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Lebensgefährliche Geschosse

Weihnachtsbäume sollen Freude bringen. Beim Transport mit dem Auto ist darum einiges zu beachten.

© Norbert Millauer

Von Philipp Siebert

Sandrino Löffler fasst sich an die Stirn. „Stopp!“, ruft er dem Fahrer eines schwarzen Kombis hinterher. Zu spät. Die Fahrertür klappt laut ins Schloss. Der Motor rattert. Weg ist der Wagen. Auf dem Dach des Wagens liegt der gerade gekaufte Baum. Den Stamm in Fahrtrichtung und nur mit einem lockeren Gurt verzurrt.

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Sandrino Löffler ist Weihnachtsbaumverkäufer. Am Kaufland in Radebeul bringt er in der Adventszeit über 4 000 Exemplare des stacheligen Grüns an den Mann. Nordmanntannen, Blaufichten und Rotfichten hat er im Angebot. Bis zu 2,80 Meter hoch sind die Bäume. Adventszeit ist für ihn Weihnachtsbaumzeit. Für seine Kunden auch. Doch nur wenige machen sich Gedanken darüber, wie der Baum sicher nach Hause kommt. „Nur zwei von einhundert machen es richtig“, sagt er.

Schlampig oder notdürftig befestigte Weihnachtsbäume auf dem Autodach können zu lebensgefährlichen Geschossen werden. Das weiß Sandrino Löffler. Er rät seinen Kunden davon ab, den Baum aufs Dach zu schnallen. Wie gefährlich die Bäume werden können, haben Crashtests vom ADAC ergeben. Bei den Tests wurde ein Baum mit Spanngurten, ein anderer nur mit Gummi-Expander gesichert. Das Ergebnis: Der mit Expandern befestigte Baum flog beim Zusammenprall mit 50 Stundenkilometer über die Motorhaube. Bei einem Unfall hätte dieser Baum tödlich sein können. Der mit Spanngurten festgezurrte Weihnachtsbaum hielt dagegen dem Aufprall stand. Er blieb auf dem Dach, bewegte sich nur wenige Zentimeter.

Wenige Minuten später. Das Geschäft läuft gut am Sonnabendmorgen. Dutzende Käufer drängeln sich zwischen den Tannen. Alle wollen einen Weihnachtsbaum mit nach Hause nehmen. Es geht hektisch zu. „Wie manche den Baum nach Hause bringen, ist manchmal abenteuerlich“, sagt Löffler. Er zeigt hinter den Verkaufsstand. Dort steht ein junger Mann mit zwei kleinen Kindern an seinem Auto. Quer durch den Kofferraum bis ans Beifahrerfenster drückt er das Grün. Mit dem Stamm voran. Die Kinder nehmen auf der Rückbank Platz. Der Kofferraum bleibt offen. Der Baum ist zu lang. Gut einen Meter ragt er über das Heck hinaus. Mit einem Gummiband befestigt der Vater die Heckklappe an der Stoßstange. Auf nach Hause.

Wie Sandrino Löffler warnen auch die Experten vom ADAC davor, den Baum so zu transportieren. „Das kann schnell schiefgehen“, sagt Birgit Müller vom Automobilclub. Beim Transport im Innenraum muss der Baum wie auf dem Dach ebenfalls richtig gesichert werden. Spanngurte sind sinnvoll. Aber auch die Rückenlehnen der Sitze können als Rutschstopp verwendet werden. Wer das unterlässt, muss mit einem Verwarngeld von 35 Euro rechnen.

Doch das ist nicht das Einzige, worauf beim Transport im Kofferraum geachtet werden muss. „Weder die Brems- und Rücklichter noch das Kennzeichen dürfen verdeckt werden, wenn der Baum zu lang ist“, so die Frau vom ADAC. Steht der Baum über, so muss er ab einem Meter mit einem roten Schild oder bei Dunkelheit mit einem roten Licht gekennzeichnet sein. Länger als 1,50 Meter ist keine Überlänge erlaubt. Außerdem darf die Sicht des Fahrers nicht beeinträchtigt werden. Wer seine Ladung falsch sichert, kann mit bis zu drei Punkten in Flensburg und einem Bußgeld von 50 Euro geahndet werden.

Doch nicht alle Kunden sind an diesem Morgen leichtsinnig beim Transport. „Die machen es richtig.“ Sandrino Löffler meint ein Ehepaar am Ende des Parkplatzes. Sie haben sich für eine Nordmanntanne entschieden. Die ist gut zwei Meter hoch. Aus dem Kofferraum holt die Frau einen grünen, langen Sack. „Das ist ein Baumsack, den gibt für ein oder zwei Euro im Baumarkt.“ In den wird der Baum gestopft.

Mit der Spitze voran schieben sie das grüne Bündel durch den Kofferraum. Quer liegt er im Innenraum – zwischen Kofferraumklappe und Rückenlehne eingekeilt. Der Sack verhindert, dass die Polster verdrecken. „Da muss man sich keine Sorgen machen, dass sie sicher zu Hause ankommen.“