftig miteinander regelmäßig Kontakt aufnehmen.“

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